Asiencup Katar baut seine WM-Mannschaft auf

Jubel nach dem Sieg gegen den Irak: Hassan Abdelkarim feiert den Einzug ins Viertelfinale.

(Foto: REUTERS)
  • Bei der Asienmeisterschaft 2019 zieht die Fußball-Nationalmannschaft von Katar ins Halbfinale ein.
  • Drei Jahre vor der WM im eigenen Land versucht der Staat, eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzubauen.
  • Im Handball geschah das durch Einbürgerung - im Fußball ist das nicht so einfach möglich.
Von Ludwig Haas

Es läuft die 62. Minute im Al-Nahyan-Stadion in Abu Dhabi. Rechtsverteidiger Bassam al Rawi, die Nummer 15 der Katarer, steht zum Freistoß bereit. Mit konzentriertem Blick läuft er an, mit dem rechten Fuß erwischt er den Ball ideal, er fliegt über die Mauer hinweg und landet unhaltbar im linken unteren Eck. Es war genau dieser Schuss, der der Fußballnationalmannschaft aus Katar am Dienstagabend das spielentscheidende 1:0 gegen den Irak bescherte.

Doch nicht allein wegen dieses entscheidenden Tors im Achtelfinale steht das Team mittlerweile im Halbfinale der Asienmeisterschaften, die momentan in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden. Am Freitag besiegte Katar dann überraschend auch noch Südkorea 1:0. Schon der gesamte Turnierverlauf hätte für die vom Spanier Félix Sánchez trainierte Mannschaft nicht besser laufen können. In der Gruppenphase gewann Katar drei Spiele und wurde Erster. Nach einem 2:0 gegen Libanon und einem deutlichen 6:0 gegen Nordkorea war auch gegen Saudi-Arabien, immerhin letztjähriger WM-Teilnehmer, kein Halten - am Ende stand ein 2:0 Sieg zur Bilanz. Für den kürzlichen Erfolg der Katarer ist in besonderem Maße Toptorschütze Almoez Ali Abdullah verantwortlich. Allein im Spiel gegen Nordkorea gelangen dem 22-jährigen Angreifer vier Tore.

In der Vergangenheit waren immer wieder Vorwürfe zu hören, der Wüstenstaat plane im Fußball ein ähnliches Modell, wie es zuvor im Handball erfolgreich umgesetzt worden war. Bei der Handball-WM 2015, die wie die Fußballweltmeisterschaft 2022 im eigenen Land stattfand, kam eine Gruppe an Spielern unter der Flagge Katars bis ins Endspiel, die mit dem Staat verhältnismäßig wenig zu tun hatte. Ein Großteil der Spieler war eingebürgert worden, ohne jegliche familiäre Verbindung zu Katar. So war Žarko Marković eine der Stützen der Mannschaft. Marković hatte 30 Länderspiele für Montenegro bestritten, bevor er kurz vor der WM Staatsbürger von Katar wurde und in diesem Zuge auch das Nationalmannschafts-Trikot wechselte. Seine Berührungspunkte mit dem Emirat waren zuvor überschaubar gewesen. Im Sommer 2014 war er zum katarischen Klub al-Jaish gewechselt, wo weitere frisch eingebürgerte Nationalmannschaftskollegen untergekommen waren.

Der Vergleich der Handballer von 2015 mit dem katarischen Fußballteam, das gerade beim Asien-Cup antritt, ist aber unpassend. Im 23-Mann-Kader der Katarer stehen zwar zehn Spieler, die neben der katarischen noch eine weitere Staatsbürgerschaft haben und nicht im Wüstenstaat geboren sind. So ist etwa Abwehrchef Pedro Miguel, genannt Ró-Ró, gebürtiger Portugiese, Stürmer Abdullah kommt aus dem Sudan. Trotzdem ist das Team derzeit weit davon entfernt, hauptsächlich von doppelten Staatsbürgern oder Eingebürgerten zum Erfolg getragen zu werden.

Denkbar ist ein milderes Einbürgerungskonzept

Die Mittelfeldachse der Mannschaft besteht ausschließlich aus gebürtigen Katarern und Toptorschütze Abdullah, in der heimischen Liga für den Al Duhails Sports Club aktiv, spielt schon seit seiner Jugend für Katar. Auch der spanische Trainer Sánchez ist ein bisher eher unbeschriebenes Blatt und kein Startrainer geholt aus Imagegründen. Seit 2006 ist er bereits für Katar tätig, coachte bis 2017 mehrere Jugendnationalmannschaften. Bevor er 2006 zur Aspire Academy kam, die auch als regelmäßiger Aufenthaltsort des Wintertrainingslagers der Bayern bekannt ist, war Sánchez Jugendcoach beim FC Barcelona.

Im Hinblick auf die WM 2022 muss also nicht befürchtet werden, dass es wie bei den Handballern läuft. Das liegt auch an den strengeren Regeln der Fifa, die ein wahlloses Einbürgern nicht ermöglichen. Trotz des aktuellen Erfolges bleibt abzuwarten, ob eine katarische Mannschaft in vier Jahren schlagkräftig genug ist, sich aus eigener Kraft für eine WM zu qualifizieren. Als Gastgeber des kommenden Turniers waren sie automatisch qualifiziert.

Denkbar wäre etwa ein milderes Einbürgerungskonzept wie das der ebenfalls im Asien-Cup vertretenen Philippinen. Diese verfolgen bereits seit einigen Jahren das Vorhaben, Spieler mit philippinischen Wurzeln von einem Engagement in der heimischen Nationalmannschaft zu überzeugen. Die Ausgangssituation ist jedoch schwer zu vergleichen, können die Südostasiaten doch gemessen an ihrer Einwohnerzahl aus einem viel größeren Pool an potenziellen Profifußballern schöpfen. Obwohl die heimische Liga eher als Auffangbecken für Altstars wie die spanischen Mittelfeldlenker Xavi und Gabi bekannt ist als für seine hervorragende Jugendarbeit, muss sich Katar somit weiterhin auf eigene Kräfte verlassen, was zumindest angesichts des Asien-Cups bisher zu gelingen scheint.

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