Klage gegen Rummenigge "Das Gedicht hatte Erfolg"

Der Anwalt der von Bayern-Chef Rummenigge bestohlenen Dichterin über Urheberrecht, künstlerisches Niveau und eine Klage gegen den FC Bayern.

Von Interview: Martin Zips

Es hätte alles so harmonisch ablaufen können, als der große Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, mit einem originellen Dankesgedicht seinen Freund Franz Beckenbauer ehrte. Doch dann kam heraus, dass die Reime gar nicht von Rummenigge verfasst wurden. Er klaute sie bei einer bisher unbekannten hessischen Lyrikerin. Der Bonner Anwalt Robert Kazemi vertritt jetzt die Frau.

Außergerichtliche Einigung abgelehnt: Karl-Heinz Rummenigge und der FC Bayern.

(Foto: Foto: dpa)

SZ: Herr Kazemi, wie kommt ein Bonner Rechtsanwalt dazu, eine Dichterin aus Hessen gegen Karl-Heinz Rummenigge und die FC Bayern München AG zu vertreten?

Kazemi: Die Lyrikerin, Frau Pfeiffer-Klärle aus Rödermark, hat uns mit dem Fall beauftragt. Wie Sie wissen, hatte Herr Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung am 27. November 2009 zu Ehren von Franz Beckenbauer ein Dankesgedicht vorgetragen. Das Gedicht stammt jedoch von Frau Pfeiffer-Klärle.

SZ: Wir zitieren: "Ich danke Dir, ich dank Dir sehr, / ich danke Dir, das fällt nicht schwer. / Ich danke Dir, dank Dir ganz doll, / weiß gar nicht,was ich sagen soll." Herr Kazemi, kann man hier wirklich von einem Gedicht sprechen?

Kazemi: Zumindest liegen die Urheberrechte ganz eindeutig bei Frau Pfeiffer-Klärle. Schließlich hat sie die Zeilen auf ihrer Internetseite zur allgemeinen Verwendung angeboten - gegen Bezahlung allerdings. Zudem leitete Rummenigge seine Rezitation auf der öffentlichen Hauptversammlung des Fußballvereins mit dem Verweis ein, man lebe in Deutschland im Land der Dichter und Denker. Es handelt sich also offenkundig um ein Gedicht.

SZ: "Ich danke Dir, Du bist ein Schatz, / dies sag ich Dir in diesem Satz, / ich danke Dir, das fällt nicht schwer: / Danke, danke, danke sehr". Herr Kazemi, das klingt doch bestenfalls nach einer dieser billigen Familienanzeigen im Lokalblättchen.

Kazemi: Finden Sie? Jedenfalls geht es um rein urheberrechtliche Dinge. Und die Rechtsprechung ist sehr restriktiv. Herr Rummenigge hat sich ja noch nicht einmal die Mühe gemacht, das Gedicht leicht abzuwandeln. Nur am Schluss fügte er noch Gedanken zu 1860 München hinzu. Das reicht aber nicht. Zudem hatte das Gedicht seinerzeit großen Erfolg. Viele Zeitungen berichteten ausführlich über Rummenigges Vortrag, ohne Frau Pfeiffer-Klärle zu erwähnen.

SZ: Frau Pfeiffer-Klärle hat doch erst durch Journalisten von der Sache Wind gekriegt. Sie sagt, sie habe die Zeilen nach "ein paar Bier" verfasst. Klingt eher nach Entschuldigung.

Kazemi: Es geht aber nicht, dass der FC Bayern nun argumentiert, bei der Versammlung habe es sich um eine private Veranstaltung gehandelt! Das ist falsch. Es waren Journalisten akkreditiert, und Herr Rummenigge trug das Gedicht unter dem Tagesordnungspunkt "Berichte des Vorstandes der Bayern München Aktiengesellschaft" vor. Seine Rezitation war also sehr wohl geschäftlich motiviert.

SZ: Ja? Und wie gehen Sie nun vor?

Kazemi: Wir haben den FC Bayern abgemahnt und eine Unterlassungserklärung gefordert. Zudem haben wir angeboten, die Sache außergerichtlich zu regeln - gegen eine Schadensersatzzahlung von 1000 Euro. Daraufhin erklärte uns der Prokurist des Vereins, Rummenigge habe im Internet nach einem Gedicht zum Thema "Dank" gesucht und sei dabei auf den Text von Frau Pfeiffer-Klärle gestoßen. Na, eben das ist ja das Problem!

SZ: Und was sagt das Gericht zu dem Gedicht?

Kazemi: Das Landgericht Hamburg hat eine einstweilige Verfügung gegen den FC Bayern erlassen. Die Kammer sieht in dem Vortrag Rummenigges ebenfalls eine Urheberrechtsverletzung. Sollte der FC Bayern Widerspruch einlegen, so müsste in Hamburg mündlich verhandelt werden. Wir werden sehen.

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