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Leichtathletik-WM:Niklas Kaul gewinnt Gold im Zehnkampf

Leichtathletik-WM 2019: Niklas Kaul gewinnt Gold im Zehnkampf

Niklas Kaul zeigte sich stark in Doha. Sehr stark.

(Foto: Getty Images)
  • Riesen-Überraschung bei der Leichathletik-WM: Der deutsche Zehnkämpfer Niklas Kaul wird Weltmeister.
  • Im Kugelstoßen holt Christina Schwanitz nach ihrer Babypause Bronze.

Der Körper hatte schon aufgegeben, doch der Kopf wollte noch. So ein Marathonläufer bleibt ja auch nicht einfach stehen, wenn er schon den Großteil der Strecke zurückgelegt hat, doch als Kevin Mayer auf die Stabhochsprunganlage zulief, kam der Weltrekordhalter fast nicht mehr bis zum Einstichkasten. Die Achillessehne schmerzte, der Weltmeister von 2017 stützte sich weinend auf seinen Stab.

Trotzdem unternahm er einen weiteren Versuch, der Franzose hatte in Führung gelegen nach sieben Disziplinen. Trotzig presste er Lippen zusammen, zog die Nase hoch, doch auch der nächste Versuch war nach wenigen Schritten beendet, Mayer lag weinend auf der Matte. Und plötzlich veränderte sich für den Deutschen Niklas Kaul diese WM.

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So unterschiedlich wie die Disziplinen der Leichtathletik auch sind, sie haben eines gemein: Sie sind alle Ausdauersportarten, und zwar für den Kopf. Chancen können sich eröffnen, bis zum letzten Meter oder Sprung, bis zum letzten Wurf. Und so hatten am Donnerstagabend im Khalifa-Stadion von Doha aus deutscher Sicht vor allem Niklaus Kaul und Kugelstoßerin Christina Schwanitz diese Frage zu beantworten: Was können sie leisten, bis zur Ziellinie, bis zum letzten Stoß? Würden sie Chancen nutzen, Chancen vergeben?

Der letzte deutsche Weltmeister war Torsten Voss - 1987 für die DDR

Die Antwort gab Schwanitz in Deutschland-Flagge gehüllt: Sie steigerte sich im fünften von sechs Versuchen noch um 30 Zentimeter und eroberte Bronze mit 19,17 Metern. "Ich möchte einfach nur Danke sagen. Danke an alle, die mich unterstützt haben. Dass sie nicht gesagt haben: Jetzt ist sie eine Mama, jetzt ist die abgeschrieben", sagte Schwanitz im ARD-Interview und weinte Freudentränen. "Ich hab ganz viel Hilfe bekommen."

Und nur eine Stunde später war Niklas Kaul, tatsächlich: Weltmeister im Zehnkampf. 1987 war das zuletzt Torsten Voss für die DDR gelungen. "Dass es das am Ende wird - keine Ahnung, wie das passiert ist. Ich bin nicht der beste Zehnkämpfer, der hier angetreten ist, aber vielleicht der konstanteste", sagte Kaul spätnachts der ARD.

Für Kaul war durch den Ausfall von Mayer die Chance auf eine Medaille nun endgültig da gewesen, weil er eben seine Stärken in den letzten Disziplinen hat. Schon im Diskuswurf, der siebten Disziplin, hatte sich das Feld vor ihm gelichtet. Der auf Rang drei liegende Lindon Victor aus Grenada blieb ohne gültigen Versuch, Kaul kam mit persönlicher Bestleistung von 49,20 Metern vor auf Rang neun. Das Drama um Mayer nahm seinen Lauf, um 20 Uhr Ortszeit begann auch der Deutsche im Stabhochsprung.

Ohne Fehlversuch überquerte er 5,00 Meter, lag jetzt schon auf dem sechsten Rang. Und weil in dem nun folgenden Speerwurf und über die abschließenden 1500 Meter niemand besser ist als Kaul, raunte im ARD-Studio nun schon Frank Busemann, WM-Dritter 1997 und Olympia-Zweiter 1996: "Wenn alles normal läuft, wird der Typ Weltmeister."