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Klettern:"Es wird definitiv leiser zugehen"

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"Klettern war von Anfang an im Fokus, allein, weil es auch im Breitensport immer beliebter wird": Olaf Tabor, 50, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Alpenvereins.

(Foto: Andreas Pranter/imago)

Olaf Tabor, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Alpenvereins, spricht im Interview über die erstmalige Übertragung der Kletter-DM im deutschen Fernsehen, fehlende Zuschauer, die schwierige Sponsorenlage und das Kribbeln vor der Olympiapremiere.

Von Nadine Regel

SZ: Herr Tabor, die DM im Bouldern und Speed werden an diesem Wochenende erstmals im deutschen Fernsehen übertragen. Sie sind Teil der "Finals", bei denen in Berlin und Rhein-Ruhr in 18 Sportarten deutsche Meister ermittelt werden. 2019 war Klettern noch nicht dabei. Warum?

Olaf Tabor: 2019 fanden die Finals im August statt, zeitgleich mit den Weltmeisterschaften im Klettern in Tokio, die auch Qualifikationsevent für Olympia waren. Unsere Topleute hätten dann nicht an der DM teilnehmen können. Deswegen haben wir schweren Herzens abgesagt. 2020 wären wir dabei gewesen, aber da sind die Finals pandemiebedingt ausgefallen.

In diesem Jahr hat dann alles zusammengepasst?

Ja, die Finals-Organisatoren haben sich für eine Austragung im Juni entschieden, weil es weniger Überschneidungen gab. Dieses Jahr sind auch deutlich mehr Disziplinen dabei. Es gab ein grundsätzliches Interesse, dass möglichst viele neue olympische Sportarten dabei sind. Klettern war von Anfang an im Fokus, allein, weil es auch im Breitensport immer beliebter wird.

Werden unter den aktuellen Umständen Zuschauer zugelassen?

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass in Berlin in überschaubarem Umfang auch Zuschauer teilnehmen dürfen. Auch in NRW wird das erwogen, aber da habe ich noch keine definitive Entscheidung gehört. Es werden in jedem Fall nur sehr wenige eingelassen werden.

Schade, gerade der Klettersport lebt ja vom Jubel der Zuschauer. Speziell beim Speed geht es ja um einen hitzigen Schlagabtausch, bei dem jeweils zwei Kletterer direkt nebeneinander starten. Da geht es um Millisekunden.

Ja, es wird definitiv leiser zugehen. Aber wir sind froh, dass es überhaupt stattfinden wird. Im Moment geht es uns vor allem um die öffentliche Wahrnehmung einer neuen olympischen Sportart. In wenigen Wochen feiert Klettern ja sein Debüt in Tokio. Das bringt dann sogar weltweite Aufmerksamkeit für einen Sport, der bisher völlig unter dem Radar gelaufen ist. Die Stimmung ist jedenfalls auch unter den Athletinnen und Athleten sehr positiv, weil das ja auch für sie eine ganz andere Dimension von öffentlicher Wahrnehmung bringt.

Kann sich die neue mediale Präsenz auch positiv auf die Sponsorenakquise auswirken?

Die große Reichweite der Finals wird dem ein oder anderen unsere Sportart näherbringen, der sie noch nicht auf dem Schirm hatte. Obwohl schon allein die Tatsache, dass Klettern olympisch ist, mehr Sichtbarkeit gebracht hat. Aber die Sponsorensituation ist pandemiebedingt angespannt und schwierig.

In welchem Umfang wird das Klettern bei den "Finals" übertragen?

Das Speedfinale wird live im ZDF übertragen, weil das relativ kurz ist. Die Finalwettbewerbe beim Bouldern werden im Livestream der ARD übertragen, zudem gibt es Einblendungen vom Halbfinale.

Und die Spiele in Tokio: Glauben Sie daran, dass sie in diesem Jahr überhaupt stattfinden?

Wir gehen im Moment davon aus. Unsere teilnehmenden Athleten Alexander Megos und Jan Hojer haben sich jahrelang darauf vorbereitet und fiebern darauf hin, sich endlich auf dieser großen Bühne messen zu dürfen.

© SZ/sewi/lein
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