WTA-Finals in Singapur:Die Zermürberin kehrt zurück

BNP Paribas WTA Finals Singapore presented by SC Global - Day 4

Mit etwas Zähneknirschen brachte Angelique Kerber den Sieg erst in drei Sätzen zustande.

(Foto: Getty Images)
  • Mit großer Freude gewinnt Angelique Kerber ihr erstes Match bei den WTA-Finals in Singapur gegen die Japanerin Naomi Osaka und darf sich so weiter Hoffnungen auf das Halbfinale machen.
  • Kerber hatte es eigentlich schon nach zwei Sätzen in der Hand, die Partie zu entscheiden - doch Osaka bäumte sich noch einmal auf.
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Von Gerald Kleffmann

Das Match wurde mit einem typischen Kerber-Punkt beendet. Ein langer Ballwechsel, die Deutsche war in der Defensive, Naomi Osaka scheuchte sie in die Ecken, das Feld war offen, die Japanerin holte mit der Rückhand aus - der Ball landete im Netz. Die Zermürberin, die Kerber oft sein kann und seit ihrem Wimbledonsieg nur nicht mehr so oft war, sie hatte sich behauptet. Die Nummer zwei der Weltrangliste hatte die Nummer vier mit 6:4, 5:7, 6:4 besiegt, was insofern wichtig war, weil Kerber ihre Chance aufs Erreichen des Halbfinales des WTA-Finale der besten acht Spielerinnen deutlich verbessert hat. Die erste Partie hatte sie gegen die Niederländerin Kiki Bertens verloren. "Es ist großartig, so ein Match gespielt zu haben", sagte die 30-Jährige erleichtert.

Kerber fand wie schon in ihrer ersten Partie in Singapur sofort ihren Rhythmus, sie stand dicht an der Grundlinie und wirkte sicher - und zwar auf die Art, die Gegnerinnen dazu verleitet, Fehler zu produzieren. Gleich zum Auftakt gelang es ihr, Osaka das Aufschlagspiel abzunehmen. Sie büßte das Break ein, konterte aber, zog auf 3:1 davon und gab den Vorteil nicht mehr ab im ersten Satz. Besonders widerstandsfähig erwies sie sich in ihrem Service-Spiel zum 6:4, als sie ein 0:40 und zwei weitere Breakbälle entschlossen abwehrte.

Im letzten Satz wurde die Partie so richtig zum spannenden, verbissenen Duell

Osaka indes wirkte, das fiel auf, nicht immer gewohnt agil, aggressiv und selbstbewusst in ihren Aktionen, die Japanerin hatte auch einiges zu verarbeiten seit ihrem US-Open-Sieg: PR-Auftritte, das Heimturnier in Tokio, bei dem sie wie ein Superstar behandelt und bedrängt wurde, das Theater um die Ausfälle von Serena Williams im Endspiel von New York. Überhaupt scheinen diese WTA Finals eine Veranstaltung zu sein, bei der einige Spielerinnen mit gewissen Problemen oder Vorbelastungen angereist waren, gerade zum Ende der Saison hin kämpften einige mit der Form. Die Weltranglisten-Erste Simona Halep musste wegen einer Verletzung ganz passen.

Im zweiten Satz zeigte sich rasch, wie eng das Niveau der beiden beieinander liegt und die Vorteile kippen können, wenn die eine nachlässt und die andere stabiler wird. Osaka führte 2:0 und 3:1, Kerber glich aus, es blieb eng, Kerber nahm Osaka das Aufschlagspiel zum 5:4 ab und schlug erstmals zum Sieg auf. Sie ließ die Chance ungenutzt und gab den Satz mit 5:7 ab. Im Entscheidungsdurchgang entwickelte sich ein verbissenes Duell, wobei sich eine einfache Regel bewahrheitete: Diejenige, die als Erste Druck erzeugte, punktete meist. Und Kerber erzeugte Druck. Bei 3:3 schaffte sie das Break, bei dem ihr Osaka aber mit drei Fehlern auch entgegenkam. Kerber hielt ihr Niveau hoch, das gab den Ausschlag für den Erfolg. Im letzten Gruppenspiel am Freitag trifft Kerber auf die Amerikanerin Sloane Stephens.

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