KFC Uerdingen Unbeliebter Untermieter

Beim Wasserball in Duisburg den Rasen malträtiert: Uerdingens Patrick Pflücke (re.) grätscht gegen Michael Eberwein (Fortuna Köln).

(Foto: MaBoSport/imago)

Der KFC feuert Trainer Meier, verursacht eine Spiel-Absage in Duisburg und sorgt für Ärger in Düsseldorf.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Der gebürtige Moskauer Michail Ponomarew investiert viel Geld in den Krefelder Drittliga-Fußball, aber Freunde macht er sich dabei nicht. Die Fans des KFC Uerdingen sind nach zehn Spielen ohne Sieg ernüchtert und haken den dritten Aufstieg in Serie vorerst ab. Der bekannte Trainer Norbert Meier, der seinen Job erst am 3. Februar von Vorgänger Stefan Krämer übernommen hatte und soeben nach sieben sieglosen Spielen und nur 40 Tagen schon wieder gefeuert wurde, hat nun einen dunklen Fleck in seiner Vita - auch wenn er trotzig betont, er gehe "erhobenen Hauptes". Und dann gibt es da noch zwei größere Nachbarvereine, bei denen sich Ponomarews Uerdinger ebenfalls unbeliebt machen.

Denn in Duisburg und Düsseldorf nisten sich die Krefelder ein wie unwillkommene Untermieter. Weil das eigene Grotenburg-Stadion marode ist, spielt der KFC die gesamte aktuelle Saison in Duisburg. Dort wurde am Freitagabend beim 1:1 gegen Fortuna Köln der vom Regen aufgeweichte Rasen derart umgepflügt, dass das Zweitliga-Spiel des MSV Duisburg am Sonntag gegen Köln abgesagt werden musste. In der kommenden Saison trägt Uerdingen seine Heimspiele in der Arena in Düsseldorf aus. Das passt der Fortuna zwar überhaupt nicht, aber weil sie selbst nur Mieter im eigenen Hause ist, kann sie nichts dagegen tun.

Investor Ponomarev steht für hohe Etats und "Hire and Fire"

Der in Meerbusch (zwischen Düsseldorf und Krefeld) lebende Energie-Unternehmer Ponomarew hat mit seinem Engagement beim KFC aber auch anderes im Sinn als den Gewinn von Beliebtheitspreisen. Er will Uerdingen in die Bundesliga hieven und setzt sich dafür ein, die 50+1-Regel zu kippen, denn er will uneingeschränkter Herr über den Klub werden. Der 44-Jährige ist ein Investor, kein alteingesessener KFC-Fan und kein Wohltäter. Und ihm liegt auch offensichtlich nur bedingt daran, das Gesicht eines Trainers zu wahren oder auf längerfristige Entwicklungen zu setzen. Im Juli 2016 engagierte er Trainer André Pawlak, im Juni 2017 Michael Wiesinger, im März 2018 Krämer, jetzt im Februar Meier - und ab sofort übernimmt, angeblich sicher bis Saisonende, der bisherige Co-Trainer Frank Heinemann. Weil aber Geschäftsführer Nikolas Weinhart mit Stefan Effenberg befreundet ist, träumt so mancher in Krefeld von einem Promi-Coup.

Es ist kein Zufall, dass sich Ponomarew den KFC ausgesucht hat. Der Klub, unter dem Namen Bayer 05 Uerdingen bis Mitte der Neunzigerjahre in der Bundesliga dabei, stürzte nach dem Ausstieg des Chemie-Konzerns in die Sechstklassigkeit ab und erlitt 2003, 2005 und 2007 drei Insolvenzen. Ponomarev übernahm am geschwächten Standort 2016 massive Anteile an der ausgegliederten Uerdinger Fußball GmbH. Zur Wahrung der 50+1- Regel besitzt die Mehrheit der Stimmen zwar der Verein KFC, doch dessen Präsident heißt: Michail Ponomarew.

Mit Millionen-Etats beförderte der Russe den vormaligen Fünftligisten bis in die Spitzengruppe der dritten Liga. Im Kader stehen prominente Spieler wie Kevin Großkreutz (früher Dortmund), Maxi Beister (HSV), Stefan Aigner (Frankfurt) und Dominic Maroh (Köln). Christopher Schorch (früher Real Madrid) wurde mittlerweile suspendiert, auch er erlebte die Hire-and-Fire-Mentalität beim KFC, in der Strukturen kaum wachsen können.

Die Duisburger Arena entpuppte sich auf diesem Nährboden für den Trainer Meier erneut als unheilvoll. 2005 hatte er dort nach einer Kopfstoß-Farce mit dem Spieler Albert Streit seinen Job als MSV-Trainer verloren - und nun auch den in Uerdingen.