Kingsley Coman beim FC Bayern:Hübsche Haken nach dem Schuhwirrwarr

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Viel Grund zur Freude: Kingsley Coman nach seinem technisch anspruchsvollen Treffer zur 2:1-Führung der Bayern.

(Foto: Thomas Hiermayer/imago)

Aus dem Stadion von Matthias Schmid

Kingsley Coman zog ein wenig seinen linken Fuß nach, ganz abgeklungen scheint seine Verletzung noch nicht zu sein. So hinkte er am Samstagabend zum Aufzug, der ihn hinaufführte zu den Räumlichkeiten der Mannschaft in der Fröttmaninger Arena. Unmittelbar davor blieb der Fußballer des FC Bayern aber stehen, und lächelte, als er ein paar Fragen beantwortete.

Es gibt nicht viele Interviews mit dem 21-Jährigen, auch in diesem kurzen Gespräch nach dem 3:1 (1:1) gegen Hannover 96 sagte er nicht viel. "Es war ein gutes Match heute von uns", erklärte Coman. Schüchtern stand er da und redete so leise, dass er kaum zu vernehmen war.

Zweifellos hatte Coman mit seinem Tor zum 2:1 (66.) und dem herausgeholten Elfmeter, den Lewandowski verwandelte (87.), großen Anteil am fünften Heimsieg des FC Bayern unter Jupp Heynckes. "Ich fühle mich physisch wieder fit", sagte Coman. Was er noch verbessern könne? "Vieles." Um mit der üblichen Floskel eines Kickers abzuschließen: "Das Wichtigste ist, dass ich gesund bleibe."

"Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten"

In den vergangenen Wochen hatte Coman noch eine Sehnenreizung am linken Fuß geplagt. Ursache war laut kicker der Schuhwechsel, den ihm sein Ausrüster nach drei Monaten vorschreibt. Darüber wollte Coman ebenso wenig reden wie seine Mitspieler. Aber jeder im Stadion hatte sehen können, dass er der Mannschaft helfen kann. Coman sprintete in Höchstgeschwindigkeit über den Rasen, schlug hübsche Haken und stellte mit dem Ball Dinge an, bei denen sich andere den Fuß brechen oder einen Muskelfaserriss holen würden.

Viel wichtiger noch: Der Franzose hat sein Repertoire erweitert. "Er kann jetzt auch die Anschlussaktionen", wie Joshua Kimmich hocherfreut erzählte. Comans Flanken von der linken Seite werden immer präziser, auch vor dem Tor beim Abschluss ist er ruhiger geworden, entschlossener. "Vor allem der erste Kontakt bei seinem Tor war überragend", lobte Kimmich.

In der Tat war Comans Treffer zum 2:1 ein fußballerisches Gemälde: Einen hohen Ball nahm er mit rechts an, um ihn in einer fließenden Bewegung mit dem linken Fuß über die Linie zu wuchten. "Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten, die nicht an jeder Ecke zu finden sind", bestätigte Thomas Müller.

Es fällt vor allem auf, dass sich Coman unter Jupp Heynckes viel schneller entwickelt hat, als in den fast eineinhalb Jahren unter Carlo Ancelotti. Er hebt jetzt viel häufiger seinen Blick, um sich zu vergewissern, ob seine Flanke auch einen Abnehmer findet. Nicht immer klappt das, dann dringt sein Hang zum Eigensinn durch. Wie in der 53. Minute, als er nach einem 50-Meter-Sprint quer über den Platz den besser postierten Robert Lewandowski in der Mitte übersehen und so den Zorn des wild fuchtelnden Polen provoziert hatte.

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