Karoly Gombos bei der Biathlon-WM Nur Biathlon wäre Gombos zu wenig

"Ich möchte nicht tauschen mit den Biathlon-Stars", sagt Gombos trotzdem, dessen bestes Resultat ein 71. Platz im Olympia-Sprint von Sotschi war. "Früher wollte ich ein Vollprofi werden. Aber dann habe ich mitbekommen, welches Leben die Besten im Weltcup führen", sagt er und ergänzt: "Es ist kein freies Leben." Immer nur Biathlon, immer nur Sport, immer nur dasselbe: Das ist nicht das Leben des Ungarn. Durch seinen Sport kommt er viel rum, kann in allen Regionen die Weinsorten testen. Pinot Noir gehört zu den Favoriten, auch hier in Österreich hat er ein paar edle Tropfen ausfindig machen können.

Vor ein paar Jahren wollte er ein größeres Geschäft aus dem Weinanbau machen, hat sich aber gegen den nötigen Aufwand entschieden. "Es ist eine Arbeit, die viel im Kopf stattfindet", sagt er, "dafür reise ich viel zu gerne, um das zu tun, was dafür nötig wäre." In den Sommermonaten führt er Wanderlustige als Bergführer durch die Alpen, zusätzlich betreibt er ein Ferienhaus in Ramsau am Dachstein, das ihm die Finanzierung seines Lebens sichert.

"Von den Österreichern bekomme ich sehr gutes Wachs"

Beim Sprint am Samstag kam er als 91. von 102 Startern ins Ziel. "Früher haben mich die Rückstände natürlich frustriert", sagt er, heute kann er gelassener damit umgehen. An Plätzen orientiert er sich nicht mehr. "Ich versuche genauso mein Bestes zu geben", sagt Gombos, "und manchmal glaube ich auch, dass ich kaputter bin als die Jungs auf dem Podium." Drei oder zwei Minuten hinter den Weltbesten ins Ziel zu kommen, das sei nicht schlecht "für meine Verhältnisse". Der Ansporn ist eher der Vergleich mit den anderen Athleten kleinerer Nationen. Sie müssen sich während der Saison in kleineren Wettbewerben beweisen, um WM-Plätze zu ergattern. Aber die Stimmung ist gut, man hilft untereinander aus. "Von den Österreichern bekomme ich sehr gutes Wachs", sagt Gombos.

Am Freitag startet der Ungar im Einzel über 20 Kilometer, sein letztes Rennen bei dieser WM. Schon vor dem Start muss er auschecken, weil das Hotel nicht länger gebucht wurde. Und wenn er dann auf die Loipe geht, hat er vielleicht noch einmal die Szene von vor einem Jahr im Kopf: Damals in Oslo wurde er schon auf seiner ersten Runde vom Weltcup-Führenden Martin Fourcade überrundet. Gombos versuchte, dem Franzosen zu folgen, er rackerte sich mit ihm den Anstieg hinauf - Freunde sahen ihn im Fernsehen und jubelten - und er konnte ihm fast eine Runde lang folgen. "Das war eine dumme Idee", sagt er heute, "danach war ich völlig kaputt". Er kann darüber lachen, Biathlon ist schließlich nicht alles für ihn. Vielleicht sind es die Stunden in den Weinbergen Frankreichs, die ihn resümieren lassen: "Ich führe ein Leben, für das ich dankbar bin."

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