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Fokusteam für Olympia 2020:Diese Kletterer wollen nach Tokio

Klettern wird bei den Sommerspielen 2020 testweise olympisch. Für diese fünf deutschen Athleten bedeutet das neue Chancen - aber auch neue Herausforderungen.

Von Nadine Regel

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Ein neues Format

Vorstellung Kletter-Auswahlkader

Quelle: dpa

Klettern wird bei den Sommerspielen in Tokio 2020 testweise olympisch. Zum Start des neuen Wettkampfjahres hat der Deutsche Alpenverein (DAV), der zuständige Verband, das sogenannte Fokusteam bekannt gegeben: Es besteht aus zwei Frauen und drei Männern, die spezifisch auf die Qualifikationsevents vorbereitet werden. Ursprünglich bestand das Team aus sechs Athleten. David Firnenburg beendete am Freitag aber seine Wettkampfkarriere.

Pro Land können sich jeweils maximal zwei Sportlerinnen und zwei Sportler qualifizieren. Insgesamt gehen jeweils 20 Männer und Frauen in Tokio an den Start. Das eigens für Olympia entwickelte Format - die olympische Kombination aus den Disziplinen Bouldern, Lead- und Speed - stellt die Bundestrainer vor eine Herausforderung.

Sie müssen die Athleten, die eigentlich Spezialisten sind, in allen drei geforderten Disziplinen vorbereiten. Urs Stöcker (im Bild), einer der drei Bundestrainer, sieht das Format als eine neue Disziplin, die auch speziell trainiert werden muss. "Das Fokusteam ist sozusagen der Kader für die vierte Disziplin", sagt Stöcker. In spezifischen Lehrgängen werden die Athleten für Olympia fit gemacht. Die psychologische Betreuung übernimmt Mentalcoach Kai Engbert, der bereits die deutschen Skispringerinnen auf die Winterspiele in Sotschi vorbereitet hat.

Die Qualifikation für Olympia beginnt mit der Weltmeisterschaft in Tokio im August - die besten sieben Athletinnen und Athleten im Kombinations-Format lösen ein Ticket für die Sommerspiele. Daneben haben die 20 besten Combined-Athleten aus den Weltcups 2019 bei einem Wettkampf in Toulouse, dem Special Olympic Qualifying Event, die Chance, sich zu qualifizieren: Die besten sechs Frauen und Männer dürfen nach Tokio. Die reslichen Startplätze werden mit den Gewinnern der fünf Kontinentalwettkämpfe aufgefüllt.

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Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main)

IFSC World Cup Munich

Quelle: Maja Hitij/Getty

Jan Hojer ist der erfahrenste und mit Abstand erfolgreichste Wettkampfkletterer Deutschlands. Mit elf Jahren begann er das Klettern, fast genauso lang mischt der 26-Jährige auch im Wettkampfgeschehen mit. Seine Spezialdisziplin ist das Bouldern, aber auch beim Leadklettern zeigt er gute Resultate. Im vergangenen Jahr stellte Hojer den deutschen Speedrekord der Männer auf: Er stieg die genormte, 15-Meter hohe Wand in 7,19 Sekunden nach oben. Hojer ist sechsfacher Weltcupsieger im Bouldern und entschied 2014 sogar den Gesamtweltcup für sich. Zudem ist er Europameister in der olympischen Kombination und errang den dritten Platz im Combined-Finale bei der WM in Innsbruck.

Da Hojer lange Zeit Boulderspezialist war, liegen seine Schwächen eher im Speed- und Leadklettern - obwohl er den deutschen Rekord hält. Im internationalen Vergleich ist das nicht genug. Hojer hat einen eigenen Trainer und nutzt Videoanalysen, um auch kleinste Fehler zu korrigieren. Als seine größte Stärke sieht er, dass er bei den wichtigsten Wettkämpfen seine besten Leistungen abrufen kann.

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Yannick Flohé (DAV Aachen)

Vorstellung Kletter-Auswahlkader

Quelle: dpa

Der in Essen geborene Yannick Flohé ist in einer Klettererfamilie aufgewachsen. Seine Eltern waren beide erfolgreiche Kletterer, die ihn und seine Schwester sowohl am Fels als auch in der Halle mit dem Klettern sozialisierten. Seine größten Erfolge feierte der 19-Jährige im Bouldern: 2018 wurde er Vize-Junioren-Weltmeister und Deutscher Meister in dieser Disziplin. Zudem holte er sich 2018 den deutscher Meistertitel im Speedklettern. Yannick Flohé ist Sportsoldat. Nach seinem Abitur kann er sich so auf das Klettern zu fokussieren.

