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Kader des FC Bayern:Fit ohne Arzt

Bayern München - FC Porto

Feiern nach dem 6:1: die Mannschaft des FC Bayern.

(Foto: dpa)

Trotz der Turbulenzen um den Arzt Müller-Wohlfahrt gelingen dem FC Bayern positive Ergebnisse. Sogar aus dem Fußballer-Lazarett kommen erfreuliche Nachrichten. Nur eines fehlt: eine Perspektive.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Am Morgen danach brandete Applaus auf. Natürlich beklatschten die Profis des FC Bayern beim Auslaufen ein bisschen auch die eigene Sechs-Tore-Performance, adressiert aber war die Würdigung an einen, der nicht hatte mitwirken können gegen die irrlichternden Portugiesen: an Javier Martinez. Nicht wenige werden in diesem Augenblick gedacht haben: Oh, der Martinez! Ach so, der ist ja auch noch da!

Fußball ist das Gewerbe des schnellen Vergessens, des ewigen Weiterso, aber gerade bei Martinez, der nach achtmonatiger Pause erstmals wieder den Münchner Trainingsplatz betrat, ist es wichtig, dass seine Verdienste in Erinnerung gerufen werden. Hatte doch der 26-Jährige maßgeblichen Anteil an der jüngeren Erfolgsgeschichte des FCB.

Daran, dass nach dem bitteren Dahoam-K.o gegen den FC Chelsea 2012 schon im Jahr darauf der Champions-League-Finalsieg gegen Borussia Dortmund gelang. Zudem trug der Baske mit exponierter Leistung im 2014er Pokalfinale gegen Dortmund dazu bei, dass der Übergang von den Heynckes- zu den Guardiola-Bayern doch als weitgehend gelungen gelten konnte.

Guardiola fehlt eine Perspektiv-Elf für die Zukunft

Einer wie Martinez gehört eigentlich in jede Bayern-Startreihe, die sich in der Theorie gegen Porto auch so hätte formieren lassen: Reina - Benatia, Martinez, Dante; Rode, Gaudino, Schweinsteiger, Alaba; Robben, Ribéry; Pizarro. Diese Elf der Maladen und Reservisten hatte bei Anpfiff die besten Plätze auf Bank oder Tribüne inne. Doch sogar mit ihr - wer wolle widersprechen? - könnte man auch mal deutscher Meister werden.

Gewiss lässt sich mit dem Luxuskader des FC Bayern in 2015 die Champions League gewinnen. Gewiss aber hat auch dieser Kader seine Schwäche. Es lässt sich eine erste Elf und eine zweite Elf bilden, was aber offiziell auch Pep Guardiola noch fehlt, ist eine dritte, ist die Perspektiv-Elf für die Zukunft. Der aktuelle Kader mit seinen vielen Ü30-Darstellern wird auf diese Saison, vielleicht sogar auf den Höhepunkt, aufs Finale am 6. Juni in Berlin getrimmt.

Danach wird etwas umgebaut, aber das wird leichter nach dem Halbfinal-Einzug. Und mit diesem kleinen Wunder im Kreuz: Ist doch der FC Bayern der einzige Spitzenklub der Welt, dem es gelingt, sich mit dem Arzt des langjährigen Vertrauens zu überwerfen - und trotzdem mit rauschhaften Resultaten und, wie bei Martinez, positiven Diagnosen zu begeistern.

© SZ vom 23.04.2015/koei
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