Kanu-WM:Prall gefüllte Schatztruhe

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Kanu-WM: Zweier mit Zukunft: Sebastian Brendel (li.) und sein Teamkollege Tim Hecker jubeln auf dem Lake Banook nach dem Gewinn der Goldmedaille.

Zweier mit Zukunft: Sebastian Brendel (li.) und sein Teamkollege Tim Hecker jubeln auf dem Lake Banook nach dem Gewinn der Goldmedaille.

(Foto: Darren Calabrese/dpa)

Kanu-Vorzeigefigur Sebastian Brendel gewinnt bei der Weltmeisterschaft in Halifax seinen nächsten Medaillensatz - und hat nach schwierigen Wettkämpfen in Tokio neue Ziele gefunden.

Von Sebastian Winter, Halifax/München

Sebastian Brendel ist, wenn man so will, der Zeit noch etwas hinterher. Jedenfalls auf seiner eigenen Homepage. "Mit Tokio im Blick und dem Paddel in der Hand steuere ich auf meine dritten Olympischen Spiele zu", heißt es dort unter der Überschrift: Sebastian Brendel - das bin ich! Und weiter: "Auf dem Weg ins Land ,der aufgehenden Sonne' liegen aber noch große Aufgaben vor mir." Die Sonne schien in Tokio, wo der Kanute Brendel vor einem Jahr seine dritten Olympischen Spiele absolviert hat, für ihn dann immerhin bronzefarben - dank des dritten Platzes im Zweier mit dem Berliner Tim Hecker. Doch im Einer-Canadier, in dem Brendel in London und Rio zuvor Olympiagold gewonnen hatte, schied der 34-Jährige im Halbfinale aus. Für Brendel, den Medaillensammler des deutschen Kanusports, war das nichts, womit er unbedingt auftrumpfen würde. Vielleicht hat er seine Homepage ja auch deswegen noch nicht aktualisiert.

Das kann die 1,92 Meter große und 92 Kilogramm schwere Vorzeigefigur des deutschen Kanusports nun nachholen. Bei den Weltmeisterschaften der Rennkanuten im kanadischen Halifax hat der dreimalige Olympiasieger am Sonntag auf dem Lake Banook - wieder mit Hecker - im Canadier-Zweier über 1000 Meter Gold gewonnen. Mathematisch begabte Beobachter errechneten flugs, dass dies Brendels 13. WM-Titel war, zugleich seine WM-Medaille Nummer 24. Nummer 22 und 23 hatte sich der Familienvater aus dem brandenburgischen Städtchen Schwedt zuvor im Mixed, wo er im Boot mit Sophie Koch (Karlsruhe) Silber gewann, und über die 5000 Meter (Bronze) gesichert.

"Mit einem kanadischen Bier kann man darauf schon anstoßen", sagte Brendel am Montagmorgen am Telefon, ein paar Stunden vor dem Rückflug hatte er sich, wie er berichtete, für ein kleines Frühstück in die Hotellobby gesetzt. Am Abend zuvor habe es noch ein Teammeeting am See gegeben, die Bundestrainer seien sehr zufrieden gewesen. Verwunderlich ist das nicht, denn nicht nur Brendels Bilanz glänzte diesmal, sondern auch jene des gesamten Teams des Deutschen Kanu-Verbands (DKV). Ein Jahr vor der Heim-Weltmeisterschaft in Duisburg kletterten die Kanuten 14 Mal aufs Podest und sicherten sich Rang eins im Medaillenspiegel. Auch weil den Potsdamern Martin Hiller/Tamas Grossmann im Kajak-Zweier über 1000 Meter die zweite Goldfahrt für den DKV gelungen war.

Für Brendel ist es auch eine Reise in die eigene Vergangenheit

Für Brendel war die Reise nach Halifax auch eine in seine eigene Vergangenheit. Er kennt und schätzt die Gegend immer noch, "hier in Neufundland gibt es so viel Wasser, die Leute sind hilfsbereit, die Volunteers kümmern sich, und die Bedingungen auf dem See sind sehr fair." 2009 war er schon auf dem Lake Banook unterwegs gewesen, als 21-Jähriger, es war sein erstes Jahr im Einer. Erfahrung hatte er quasi keine, aber schon damals sehr viel Kraft. Am Ende wurde es Bronze. "Das ist doch jetzt eine runde Sache", sagt Brendel.

Aber auserzählt ist seine Geschichte noch nicht, er möchte seinem imposanten Medaillensatz, "der in einer Truhe bei uns zuhause lagert", noch weiteres Edelmetall hinzufügen, Anlass gibt es ja genug in nächster Zeit. Die Europameisterschaft im Rahmen der European Championships ist in nicht mal zwei Wochen in München, auf der Olympia-Regattaanlage, "einer wunderschönen Strecke und tollen Anlage, die es verdient hätte, dass sie mehr genutzt wird, gerade bei internationalen Wettkämpfen", wie Brendel sagt. Verteidigte er dort seinen Titel, wäre es das 13. EM-Gold für Brendel. Die erwähnte Weltmeisterschaft in Duisburg will er sich natürlich auch nicht nehmen lassen, dann geht es ohnehin längst schon um Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Paris 2024. Brendel hat nach Tokio ein klares Bekenntnis zu diesem Ziel vermieden, doch nun ist er offenbar bereit dafür. "Ja, ich will das angehen, im Zweier mit Tim." Damit die Truhe noch etwas voller wird, die Brendels Kinder längst nicht mehr nutzen, um mit seinen Medaillen zu spielen. Inzwischen gewinnen die beiden ihre eigenen in der Kanujugend.

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