2. Bundesliga:VfB steckt wegen Großkreutz in der Zwickmühle

Kevin Großkreutz

Kevin Großkreutz: Bei den Fans ziemlich beliebt

(Foto: dpa)
  • Der VfB hat sich die Trennung von Kevin Großkreutz nicht leicht gemacht, aber die Verantwortlichen wussten schnell, dass sie keine andere Wahl haben.
  • Großkreutz galt in Stuttgart als Kultspieler, obwohl er erst 13 Monate im Verein war.
  • Nun hofft die Vereinsführung, dass die Anhängerschaft den Schritt versteht - auch ohne weitere Einzelheiten zu erfahren.

Von Christof Kneer

Kevin Großkreutz stand mit einigen Zehen, vielleicht sogar mit einem halben Fuß im WM-Finale. Er hatte die Trainingsjacke ausgezogen und trippelte schon am Spielfeldrand des Maracanã-Stadions in Rio - viel fehlte wirklich nicht, und der Name "Großkreutz" wäre in die deutsche Fußballgeschichte eingegangen. Wäre Bastian Schweinsteiger nicht ruckartig von seinen Verwundungen auferstanden, wäre Großkreutz als Einwechselspieler in der Finalaufstellung von 2014 verewigt gewesen - und wer in 15 oder 50 Jahren historische Fußballhelden nachgeschlagen hätte, wäre auf den Namen "Großkreutz" gestoßen.

Maracanã, Rio, Weltmeister: Auch diese mythischen Begriffe markieren die Fallhöhe in der aktuellen Großkreutz-Geschichte, an die sich - das darf man Kevin Großkreutz getrost wünschen - in 15 Jahren außer den Beteiligten kaum einer mehr erinnern wird. Aber jetzt, im März 2017, ist die Geschichte groß, sie ist in jedem Fall größer, als der VfB Stuttgart sich das wünscht - jener Verein, für den Großkreutz zuletzt spielte, bevor die Parteien sich vorigen Freitag im sogenannten Einvernehmen trennten. Großkreutz, 28, war nicht lange in Stuttgart, 13 Monate nur, und doch galt er bei Teilen des Anhangs als Spieler, der nicht 2014, sondern eher 1954 im WM-Finale gestanden haben muss.

Vorgeschichte von Großkreutz hat keine Rolle gespielt

Einige Anhänger haben in ihn eine Helden-von-Bern-Legende hinein gelesen, er stand irgendwie für die Werte der guten, alten Schwarz-Weiß-Zeit, ohne dass das jemand genau erklären konnte. Großkreutz galt als Spieler aus der Elf-Freunde-müsst-Ihr-sein-Epoche, der sich auch nach einem Abstieg zum Klub bekennt - bei einem wie ihm zählte es auch irgendwie zur Folklore, wenn er sich mal im Döner-Wurf übte oder in der Kunst, Hoteltoiletten knapp zu verfehlen.

Man darf sehr sicher davon ausgehen, dass Großkreutz' anekdotisches Vorstrafenregister bei der Bewertung des aktuellen Falles keine Rolle gespielt hat. Beim VfB haben sie sich die Trennung nicht leicht gemacht, aber sie wussten schnell, dass sie keine andere Wahl haben - zu gravierend war der nächtliche Vorfall, mit dessen Details und dessen Vorgeschichte sie beim VfB verständlicherweise weder herausrücken können noch wollen. Aber alleine die wenigen Ausschnitte, die inzwischen als Allgemeinwissen gelten - nächtliche Tour mit minderjährigen Jugendspielern des Vereins, inklusive Bordellbesuch, Alkohol und anschließender schwerer Prügelei - haben den Spieler nicht mehr tragbar gemacht in diesem Verein, der auch ein öffentliches Unternehmen ist.

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