Klopp-Abschied in Dortmund:Klopp zum FC Bayern? "Wieso nicht?"

Schon vor dem Spiel hatte Klopp dem Fernsehsender Sky gesagt, er wolle einen späteren Wechsel selbst zum großen Rivalen seiner Dortmunder Zeit, zum FC Bayern München, nicht ausschließen. "Ja klar, wieso soll ich mir das nicht vorstellen können?", antwortete Klopp, "ich bin Fußballtrainer, ich will noch eine Weile arbeiten, aber im Moment ist es schwierig."

In einem eilig für einen BVB-Sponsor gedrehten Werbe-Clip hatte Klopp schon vor ein paar Tagen grinsend mit allen möglichen künftigen Arbeitgebern kokettiert, von Real Madrid bis zu Manchester United. Klopp bleibt sich da treu, an kaum einer guten Pointe ernsthaft vorbei zu wollen. Nach dem Spiel, gefragt von einem spanischen Journalisten, wann und wo er Spanisch lernen wolle, antwortete Klopp in bester Laune: "Una cerveza por favor kann ich schon. Auf Mallorca kommt man damit weit. Ich kann fast alle deutschen Dialekte, da werde ich auch Spanisch lernen können - wenn es denn nötig würde."

Zugleich hat der Abschieds-Abend im Stadion auch ein wenig gezeigt, wie verletzt sich der lange Zeit in Dortmund vergötterte Trainer zu fühlen scheint. Mehr Distanz als mit einer vorgefertigten Video-Ansprache nach dem letzten Spiel hätte Klopp wohl kaum demonstrieren können. Der Fernsehmann Klopp müsste das wissen. Er wäre "zu einer Ansprache nicht in der Lage gewesen", meinte das Emotions-Paket nachher. Es klang nach Entschuldigung. Man konnte aber seinen Verzicht auf Live-Worte auch als einen Akt der Ablösung von Dortmund interpretieren. Nicht nur als Selbstschutz.

Dortmunds anderer Abschiednehmer, Sebastian Kehl, geht dagegen nicht so ganz. Kehl bleibt aller Voraussicht nach in der Stadt, die zu seiner Heimat geworden ist. Der Klub möchte ihn offenbar ins erweiterte Management holen, zunächst in den diplomatischen Dienst mit Sponsoren, Fans und anderen. Der intelligente Kehl könnte auch anderes. Für Kehl, der in der Mitte seiner Karriere sehr böse Verletzungen überstehen musste und mit dem BVB auch die bitteren Zeiten der Beinahe-Insolvenz 2004 und 2005 durchstand, wäre ein Pokalsieg in seinem allerletzten Spiel ein Geschenk des Himmels. Wann gelingt es einem Spieler schon, mit 35 Jahren einen so perfekten Abgang zu haben - und das, nach so einer verkorksten Hinrunde?

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