bedeckt München 30°

Kinderbuch:Mbappé und der Wolf

Felix Neureuther und Co-Autor Bastian Schweinsteiger werben in ihrem Fußball-Kinderbuch für Nähe und Miteinander.

Viele Spitzensportler sind in den vergangenen Wochen unfreiwillig zu Freizeitsportlern geworden, und viele von ihnen nutzten diese Zeit, um Erwachsenen und Kindern in den sozialen Netzwerken zumindest ein paar Sporteinheiten anzubieten, als digitale Sportlehrer. Übungen für den Kopf waren allerdings nicht viele darunter, das war meist den Eltern oder Lehrern überlassen, welche die Kinder zu Hause oder ebenfalls digital beschulten. Das neue Buch des ehemaligen Skirennfahrers Felix Neureuther, seit ein paar Wochen auf dem Markt, bietet da eine schöne Ausnahme. "Zwei Freunde im Fußballfieber" heißt es - und war sicher nicht konzipiert, um während einer Pandemie ein wenig Zerstreuung zu bieten. Allerdings hat es auch diesen schönen Nebeneffekt: In Zeiten, in denen sich Menschen und Länder noch immer abschotten, wirbt es für Nähe und Miteinander.

Diesmal im Mittelpunkt der Geschichte: Felix Neureuther als Fuchs Ixi und Ex-Fußballprofi Bastian Schweinsteiger als Husky Basti (und nebenbei als Co-Autor des Buches). Beide interpretieren die Idee eines paneuropäischen Fußballturniers ein bisschen anders: Sie bestreiten nicht eine Europameisterschaft in diversen Städten des Kontinents, wie sie in diesem Sommer im echten Leben hätte stattfinden sollen (ehe sie corona-bedingt ins nächste Jahr verschoben wurde). Die tierischen Fußballfreunde sammeln die besten Kicker aus Europa lieber gemeinsam ein und versammeln sie an einem Ort, wo die Spieler ein Finale bestreiten. Angereist wird im klimafreundlichen Zug - sicher kein Zufall, wenn man bedenkt, wie wichtig es Neureuther schon zu seinen Skifahrerzeiten war, über den Sport auch Werte wie Nachhaltigkeit zu propagieren.

Der Zug wird übrigens von einem gewissen Jogi gesteuert, Schal und Frisur erinnern frappierend an einen Bundestrainer aus dem Breisgau. Nur der Espresso fehlt. Und was Taktik und Training angeht, hält Löw sich völlig zurück - das übernehmen die Spieler schon selbst. Auch kein Zufall?

Felix Neureuther, Bastian Schweinsteiger: Zwei Freunde im Fußballfieber. Kizz/Herder. 15 Euro.

(Foto: Verlag)

Die Spieler, die Neureuther und Schweinsteiger versammeln, wissen ja schon auch, was sie tun. Da wäre David Alaba als Gams, David "Becki" Beckham als Löwe, Gianluigi "Luigi" Buffon als Wolf, Kylian "Mappi" Mbappé als Hahn. Bevor es losgeht, bewundert Neureuther erst einmal ausgiebig das Können der anderen, teilt sein Wissen mit ihnen - ein Skifahrertrick im Tausch für ein Fußballgeheimnis - und unterstreicht so noch mal das, was ihm schon während seiner aktiven Karriere wichtig war: Niemand wird schwächer, wenn er sein Können teilt, im Gegenteil. Auch ein bisschen Selbstironie schimmert durch: "Nur mit viel Training kann man so gut werden", sagt Neureuther in einer Szene, "das kenne ich vom Skifahren." Auch das kannte er damals zumindest phasenweise: Was es heißt, nicht ganz so viel trainieren zu können (oder zu wollen).

Im heiß erwarteten Endspiel wird dann wieder viel Autobiografisches verarbeitet, Kapitän Schweinsteiger, angefeuert von Ehefrau Ana Ivanovic, erleidet eine blutende Wunde und trifft krachend den Pfosten. Ob es trotzdem zum Sieg reicht?

Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig. Die Botschaften des Buchs, dessen Erlöse an gemeinnützige Stiftungen wie Neureuthers "Beweg dich schlau" fließen, sind jedenfalls andere: Sport kann, bei aller spalterischen Kraft, auch Zusammenhalt und Fair Play lehren. Und er erinnert an eine Tugend, die nicht erst seit den vergangenen Tagen gerne mal in Vergessenheit gerät: die Schönheit einer gemeinsamen Idee.

© SZ vom 30.05.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite