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Fahnenträger in Tokio:Die tragende Rolle bei Olympia

Rio 2016 Eröffnungsfeier Fahnenträger Timo Boll Die deutsche Mannschaft um Fahnentraeger Timo Boll; Timo Boll Olympia 2016 Fahnenträger

Fahnenträger 2016: Tischtennisspieler Timo Boll.

(Foto: imago/Eibner)

Angelique Kerber bringt sich als Fahnenträgerin bei Olympia in Tokio ins Gespräch. Doch wie läuft die Auswahl eigentlich ab? Fragen und Antworten zu einer ganz besonderen Aufgabe.

Angelique Kerber brachte sich im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung vor ein paar Tagen als mögliche Fahnenträgerin bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio ins Gespräch. Doch wie läuft die Auswahl des Fahnenträgers eigentlich ab? Fragen und Antworten zu einer kleinen, aber doch bedeutenden Rolle bei Olympia.

Wer trug die deutsche Fahne zuletzt?

Bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio war Tischtennisspieler Timo Boll der deutsche Fahnenträger. Seine Vorgänger waren 2012 die Hockey-Olympiasiegerin Natascha Keller und 2008 der Basketballer Dirk Nowitzki. Bei den Winterspielen trugen zuletzt Eric Frenzel (2018) und Maria Höfl-Riesch (2014) die Fahne.

Wie werden Fahnenträger ausgewählt?

Boll im Jahr 2016 und Frenzel 2018 wurden aus jeweils fünf zur Auswahl stehenden Kandidatinnen und Kandidaten zum Fahnenträger gekürt. Die Wahl setzte sich zu je 50 Prozent zusammen aus einer öffentlichen Online-Abstimmung und einer Abstimmung der deutschen Athleten. "Das funktionierte in beiden Jahren hervorragend und fand bei allen großen Anklang. Deshalb ist es sehr gut möglich, dass wir das auch dieses Mal entsprechend umsetzen", sagte Ulrike Spitz vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit Blick auf die Spiele in Tokio. Entschieden sei das allerdings noch nicht, ebenso wie die Frage, wann der Fahnenträger feststehen wird. Bei der Wahl 2018 konnte man auch fünf Tage vor Beginn der Winterspiele noch über den Fahnenträger abstimmen.

Welche Kriterien muss ein Fahnenträger erfüllen?

Für die Aufgabe qualifizieren einen Athleten unter anderem die Erfolge, die er erzielt hat, so steht es in der Ausschreibung für 2018. Das bisherige Abschneiden bei Olympia spielt eine Rolle, aber auch Ergebnisse aus anderen Wettbewerben - und die Erfolgsaussichten für die Spiele. Wer in der aktuellen Saison überzeugt, hat also bessere Chancen. Zudem sollen die Fahnenträger auch abseits des Platzes als Vorbild agieren.

Siege bei Olympia haben in der Vergangenheit tatsächlich keine allzu große Rolle gespielt: Timo Boll erreichte vor seiner Berufung zum Fahnenträger "nur" die Silber- und Bronzemedaille, Dirk Nowitzki nahm 2008 das erste Mal überhaupt an Olympischen Spielen teil. Von den vergangenen drei Fahnenträgern bei Sommerspielen kann sich nur Natascha Keller Olympiasiegerin nennen.

Könnte diesmal wieder eine Frau die Fahne tragen?

In den neunziger Jahren wurde die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier ausschließlich von Männern und bei der Schlussfeier von Frauen getragen. Bei den folgenden Spielen änderte sich das Bild: Seit der Jahrtausendwende gab es zwei Frauen und drei Männer an der Spitze des deutschen Kaders bei der Eröffnungsfeier, bei den Schlussfeiern drei Frauen und zwei Männer.

Unabhängig von der Statistik: Wenn - wie zuletzt - Fans und Athleten abstimmen, hat der DOSB keine endgültige Entscheidungsmacht, ob eine Sportlerin oder ein Sportler die Fahne trägt. Bei der Wahl 2018 achtete der Verband allerdings auf ein möglichst ausgeglichenes Kandidatenfeld und schlug drei Frauen und zwei Männer vor.

Was spricht für Angelique Kerber?

In der Reihe der Olympiasieger fehlt Kerber bisher, in Rio holte sie aber die Silbermedaille. Außerhalb von olympischen Wettkämpfen hat Kerber große Erfolge vorzuweisen, etwa Siege bei den Australian Open, US Open und in Wimbledon, die sie zur erfolgreichsten deutschen Tennisspielerin seit Steffi Graf machen. Derzeit ist sie allerdings nicht in ihrer besten Form - ob sie sich bis zum Sommer steigert?

Der DOSB gibt sich zu Kerbers Aussichten bedeckt. Zu einzelnen Namen äußere man sich nicht und außerdem werde der deutsche Kader ohnehin erst im Mai und Juni nominiert.

Warum ist das Tragen der Fahne überhaupt von Bedeutung für Sportler?

Die Aufgabe hat zweifellos ihre symbolische Bedeutung - und da sie nur alle zwei Jahre einem einzigen deutschen Athleten zuteil wird, ist sie so etwas wie der Ritterschlag im Leistungssport. Kerber sagte, sie würde das "sehr gerne machen". Und: "Es wäre eine große Ehre". Timo Boll bezeichnete die Berufung zum Fahnenträger als Höhepunkt seiner Karriere, Natascha Keller nannte diese Aufgabe "das i-Tüpfelchen auf meiner Karriere".

Ulrike Spitz vom DOSB sagte dazu: "Wir wissen, dass die Sportler es als große Ehre ansehen, das Team bei der Eröffnungsfeier anzuführen und mitverantwortlich für den Mannschaftsgeist zu sein."

© SZ.de/chge/sonn/tbr
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