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Zum Geburtstag von Klaus Fischer:Ein Name, der für Fallrückzieher steht

Experte für Fallrückzieher: Klaus Fischer trifft im WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich.

(Foto: IMAGO)

Der ehemalige Stürmer Klaus Fischer wird heute 70 Jahre alt. Er schoss jedoch nicht nur das Tor des Jahrhunderts - er gewann auch eine Eisstock-EM.

Von David Fuhrmann

Es war das Jahr 1973, als erstmals das Wort "Fallrückzieher" im Rechtschreibduden stand. Und es scheint nicht ganz zufällig zu sein, dass die Erstaufnahme des Wortes genau in die frühe Wirkungszeit des ehemaligen Nationalspielers Klaus Fischer fällt. Des Öfteren konnte der Stürmer, der an diesem Freitag 70 Jahre alt wird, in seiner Profikarriere Angriffszüge auf diese Art und Weise vollenden. Und das auch noch in besonders wichtigen Partien.

Wohl kein anderer Spieler beherrschte die hohe Kunst des Fallrückziehers, ein Königselement des Fußballs, in einer solchen Selbstverständlichkeit wie er, der Bundesligaspieler mit der zweithöchsten Torausbeute nach Gerd Müller - und der Schütze des Tores des Jahrhunderts, das ihm 1977 im Länderspiel gegen die Schweiz gelang. Selbstverständlich in Form eines Fallrückziehers. Im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund können die Besucher das legendäre Tor nachstellen: Sie kippen auf einer Liege nach hinten und müssen dabei das Bein gerade in die Luft strecken bis zu einem weit oben aufgehängten Ball. Für viele ist das schwer zu schaffen, selbst mit der Hilfestellung.

Mit dem FC Schalke 04 gewann Fischer einen DFB-Pokal, mit der Nationalmannschaft, für die er in 45 Spielen 32 Treffer erzielte, landete er auf Platz zwei bei der Weltmeisterschaft 1982. Beim spektakulären 8:7 gegen Frankreich im Halbfinale - es war das erste Spiel der WM-Historie, das im Elfmeterschießen entschieden wurde - sorgte er für das zwischenzeitliche 3:3. Klar: per Fallrückzieher.

Seine atemberaubenden Treffer brachten die Menschen nicht nur in Deutschland ins Schwärmen. Auch wenn der Bundesliga-Manipulationsskandal 1970/1971 einen Schatten auf seine Karriere warf: die damalige Schalker Mannschaft verlor gegen Bezahlung absichtlich 0:1. Fischer war einer der Spieler, die daraufhin vom Deutschen Fußball-Bund auf Lebzeit gesperrt, aber bereits zur Bundesliga-Saison 1973/1974 wieder begnadigt wurden.

Fischer war ein begnadeter Eisstockschütze

Es sind heute die Tore, die spektakulären Tore, an die sich die Menschen zuerst erinnern, wenn der Name Klaus Fischer fällt. Seine Fallrückzieher erforderten ein Höchstmaß an Timing und Präzision. Dass er beiden Fertigkeiten in Perfektion beherrschte, verwundert kaum, schließlich verbrachte er einen Großteil seiner Kindheit, seiner Jugend und seines frühen Erwachsenenalters damit, Präzisionsarbeit zu leisten. Klaus Fischer, Jahrgang 1949, wuchs in der Nähe der Kleinstadt Zwiesel auf, der "Glasstadt" im Bayerischen Wald, die bekannt ist für ihre Glasindustrie. Hier erlernte auch der junge Klaus Fischer den Beruf des Glasbläsers, der ein gefährlicher ist: der Umgang mit dem glühenden Glas erfordert Konzentration und Genauigkeit. Aber nicht nur im erlernten Beruf schleifte Fischer an diesen Fähigkeiten: Er war ein begnadeter Eisstockschütze, als Jugendlicher gewann er mit seinem Verein die Europameisterschaft im Eisstockschießen, einem im Winter betriebenen Präzisionssport, der vorwiegend im Alpenraum praktiziert wird und der ans Curling erinnert.

Aber den Sommer über spielte der Stürmer Fußball - beim SC Zwiesel, bevor er sich aufmachte, beim TSV 1860 München, auf Schalke sowie beim 1. FC Köln und dem VfL Bochum in die Geschichte der Bundesliga einzugehen. Und das, obwohl er nie bei einem dominanten Spitzenklub aktiv war. Klaus Fischer, dessen Nichte nach wie vor im beschaulichen Zwiesel lebt, hat eine besondere Verbindung zu seiner Heimat, die auch andere berühmte Sportler hervorgebracht hat: Den Weltenbummler-Torwart und jetzigen Sportchef von Fortuna Düsseldorf, Lutz Pfannenstiel, den Stürmer Stephan Hain (FC Augsburg, 1860 München, derzeit Unterhaching), oder auch den von 1965 bis 1972 bei Mönchengladbach aktiven Abwehrspieler Heinz Wittmann.

"Wenn er in Zwiesel ist, schaut er auch immer bei seinem alten Heimatverein vorbei", sagt Thomas Kargerbauer, Abteilungsleiter des Vereins, über Klaus Fischer. "Bis vor drei Jahren beteiligte er sich in der Weihnachtszeit auch noch regelmäßig am Eisstockschießen." Wer einmal Gefallen an Präzisionsarbeit gefunden hat, bleibt eben dabei.

© SZ vom 27.12.2019/tbr
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