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Kletter-Profi Angela Eiter:"Die heikelsten Stellen habe ich mir daheim nachgebaut"

Das klingt fast nach fotografischem Gedächtnis.

Auf jeden Fall. Ich musste mir hundert Züge merken und jeder davon hat ganz viele Tritte und Griffe. Das muss alles millimetergenau passen. Die heikelsten Stellen habe ich mir dann daheim in Imst in der Kletterhalle nachgebaut.

Früher sind Sie fast nur in der Halle geklettert, 2013 haben Sie trotz großer Erfolge Ihre Wettkampfkarriere beendet. Wie kam es dazu?

Einmal waren wieder Verletzungen der Grund. Ich habe in den Jahren zuvor zu wenig auf meinen Körper gehört, hatte wahnsinnig viel Stress und mit dem Erfolg wurde eben auch die Belastung immer größer. Irgendwann haben sich die Verletzungen gehäuft, das hätte so nicht ewig weitergehen können. Aber der Hauptantrieb war eigentlich meine Leidenschaft für die Natur. Ich bin schon als Kind immer gern draußen gewesen und in den Wettkämpfen konnte ich das nicht mehr ausleben.

Hat man beim Klettern den Zeit, die Natur zu genießen, wenn man so auf den Fels konzentriert ist?

Wenn man so fokussiert ist, vergisst man das meistens total, das stimmt schon. Aber seit ich keine Wettkämpfe mehr bestreite, habe ich angefangen wahrzunehmen, was für Schönheit uns da draußen umgibt. Durch das Felsklettern habe ich erst ein offenes Auge für die Welt bekommen.

Mittlerweile könnte man meinen, Sie hätten in Ihrer Karriere alles erreicht. Wovon träumen Sie noch?

Ich würde gern die ein oder andere höhere Wand besteigen. Dafür bräuchte ich vor allem einen Gleichgesinnten, der mich sichert und der das mit mir ausleben möchte, so jemanden habe ich bis jetzt noch nicht gefunden. Aber ich möchte mein Repertoire erweitern, neue Routen entdecken. Griechenland, Kroatien, Frankreich - mich reizt noch so vieles.

Vor allem im Süden?

Ganz ehrlich? Am liebsten klettere ich immer noch daheim. Ich bekomme ganz schnell Heimweh, meistens schon wenn ich zwei Wochen unterwegs bin. Zu Hause in Österreich hab' ich ein Gebiet, das Muttekopf-Gebiet in Imst, das ist mein persönlicher Anker. Das ist nicht allzu anspruchsvoll, aber da kann ich abschalten, genießen und da hole ich mir die Energie, die ich dann im Ausland wieder verpulvern kann.

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