Kinofilm zum deutschen WM-Titel:Jenseits der Absperrgitter

Lesezeit: 4 min

Zwei, die sich besonders lieb haben: Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger

Szene des Kinofilms "Die Mannschaft": Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger.

(Foto: Constantin Film/dpa)

"Die Mannschaft", der Film über den deutschen WM-Triumph, ist das einfach gezeichnete Porträt einer Gruppe junger Menschen, die sich vor der Kamera gut verstehen. Kritische Töne zur Fifa fehlen.

Von Sebastian Fischer, Berlin

Das Wort Mannschaft, hat Joachim Gauck am Montag gesagt, als er das deutsche Fußball-Nationalteam im Schloss Bellevue mit der Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes adelte, dieses Wort könne man nicht in fremde Sprachen übersetzen. Jedenfalls nicht richtig. Und nicht mehr: seit dem vergangenen Sommer. Seitdem die deutsche Nationalmannschaft in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde. Die Franzosen, sagte der Bundespräsident, würden spätestens seitdem La Mannschaft sagen und die Briten The Mannschaft. Dies, sagte er, drücke Respekt und Achtung aus.

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sind sie natürlich stolz auf solche Weihen, sie haben deshalb eine Dokumentation produziert, sie heißt: "Die Mannschaft". Am Montagabend, ein paar Stunden nachdem Gauck seine Rede gehalten und jeder Spieler seine Urkunde und seine silberne Anstecknadel überreicht bekommen hatte, fand in Berlin die Premiere statt, roter Teppich wurde am Potsdamer Platz ausgerollt, Absperrgitter wurden aufgestellt.

Der Film soll davon genau das Gegenteil sein, er soll die deutschen Nationalspieler ohne Absperrgitter zeigen. Was dann so aussieht: Thomas Müller kellnert nach einer verlorenen Golfwette im Dirndl. Lukas Podolski lacht. Bastian Schweinsteiger sitzt mit dem Handy vorm Fernseher. Lukas Podolski lacht. Per Mertesacker ist betrunken. Er tanzt, mit einer Goldmedaille um den Kopf gebunden, im bunten Discolicht. Lukas Podolski lacht.

"Die Mannschaft" ist viel Gefühlsduselei, alle deutschen Tore der WM, alle Paraden von Manuel Neuer in Zeitlupe, mit Geigen unterlegt, bei jedem Torschuss ein dumpfer Bass, bei jedem Tor der Sound vom Tornetz. Doch vor allem ist "Die Mannschaft" das einfach gezeichnete Porträt einer Gruppe junger Menschen, die sich vor der Kamera gut verstehen. Ein Film, der Fans glücklich macht. Aber nicht mehr als das: Ein gut gelauntes Porträt von Deutschlands beliebtester Mannschaft.

Bereits 2006 hat der DFB die Nationalmannschaft während der Weltmeisterschaft im eigenen Land mit Kameras begleitet, Sommermärchen hieß es damals, Sönke Wortmann führte Regie. Viele Szenen ähneln sich: Die Nationalspieler beim Frühstück, auf der Massagebank, in der Kabine, angespannt vor dem Spiel, jubelnd danach. Der Film 2014, bei dem diesmal DFB-Mitarbeiter Regie führten, habe mehr Atmosphäre, mehr Nähe, es gebe mehr Einsichten hinter die Kulissen als vor acht Jahren, hat DFB-Teammanager Oliver Bierhoff vorab in der Bild am Sonntag versprochen. Doch es sind keine Eindrücke, die die Geschichte des Turniers in Brasilien umschreiben.

Es geht vor allem darum, sympathische Bilder der Helden zu produzieren, die am Montag alle einzeln neben Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Thomas de Maizière posierten. Nahbar sollen die Spieler wirken, und an einigen Stellen gelingt das auch, etwa wenn Müller, wenn man so will der Hauptdarsteller des Films, selbstironisch über seinen Freistoßtrick spricht, bei dem er im Achtelfinale gegen Algerien voller Absicht über die eigenen Füße gestolpert war. Doch dann sieht man nach Autogrammen kreischende Fans in Porto Seguro, von Sicherheitsleuten zurückgehalten. Nahbar waren die Spieler in erster Linie für den DFB-Mann mit der Kamera.

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