Katar und die Fußball-WM 2022 Abhängigkeit von Ausländern ist ein Dauerthema

Ein Sprecher des katarischen WM-Komitees gab sich angewidert angesichts der Berichte. Überrascht dürfte er nicht sein. Wie in den meisten anderen Ländern am Golf sind die Einwanderer fast rechtlos. Kafala, ein altes Sponsor-System, das auf Beduinentraditionen für den Schutz von Fremden zurückgeht, hat diese Rechtlosigkeit institutionalisiert. Gastarbeiter sind von ihrem Arbeitgeber abhängig, müssen für ihren "Sponsor" arbeiten und können weder den Arbeitsplatz wechseln noch das Land verlassen. In Katar müssen die Arbeiter ein spezielles Visum beantragen, wenn sie ausreisen wollen. Oft bekommen sie keinen Lohn, oder zu wenig, zu spät.

Wenn die Zustände unerträglich werden, beispielsweise im Ramadan, wenn die Hausangestellten praktisch rund um die Uhr arbeiten, flüchten sich viele in ihre Botschaften. Libanon, kein Golfstaat zwar, aber eine arabische Gesellschaft mit brutaler Dienstbotentradition, richtete zwischendurch eine Hotline für bedrängte Migranten ein. Sie war nur morgens besetzt, wurde kaum bekannt gemacht und hatte keine Übersetzer. Im ersten Monat, so berichtet der britische Economist, erhielt sie nicht einen Anruf.

Das ohnehin feindliche Klima hat sich durch die Ängste der arabischen Herrscher vor Aufständen verschärft. Das Internet wird in den Emiraten stärker überwacht als früher, Behörden und Sicherheitsdienste reagieren gereizt auf Kritik und noch gereizter auf Versuche der Arbeiter, sich zu organisieren, berichtet die Organisation Human Rights Watch. Einige Golf-Staaten versuchen erste Verbesserungen.

Stadien der WM 2022 in Katar

Gigantische Kühlschränke

Die Vereinigten Arabischen Emirate arbeiten an der Ratifizierung eines internationalen Vertrags zum Schutz von Hausangestellten. Danach wären die Arbeitsbedingungen vor der Anreise klarer geregelt, das Gehalt müsste monatlich bar bezahlt werden, Hausmädchen hätten Anspruch auf einen freien Tag pro Woche und dürften sich versammeln. Seit einem Jahr gibt es Standardverträge. Auch Bahrein ging ein Schrittchen voran und gewährt den Gastarbeitern teilweise Schutz durch das eigene Arbeitsrecht.

Wie bei allen Einwanderergesellschaften, selbst den restriktivsten, bleibt der Einfluss der Fremden nicht aus. In Saudi-Arabien ist die völlige Abhängigkeit von Ausländern, die saudische Frauen chauffieren, Damenunterwäsche verkaufen und die Wirtschaft am Leben halten, ein Dauerthema. Trotz der Härten bleiben viele der Fremden ja nicht nur ein paar Jahre, sondern ziehen mit ihren Familien her, leben am Golf, vom Golf, während viele saudische Bürger keinen Job haben, sondern auf die Alimente des Staates angewiesen sind.

Die nächste Generation der jungen Saudis fordert mehr Arbeitsplätze. Viele Araber fragen sich, wie sich die Identität ihrer ölsatten ehemaligen Beduinengesellschaften verändern wird, wenn sich erst die nächst und übernächste Generation von Arbeitern aus Nepal oder Indonesien am Golf einrichtet.