bedeckt München
vgwortpixel

Klage gegen Fifa:"Kunstrasen ist diskriminierend"

Länderspiel Deutschland - Italien

Nadine Angerer: Kein Bock auf Kunstrasen

(Foto: dpa)
  • 40 Spielerinnen klagen gegen das Vorhaben der Fifa, die WM 2015 auf Kunstrasen austragen zu lassen.
  • Die Wahl sei sexistisch, verletze Menschenrechte und fördere zudem die Gefahr von Blessuren.
  • Fifa-Boss Joseph Blatter sieht das anders.

Eine Gruppe von knapp 40 Nationalspielerinnen mit der deutschen Weltfußballerin Nadine Angerer und US-Spielerin Abby Wambach an der Spitze hat gegen die Pläne für eine WM auf Kunstrasen Klage eingereicht. Dabei bezeichneten sie das "zweitklassige" Geläuf als "diskriminierend und illegal" für Weltklasse-Athletinnen. Die Realität sei, dass "Männer nie eine WM auf Kunstrasen spielen würden", sagte Wambach. Die Wahl sei sexistisch, verletze Menschenrechte und fördere zudem die Gefahr von Blessuren.

Kompomiss ist nicht in Sicht

"Wir vertrauen darauf, dass sich am Ende Fairness und Gleichheit gegen Sexismus und Starrsinn durchsetzen", sagte Anwalt Hampton Dellinger der BBC. Die Klageschrift gegen den Fußball-Weltverband Fifa und den kanadischen Verband CSA wurde in Ontario eingereicht. Ein Kompromiss scheint nicht in Sicht, nachdem die Fifa-Verantwortliche Tatjana Haenni jüngst nach einer Inspektion der sechs Spielstätten betont hatte: "Wir spielen auf Kunstrasen. Es gibt keinen Plan B."

"Die Verletzungsgefahr ist riesig"

Angerer hatte sich unlängst in einem SID-Interview über die Beschaffenheit des ungeliebten Polyethylen-Untergrunds aufgeregt. "Der Platz in Vancouver beispielsweise ist eine Frechheit, das ist Beton. Die Verletzungsgefahr ist riesig", meinte die Europameisterin und fügte an: "Ich hoffe, dass die Fifa noch was macht, so ist das peinlich." In Vancouver findet das Finale der WM 2015 (6. Juni bis 5. Juli) statt.

Größere Drehkräfte auf Gelenke und Bänder

Die Endrunde im kommenden Sommer in Kanada wäre die erste WM-Veranstaltung für A-Nationalmannschaften, die auf Kunstrasen ausgetragen wird. Unter Sportmedizinern ist der Kunststoff-Teppich umstritten, weil er meist stumpfer als Naturgras ist. Da die Schuhsohle fester verankert ist, wirken größere Drehkräfte auf Gelenke und Bänder.

Blatter überzeugt von neuem Rasen

Fifa-Boss Joseph S. Blatter ist da offenbar anderer Meinung. Für den Schweizer ist Kunstrasen "die Zukunft des Fußballs", weil sich die Beschaffenheit des Belags inzwischen verbessert habe. "Es gab Zeiten, in denen das Spielen auf künstlichem Untergrund ein Alptraum war. Kunstrasen war wie Teppich auf Beton. Doch die Qualität hat sich stark verbessert", sagte Blatter.