Klassenerhalt trotz 1:2-Niederlage Die Minimalisten aus der Hauptstadt

Trotz der Pleite in Sinsheim bleibt Hertha BSC in der Bundesliga. Alles deutet darauf hin, dass Pal Dardai auch kommende Saison in Berlin der Trainer ist.

Von Tobias Schächter, Sinsheim

Pal Dardai redet verdammt schnell. Wie einer, der alles, was ihn umtreibt, auf einmal loswerden will. Und das war ziemlich viel. Der Trainer von Hertha BSC Berlin musste eine 1:2-Niederlage bei der TSG Hoffenheim erklären. Das ärgere ihn. Und trotzdem war Dardai natürlich "sehr glücklich, den Klassenerhalt geschafft zu haben". Nach dem Spiel feierten die Hertha-Fans und die Spieler die Pleite von Hoffenheim wie einen Sieg.

Es war schon ein wenig seltsam: Die Hertha rettete das Überleben in der Bundesliga mit einer Niederlage und einer Serie von sieben Spielen ohne Sieg. Sechs Wochen lang hatten die Berliner sechs Matchbälle in Serie für den Klassenerhalt mitunter kläglich vergeben - an diesem Samstag verwandelten sie den letzten kurioserweise mit einer Niederlage. Dennoch durfte Dardai behaupten: "Wir haben den Klassenerhalt aus eigener Kraft geschafft." Den Berlinern gelang genau das geforderte Minimal-Ergebnis: Eine Niederlage mit nur einem Tor Unterschied. "Aber als Sportler", haderte Dardai, "ärgert es mich wahnsinnig, dass wir nach dem 1:1 noch das 1:2 hinnehmen mussten."

Nur aufgrund des Torverhältnisses vor dem HSV

In der 72. Minute rannte Dardai so begeistert wie ein Schütze nach dem wichtigsten Tor seiner Karriere durch seine Coaching-Zone. Acht Minuten zuvor hatte der Hertha-Trainer Roy Beerens für Salomon Kalou eingewechselt. Und als Beerens aus zwölf Metern die Führung von Anthony Modeste (8.) egalisierte, konnte sich Dardai tatsächlich ein bisschen wie ein Torschütze fühlen. Mehr als das 1:2 durch ein Abstaubertor von Roberto Firmino ließen die Berliner dann nicht mehr zu. Dardai hat die Mission Klassenerhalt erfüllt, nachdem er im Februar für 15 Spiele vom Jugend- zum Profitrainer nominiert wurde. Damals stand die Hertha mit dem Trainer Jos Luhukay auf Abstiegsrang 17. Beendet haben die Berliner die Saison nun aufgrund des besseren Torverhältnisses auf Rang 15, punktgleich mit dem Hamburger SV auf Relegationsrang 16. Dardai wollte das letzte halbe Jahr lieber "schnell vergessen". Einerseits. Andererseits sagte er: "Die Spieler müssen lernen, lernen, lernen, lernen. Vor allem müssen sie die Angst vergessen und Fußballspielen. Das ist wichtig."

Gerettet, wenn auch glanzlos: Die Hertha hält trotz einer Niederlage in Hoffenheim die Klasse.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Dardai referierte, für ihn, als jungen Trainer, sei es nicht einfach gewesen, "da reingeschmissen" worden zu sein. Er sei niemand, der rumheule, aber jetzt müsse er einfach einmal sagen, dass ihm oft Kreativspieler wegen Verletzung gefehlt hätten. Bei der Hertha fielen in der Rückrunde immer wieder wichtige Offensivspieler länger aus: Alexander Baumjohann, Tolga Cigerci, Julian Schieber und Änis Ben-Hatira fehlten auch in Hoffenheim. Wichtig seien die Siege gegen Paderborn und Hamburg gewesen, analysierte Dardai. Der 39-Jährige gab zu, dass ihm aber die letzten Spiele nicht gefallen hätten: "Das war eine Charakterfrage, da haben wir ein bisschen gewackelt." Pragmatisch hakte Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger das Spiel in Hoffenheim und die Saison ab, er sagte: "Ich bin einfach nur glücklich. Wie wir den Klassenerhalt geschafft haben, interessiert morgen nicht mehr."

Dardai: "Ich habe noch nicht unterschrieben"

Und weil die Klasse gehalten ist, Dardai der Hauptstadt wieder etwas bessere Fußball-Laune vermittelt hat, soll er auch im kommenden Jahr die Berliner betreuen. Dies jedenfalls ließ Manager Michael Preetz in den ersten Fernsehinterviews im Stadion durchblicken. Dennoch ist die Sache ein wenig kompliziert. Dardai ist in seinem Zweitberuf Nationaltrainer in Ungarn, im Juni stehen wichtige EM-Qualifikationsspiele an. Die Hertha müsste Dardai wohl aus seinem Vertrag beim ungarischen Verband heraus kaufen. Oder weiter die Doppellösung akzeptieren, was unwahrscheinlich ist. In Kürze wird über alles geredet. "Nein, ich habe noch keinen Vertrag unterschrieben. Es ist noch nicht die Zeit dafür", sagte Dardai am Sonntag. Der Abstiegskampf sei eine "große Belastung", meinte Dardai. "Aber natürlich ist es ein sehr geiler Job und sehr schön. Man wird sehen."

Schema & Statistik

Alle Daten und Fakten zum Spiel stehen hier.

Am Dienstag steht bei der Hertha eine Jahreshauptversammlung an. Dort wird Preetz erklären müssen, warum die Hertha eine so enttäuschende Saison gespielt hat. Ziel war nach der Finanzspritze von Investor KKR (61 Millionen Euro) ja nicht, bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zu zittern. Warum der Aufschwung trotz neun neuer Spieler unter dem ehemaligen Trainer Jos Luhukay ausblieb, wird Preetz erklären müssen. Und natürlich auch, was aus Pal Dardai wird.