bedeckt München 16°

Kamerun:Die verlorene Generation nach Eto'o, Drogba und Essien

Richtung und Struktur vorgeben: die Aufgabe von Kameruns Nationaltrainer Hugo Broos (Mitte, gestikulierend).

(Foto: Patrik Stollarz/AFP)

Es ist genau 24 Tage her, da scheiterte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft furios am afrikanischen Fußball. 4:3 gewann Sambia im Achtelfinale der U20-Weltmeisterschaft in Japan gegen die deutsche Juniorenauswahl. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, der Einsatz hat gestimmt", sagte Trainer Guido Streichsbier. Aber Sambia war besser. Im Viertelfinale schied das Team dann doch aus. Gegen Italien. Nach Verlängerung.

Nun spielt die große deutsche Nationalmannschaft gegen Kamerun. Das Land, das einst symbolisch für die goldene Zukunft des afrikanischen Fußballs stand. Das gegen England bei der Weltmeisterschaft 1990 um den tanzenden Roger Milla so unglücklich ausschied und das unter anderem der Grund war, warum Menschen wie Berti Vogts oder Pélé prophezeiten, man werde bald einen afrikanischen Weltmeister erleben. Heute, 27 Jahre später, hat der afrikanische Fußball vielleicht so viele Talente wie noch nie und gleichzeitig so wenige Chancen wie noch nie. Was ist da los?

Denn nicht nur die U20 Sambias zeigt, welches Potential in dem Kontinent steckt. Wer sich durch die Siegerliste der Juniorenturniere der Fifa klickt, findet oft Teams aus Afrika. Bei der U20-WM 2015 standen Mali und der Senegal im Halbfinale, 2013 kam Ghana unter die Top vier, 2009 hatten sie die WM gewonnen. Bei der U17-WM hieß der Sieger die letzten beiden Male Nigeria, 2015 im Finale gegen Mali.

Klickt man sich durch eine andere Liste, tauchen aber gar keine Afrikaner mehr auf. Jedes Jahr kürt die Fifa im Mannschaftssport Fußball den besten Individualisten. Es gewinnen immer Ronaldo oder Messi, aber es gibt auch dahinter noch ein paar Fußballer. Im vergangenen Jahr hat es unter die Top 23 nur einer aus Afrika geschafft - der Algerier Riyad Mahrez von Leicester City. Die Zeit, in der Afrikaner wie Samuel Eto'o, Didier Drogba, Yaya und Kolo Touré, Michael Essien, Salomon Kalou oder John Obi Mikel an den besten Adressen des Weltfußballs kickten, scheint vorbei.

"Afrika hat so viele Talente wie noch nie", sagt Sascha Empacher. Er ist Spielerberater und betreut viele afrikanische Spieler, unter anderem den Schalker Abdul Rahman Baba aus Ghana oder Mohamed Salah vom AS Rom. Seine Agentur hat Büros in Accra und Johannesburg. Empacher verdient Geld damit, afrikanische Spieler nach Europa zu vermitteln. Aber darum kann er auch erklären, wo die Schwierigkeiten liegen.

Ein Punkt sei das Transferverbot von Minderjährigen, sagt Empacher. Die Fifa erlaubt es Spielern unter 18 Jahren nicht mehr, den Verein zu wechseln. Als Schutzmechanismus gedacht, sei das für Afrikaner eher ein Hindernis. "Das ist ein Riesennachteil, ein Talent könnte sich mit 16 Jahren im Verein integrieren, eine gute Schule besuchen", sagt Empacher. Es gibt viele Beispiele, die seine These bestätigen. Samuel Eto'o wechselte zum Beispiel schon als 15-Jähriger nach Madrid, Didier Drogba kam mit fünf Jahren nach Frankreich. Pierre-Emerick Aubameyang spielt zwar für Gabun, wurde aber in Frankreich geboren und ausgebildet. Auch die beiden Torhüter von Deutschlands Confed-Cup-Gegner Kamerun, die Cousins André Onana und Fabrice Ondoa wechselten mit 14 in die Jugend-Akademie des FC Barcelona - die Fifa bestrafte den Klub Jahre später unter anderem deswegen mit einer Transfersperre von einem Jahr.