Angelique Kerber:Die perfekte Zielgerade

Angelique Kerber: Küsschen für die wichtigste Schale im Tennis: Angelique Kerber hat sich im Juli 2018 als Wimbledon-Siegerin verewigt.

Küsschen für die wichtigste Schale im Tennis: Angelique Kerber hat sich im Juli 2018 als Wimbledon-Siegerin verewigt.

(Foto: Toby Melville/Reuters)

Mit der angekündigten Schwangerschafts- und Babypause beginnt für Angelique Kerber die finale Phase ihrer Tenniskarriere. Ihren Platz in der Liste der großen deutschen Sportlerinnen und Sportler hat sie sich jetzt schon verdient.

Kommentar von Gerald Kleffmann

Für den letzten würdigenden Blues ist es noch zu früh. Die Tennisspielerin Angelique Kerber hat noch nicht ihre Karriere beendet, das hat sie betont, als sie nun zur Überraschung der Öffentlichkeit ihre Schwangerschaft verkündete. Es ist also möglich, dass sie noch einmal auf den Tennisplatz zurückkehren wird, sie hat sich zum Beispiel explizit die Option offengelassen, 2024 bei den Olympischen Spielen anzutreten. Aber selbst wenn Kerber es sich nach der Geburt ihres ersten Kindes anders überlegen und die Schläger für immer einmotten sollte, steht jetzt schon fest: Sie hat die perfekte Zielgerade erwischt.

Ihr endgültiger Rücktritt, wann immer er in den nächsten Jahren stattfinden wird, wird sich in jedem Fall gut und richtig anfühlen. Ob mit oder ohne Teilnahme in Paris - ihre Laufbahn wird ein stimmiges, würdiges Ende finden.

Das ist insofern eine bemerkenswerte Pointe, weil bis vor Kurzem noch völlig unklar war, wie sich diese erfolgreiche Sportlerin, die in den zurückliegenden zwölf Jahren wie kein anderer Profi das deutsche Tennis repräsentiert hat, aus ihrem Beruf verabschieden würde. Zur Wahrheit gehört ja auch, dass Angelique Kerber, die dreimalige Grand-Slam-Siegerin und ehemalige Nummer eins der Welt, in den vergangenen drei Jahren spielerisch nicht mehr in gewohnter Weise überzeugte und reüssierte, ihr Turniersieg in Bad Homburg und das Halbfinale in Wimbledon 2021 waren schon positive Ausreißer.

Kerber hat sich ihren Platz in der Liste der großen deutschen Sportlerinnen und Sportler verdient

Eine neue, furchtlose Generation ist inzwischen aufgerückt, es gibt immer mehr Gegnerinnen, die sie besiegen konnten. Zwangsläufig tauchte ab und zu die Frage auf, wie lange sie, nun 34 Jahre alt, noch aktiv sein wolle. Sie konnte (oder wollte) keine finale Antwort darauf geben, was verständlich war. Wer zu viele Optionen für den Abtritt hat, tut sich gerne schwer, den passenden Ausgang zu finden. Roger Federer, 41, etwa sucht immer noch danach. Nun hat, so pathetisch darf man sein, die Liebe für Kerber Fakten geschaffen, und ihre Erleichterung, dass sie nun ihre letzte Strecke als Sportlerin kennt, war ihren Worten zu entnehmen, als sie mitteilte: "Es bedeutet mir alles, eine professionelle Athletin zu sein, aber ich bin dankbar für den neuen Weg, den ich jetzt gehe."

Angelique Kerber, an dieser Bilanz wird sich nichts mehr ändern, hat sich ihren Platz in der Liste der großen deutschen Sportlerinnen und Sportler verdient. Im Tennis werden zwar wohl auf ewig Stefanie Graf und Boris Becker die Lichtgestalten ihrer aktiven Zeit bleiben. Aber dann kommt auch schon Kerber, die Professionalität, Ehrgeiz und Zähigkeit vorlebte und ein kämpferisches Tennis praktizierte, das die Betrachter zum Mitfiebern und Mitleiden einlud. Sie hat es geschafft, dass sich die neuen jungen Vertreterinnen des Deutschen Tennis-Bundes sie als professionelle Athletin auf dem Platz zum Vorbild nehmen dürfen. Darauf kann die werdende Mutter Kerber schon jetzt stolz sein.

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