Kevin-Prince Boateng Messi zuschauen

Schnell ein Foto machen zum Beweis, dass es wirklich stimmt: Kevin-Prince Boateng spielt jetzt im Barça-Trikot, im Camp Nou.

(Foto: Albert Gea/Reuters)
  • Kevin-Prince Boateng wird beim FC Barcelona offiziell vorgestellt.
  • Der gebürtige Berliner kommt für eine Leihgebühr von einer Million Euro - und soll als Ersatz für Angreifer Luis Suárez fungieren.
  • Über seine Aufgaben sagt Boateng: "Ich bin hier, um meine Erfahrung einzubringen, zu helfen und Messi zuzuschauen."
Von Javier Cáceres

Natürlich wurden die alten Geschichten ausgepackt. Der Tritt, der Michael Ballack 2010 um die WM-Teilnahme brachte, der schmachtende Tweet der Pop-Sängerin Rihanna ("Welch hübscher Junge!"), die eingestandenermaßen exzessiven Feiern in London, die ihn zum Schwergewicht werden ließen (95 Kilo), die Kippe und die Bierdose bei der Doping-kontrolle - und das verblüffende Treffen mit dem südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela, der ihm Jahre vor seinem Tod eine Tochter vorstellte, die ihn, Kevin-Prince Boateng, heiraten wollte.

Boateng, offenkundig den Prinzipien der Monogamie erlegen, lehnte höflich ab ("Ich hab' eine Freundin") - und beschwor damit nur die Beharrlichkeit Mandelas herauf: "Wenn dir die nicht gefällt: Ich habe noch eine andere."

Bei anderen Offerten fackelt Boateng weniger lang: Am Sonntag erreichte ihn das Angebot, als Leihspieler zum FC Barcelona zu wechseln; am Montag schon unterschrieb er einen Anstellungsvertrag, der bis zum Ende der Saison läuft, am Dienstag wurde er im legendären Camp Nou offiziell vorgestellt. "Barcelona? Da lauf' ich hin, ich brauche kein Flugzeug", habe er seinem Berater geantwortet, als dieser ihm das Interesse Barcelonas hinterbrachte, erzählte Boateng.

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31 Jahre alt ist der gebürtige Berliner, Deutsch-Ghanaer und Halbbruder des DFB-Nationalspielers Jérôme Boateng inzwischen schon. Der FC Barcelona ist sein elfter Klub im vierten Land - und mit Abstand der wichtigste Arbeitgeber seiner Karriere, wichtiger als Hertha BSC, Borussia Dortmund, Schalke 04, Eintracht Frankfurt oder der AC Milan, um nur einige zu nennen. Zuletzt spielte Boateng bei US Sassuolo, dem aktuellen Tabellenzwölften der italienischen Serie A - oft als echter oder falscher Mittelstürmer, in 13 Spielen erzielte er vier Tore. Genau das machte ihn für Barcelona interessant.

Nachdem Munir, ein Stürmer aus dem eigenen Nachwuchs, auf mehr Einsatzzeit pochte und schließlich zum FC Sevilla wechselte, fahndete Barcelona nach einem Spieler, der es akzeptiert, hinter Luis Suárez vornehmlich auf der Bank zu sitzen - und günstig zu bekommen war. Zwar hat der FC Barcelona die Gehaltsquote von vormals 93 auf 73 Prozent der Einnahmen gesenkt, große Sprünge aber sind in Erwartung anstehender Großtransfers nicht drin.

"Ich bin hier, um meine Erfahrung einzubringen, zu helfen und Messi zuzuschauen"

Der FC Barcelona erklärte am Dienstag, dass für Boateng eine Leihgebühr von einer Million Euro fällig werde. Über seine Rolle als Edelkomparse gibt sich Boateng derweil keinerlei Illusionen hin. "Ich weiß, dass ich nicht als Stammspieler verpflichtet wurde. Ich bin hier, um meine Erfahrung einzubringen, zu helfen und Messi zuzuschauen", sagte Boateng. Und obschon er einst als Mittelfeldspieler ausgebildet worden war, fühle er sich in vorderster Front wohl, in seinem Alter sei die Neunerposition "perfekt", betonte Boateng: "Für den Trainer ist es ein Plus, dass ich verschiedene Rollen ausfüllen kann."

Die Barça-Legende Carles Rexach, später Assistent unter dem verstorbenen Klubheiligen Johan Cruyff, hieß Boateng herzlich willkommen, er bürge für jene "Aggressivität und Intensität", die bei Barça vermisst werde, wenn der Uruguayer Suárez nicht spiele, schrieb Rexach in einer Kolumne für die Zeitung El Mundo Deportivo. In Spanien ist Boateng kein Unbekannter: In der Saison 2016/2017 spielte er bei der UD Las Palmas. Einer seiner dortigen Trainer, Quique Setién, riet Barcelonas Coach Ernesto Valverde nun offenbar zu, Boateng zu verpflichten. Valverde pochte auf eine Alternative zu Suárez, obwohl sich mit Suárez, Kapitän Lionel Messi und Ousmane Dembélé durchaus ein Angriffstrio gefunden hat, das einschüchtert.

In der unlängst beendeten Hinserie rümpften die Puristen zwar immer wieder die Nase über das Spiel Barcelonas. Messi, Suárez und (der seit dem Wochenende muskelverletzte) Dembélé kamen aber zusammen auf 50 Treffer - exakt so viele wie Messi, Suárez und der mittlerweile bei Paris Saint-Germain agierende Neymar in der Saison 2015/2016. In der Liga führt Barcelona die Tabelle souverän an, die Verfolger Atlético und Real Madrid sind fünf beziehungsweise zehn Punkte entfernt - und auch im Pokal und in der Champions League ist Barcelona gut unterwegs. "Ich bin hier, um alles zu gewinnen", sagte Boateng, der nach eigenem Bekunden nicht damit gerechnet hatte, bei einem Klub wie Barça unterzukommen: "Ich bin Realist. Aber manchmal werden Träume wahr."

Zu diesen zählt auch und zuvorderst die Aussicht, mit Messi zusammenspielen zu können. "Das ist ein großes Geschenk", erklärte Boateng. In einem Interview von 2017 hatte er Barcelonas Erzrivalen Real Madrid als Lieblingsklub und angeblich auch Cristiano Ronaldo als "besten Spieler der Welt" bezeichnet. Dass das in Barcelona mäßig ankommt, war Boateng bewusst. Ähnlich hatte sich auch Arturo Vidal vor seinem Wechsel vom FC Bayern zum FC Barcelona geäußert, beim letzten "Clásico" steuerte der Chilene dann einen Treffer zum 5:1-Sieg bei. Sein Urteil revidierte Boateng mit Eleganz und Humor. "Messi ist der beste Spieler dieser Welt - und aller anderen Welten", sagte er. Barcelona gab nach dem ersten Training schließlich bekannt, Boateng sei für das Pokalspiel beim FC Sevilla am Mittwoch berufen worden.

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