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Coming-out von Justin Fashanu:Einer der mutigsten Fußballer der Welt

Fashanu

Er war ein begabter Fußballer: Justin Fashanu

(Foto: imago)

Justin Fashanu wagt vor 30 Jahren als erster Fußballprofi sein öffentliches Coming-out. Seine Geschichte endet tragisch.

Von Lisa Sonnabend

Es ist die Geschichte über einen der mutigsten Fußballer. Am 22. Oktober 1990, vor genau 30 Jahren, erscheint die britische Boulevardzeitung Sun mit der Schlagzeile: "Ich bin schwul." Daneben ein Foto von Justin Fashanu. Der frühere Premier-League-Spieler ist damals der erste Fußballprofi der Welt, der seine Homosexualität öffentlich macht. Bis heute ist er der berühmteste und einer der ganz wenigen, die ein Coming-out während ihrer aktiven Karriere wagten. Die Geschichte von Justin Fashanu handelt aber nicht nur von Mut, sie ist auch voller Tragik. Denn acht Jahre später ist der Fußballer tot, er begeht Suizid. Wie konnte es so weit kommen?

Seine ersten Lebensjahre verbringt Fashanu in einem Waisenhaus, die alleinerziehende Mutter konnte nicht für ihn sorgen. Als er sechs Jahre alt ist, nimmt eine Pflegefamilie ihn und seinen kleinen Bruder John zu sich. Der Junge beginnt, Fußball zu spielen. Sein Talent fällt in dem kleinen Ort Shropham in der Grafschaft Norfolk sofort auf. Bald nimmt Norwich City ihn unter Vertrag, der Aufstieg verläuft rasant. Mit 19 Jahren spielt Fashanu bereits in der Premier League - sein erstes Tor ist ein Kunstwerk: Er trifft kraftvoll aus der Drehung volley in den Winkel. Die BBC wählt die Szene zum Tor des Jahres. 1981 wechselt der Stürmer zu Nottingham Forest, für eine Rekordsumme von einer Million Pfund; so viel hat nie zuvor ein Verein für den Transfer eines schwarzen Spielers bezahlt. Fashanu legt sich schnelle Autos und schillernde Outfits zu. Auf Videos von damals lacht er fast immer, er nimmt die Leute für sich ein. Er ist nun ein Star. Die Erwartungen sind hoch, der Druck ebenso.

Fashanu kämpft dagegen an, aber er kämpft auch mit sich selbst

Im Stadion beschimpfen Fans ihn rassistisch, sie werfen Bananen aufs Spielfeld. Fashanu kämpft dagegen an, aber er kämpft auch mit sich selbst. Der 20-Jährige kommt nicht damit klar, dass seine Mutter ihn früh verließ. Zu dieser Zeit wird ihm auch bewusst, dass er schwul ist. Nachts zieht er durch die Clubs von Nottingham, er lernt Peter Tatchell kennen, einen Kämpfer für Schwulenrechte und damals ein aufstrebender Labour-Politiker. Die beiden werden gute Freunde, besuchen Ausstellungen, gehen gemeinsam aus. "Justin riskierte es, geoutet zu werden, wenn er abends mit mir unterwegs war", erinnert sich Tatchell. "Manchmal belastete es ihn gar nicht, manchmal aber schon."

Nicht immer erscheint Fashanu pünktlich zum Training. Coach Brian Clough lässt ihn beschatten. Vor der Mannschaft beschimpft er seinen Spieler als "bloody poof", verdammte Schwuchtel. Fashanu fliegt aus dem Kader, Clough verbietet ihm sogar, den Trainingsplatz zu betreten, einmal lässt er seinen Spieler von der Polizei vom Vereinsgelände abführen. In 35 Spielen für Nottingham erzielt der Angreifer nur drei Tore. "Seine Leistungen ließen nach, weil der Trainer ihn ständig wegen seiner Sexualität beschimpfte", davon ist Tatchell bis heute überzeugt.

Fashanu verletzt sich am Knie, fällt lange aus, er wird nie wieder so gut wie vorher. Er zieht in die USA, spielt in eher unterklassigen Klubs. Er geht weiter abends aus, will seinen Lebensstil nicht aufgeben, doch das Geld ist knapp. 100 000 Pfund bietet ihm die Sun für ein Coming-out; Fashanu zieht es durch. Schon seit seiner Zeit in Nottingham hat er wohl mit dem Gedanken gespielt. "Er wollte die Last loswerden, ein verstecktes schwules Leben zu führen", sagt Tatchell. Er selbst sagte: "Ich dachte, wenn ich mein Coming-out in der schlimmsten Zeitung habe und dann stark bleibe, gäbe es nichts mehr, was noch zu sagen wäre."

Doch Fashanu gelingt es nicht, stark zu bleiben. Tatchell beschreibt ihn als einen Menschen, der viele Seiten hatte. "Er fühlte sich zerrissen, abgelehnt, die vielen Rückschläge plagten ihn, er dachte viel nach." Nicht immer habe er alles richtig gemacht. Der berühmte Fußballer tritt in Talkshows auf, posiert in Magazinen, berichtet detailreich, wie er mit Mitspielern und anderen Prominenten geschlafen habe. Manchmal übertreibt Fashanu, manches soll er sogar erfunden haben. Für fast jede Story bekommt er Geld.

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