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Karriereende von Höfl-Riesch:Total befreit

Maria Höfl-Riesch

Nach 14 Jahren: Maria Höfl-Riesch beendet ihre Karriere.

(Foto: dpa)

Sie schwankte, am Ende aber verließ sich Maria Höfl-Riesch auf ihr Bauchgefühl: Nach 14 Jahren als Skirennfahrerin beendet sie ihre Karriere. Sie freut sich nun vor allem auf ihren Urlaub - dem DSV hinterlässt sie eine Lücke, die kaum zu schließen ist.

Maria Höfl-Riesch an einer fies aussehenden Muskelmaschine sitzend, schwitzend, stöhnend, gequält, den Kopf schüttelnd. So ging diese Veranstaltung los, und da war dann schon klar, worauf das alles hier hinauslaufen würde.

Pressekonferenzen sind heutzutage oftmals durchchoreographierte Shows, mit Moderator, Ledersesseln, Lounge-Atmosphäre, meist wird am Anfang ein Film gezeigt, der eigens für diesen Moment geschnitten wurde, selbstredend ist das auch dann so, wenn eine Maria Höfl-Riesch ihren letzten Auftritt hat. Die erfolgreichste deutsche Skirennfahrerin bei Olympia, auf einer Ebene mit Katja Seizinger, die in den Neunzigern zweimal den Gesamtweltcup gewann; wenn die Präsenz in Funk und Fernsehen der Maßstab ist, sogar weit darüber.

Am Dienstag erst war endgültig sicher, dass sie es durchziehen will: aufhören, nicht erst in einem Jahr, sondern jetzt. Für Donnerstag lud die 29-Jährige ein in die Repräsentanz eines Sponsors des Deutschen Ski-Verbandes am Münchner Flughafen, das gab dann ein schönes Bild: Draußen Menschen mit Koffern, auf dem Weg in die Welt, und drinnen Maria Höfl-Riesch, auf dem Weg in ihr neues Leben.

Es war in den vergangenen Wochen viel spekuliert worden, ob sie weitermacht oder aufhört, es war ein Herumraten. Bis zuletzt wusste ja niemand, was passieren würde, nicht ihre Trainer, nicht ihr Servicemann, nicht ihr Umfeld. Nicht sie selbst.

Die Veranstaltung am Donnerstag war getarnt durch die Übergabe der kleinen Kristallkugel für den Gewinn der diesjährigen Abfahrtswertung, die sie beim Weltcup-Finale in Lenzerheide vergangene Woche nicht entgegennehmen konnte, weil sie da gerade mit dem Helikopter von der Strecke ins Klinikum Chur geflogen wurde. Sie haben die Hymne damals trotzdem gespielt, sie haben einfach so getan, als sei sie gar nicht verletzt, als sei alles in Ordnung, das war etwas merkwürdig, "alles andere als gelungen", sagt nun Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Hörmann war am Donnerstag da, um in seiner Eigenschaft als Council-Mitglied des Ski-Weltverbandes Fis die Kugel zu überreichen, er saß auf dem Podium neben dem Alpindirektor Wolfgang Maier, daneben saß Maria Höfl-Riesch. In Reihe eins saßen ihre Eltern, ihr Mann, ihr Management.

Und dann also der Film: Das anstrengende Trainieren vor der Saison, das Schuften, gefolgt von Bildern aus Sotschi, ihrem Olympiasieg in der Super-Kombination und ihrer Silbermedaille im Super-G. Maria Höfl-Riesch hat in den vergangenen zwei Jahren immer wieder über den Stress gesprochen, den das Leben als Leistungssportlerin mit sich bringt, über die Überwindung, im Sommer die Ski aus dem Keller zu holen, wenn andere zum Baden gehen. Sie hat immer häufiger darüber gesprochen, wie sehr sie das stört. Es gab Momente, in denen war sie sicher, dass der Winter 2013/14 ihr letzter als Skirennfahrerin sein würde, aber dann, es war irgendwann nach den Spielen von Sotschi, begann sie zu zweifeln.