Seine Aussichten für das Qualifikationsevent bei der WM in Tokio sieht er pragmatisch. "Ich müsste dort unter die besten Sieben klettern", schreibt Flohé (die Sportler haben die Fragen der SZ per E-Mail beantwortet). Aber ganz unmöglich sei das natürlich nicht. Bessere Chancen rechne er sich in der Qualifikation über den Gesamt-Weltcup aus. Seine Stärken sieht er bei kräftigen Bouldern im Überhang, seine größte Schwäche sei die Beweglichkeit. "Im Training lege ich den Fokus im Moment auf Schnellkraft, Ausdauer, Fingerkraft und trainiere Speed", so Flohé.

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Hannah Meul (DAV Rheinland-Köln)

Vorstellung Kletter-Auswahlkader

Quelle: dpa

Hannah Meul aus Frechen ist das jüngste Mitglied im Fokusteam, hat aber einen großen Vorteil vor den anderen: Die 17-jährige Schülerin nahm vergangenes Jahr an den ersten Olympischen Jugendspielen teil, bei der Klettern testweise ins Programm aufgenommen wurde. In Buenos Aires verpasste sie knapp einen Podestplatz und landete auf dem vierten Platz.

Die Teilnahme war das Highlight ihrer bisherigen Karriere: "Ich habe jede Sekunde an der Wand genossen und das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen." Drei Wochen verbachte sie in Argentinien. Mit Jugendlichen aus der ganzen Welt auf das selbe Ziel hinzuarbeiten inspirierte sie dabei am meisten. "Das werde ich nie vergessen."

Meul kletterte das erste Mal im Alter von sieben Jahren in einer Kinderklettergruppe. Seither hat sie nach eigenen Angaben an nationalen und internationalen Wettkämpfen teilgenommen und teils vordere Platzierungen erreicht. Das Bouldern liegt ihr am meisten. "Meine größte Stärke ist im Moment aber, dass ich gerade so doll an mich glaube wie noch nie", schreibt Meul.

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Alma Bestvater (DAV Weimar)

Vorstellung Kletter-Auswahlkader

Quelle: dpa

Alma Bestvater ist in Thüringen geboren, seit dem vergangenen Sommer lebt die 22-Jährige in München, um besser trainieren zu können. Bei einem Kletterausflug mit ihrer Klasse entdeckte sie den Sport für sich. "Sofort war für mich klar, dass ich das weiter machen will", so Bestvater. Seit 2009 ist sie beim DAV und nun Teil des Fokusteams. Außerdem studiert Bestvater Sportmanagement in Teilzeit. Für sie ist ein zweites Standbein wichtig.

Alma Bestvater ist die aktuell beste deutsche Boulderin. 2018 war ihr bisher erfolgreichstes Wettkampf-Jahr: Ihre größten Erfolge waren ihr Sieg bei der Deutschen Meisterschaft im Bouldern, ihr deutscher Rekord im Speedklettern und die beiden Finalteilnahmen bei den Boulderweltcups in Tokio und Vail. Ihr Trainingsfokus liegt auf den Disziplinen Lead und Speed sowie der Kombination aller drei Disziplinen - also das olympische Format.

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Alexander Megos (DAV Erlangen)

09 09 2018 Kletterzentrum Innsbruck AUT IFSC Kletter WM Innsbruck 2018 Finale Herren Vorsti; Alexander Megos

Quelle: imago/Eibner Europa

Alexander Megos (r.) ist der international erfolgreichste Felskletterer Deutschlands - und zusammen mit dem Tschechen Adam Ondra (l.) der wohl beste weltweit. Mit sechs Jahren kam er durch seinen Vater zum Klettern. Heute ist der 25 Jahre alte Megos Profikletterer und kann von seinem Sport leben.

Mit dem Wettkampfklettern hatte Megos lange ausgesetzt - um sich aufs Felsklettern zu fokussieren. 2018 wollte er es aber noch einmal wissen: Er erkletterte einen Weltcupsieg im Lead in Briançon und den dritten Platz im Lead bei der Weltmeisterschaft in Innsbruck. Das bestärkte ihn darin, an der Qualifikation für Olympia teilzunehmen. Olympia nimmt er locker. Seine Erwartungen für das erste Qualifikationsevent in Tokio sind, "so viel rohen und leckeren Fisch wie nur möglich zu essen".

© SZ.de/sgö/dsz/chge

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