Abwerben im Juniorenfußball:Masterplan zur Erringung der Weltherrschaft

In Leipzig nimmt man solche Aussagen mittlerweile routiniert zur Kenntnis. "Wir wollen unsere Spieler nicht mit Geld zu uns locken", hat RB-Nachwuchschef Frieder Schrof neulich wieder erklärt. Die jungen Spieler kämen wegen der exzellenten Bedingungen, die RB ihnen biete. Unter anderem weiht der Verein demnächst sein 35 Millionen Euro teures Nachwuchszentrum ein, auch die Investitionen ins Lehrpersonal übertreffen deutlich das Niveau anderer Vorzeigejugendzentren - jene der ebenfalls in großem Rahmen waltenden Hoffenheimer und Wolfsburger inbegriffen.

Es ist nicht nur ein teures, sondern auch ein importiertes Blitz-Erfolgsmodell. Die Leipziger Nachwuchs-Verantwortlichen Schrof, 60, und Thomas Albeck, 59, hatten viele Jahre beim VfB Stuttgart gearbeitet, bevor sie 2012 auf Betreiben von Red-Bull-Sportchef Ralf Rangnick nach Leipzig kamen. Auch der A-Junioren-Trainer Frank Leicht ist Schwabe.

Rangnicks schwäbisches Sendungsbewusstsein, die rigorose Professionalisierung des Leipziger Projekts und dessen internationale Verknüpfung, unter anderem mit den Konzernakademien in New York und Sao Paulo - das alles klingt wie ein Masterplan zur Erringung der Weltherrschaft, gegen den allmählich James Bond einschreiten sollte. Armin Kraaz fände es aber schon gut, wenn zumindest die Verbände eingreifen könnten. "Der Markt spielt sich jetzt bereits bei den 14- und 15-Jährigen ab", sagt er, "ich finde, man sollte beim DFB und bei der DFL Möglichkeiten suchen, die Wechselei zwischen den Leistungszentren in diesem, noch vertragslosen Zeitraum zu erschweren. Dieses Verpflanzen mit Verträgen, Geld, dem Traum, der mit verkauft wird - das sind Wucherungen des Geschäfts."

Einst abgeworbene 15-Jährige sind wieder auf dem Markt

Eintracht Frankfurt lässt sich die Nachwuchsarbeit rund 2,5 Millionen Euro kosten, eine unterdurchschnittliche Summe. Die Folge ist unter anderem, dass im vorigen Sommer ein B-Jugend-Spieler an Leipzig verloren ging, im Winter zwei weitere nach Wolfsburg und einer nach Dortmund abwanderten, und in diesem Sommer die nächsten Abgänge anstehen. "Das ist ein Spiegelbild des großen Ganzen", sagt Kraaz, "die Eintracht hätte voriges Jahr auch gern Schwegler, Jung und Rode gehalten, aber sie gingen trotzdem nach Hoffenheim, Wolfsburg und zu den Bayern. Damit müssen wir ganz einfach leben."

Ob die Leipziger aber tatsächlich so planmäßig den Weg nach oben beschreiten, bezweifeln manche Experten. Ihre Ungeduld könnte ihnen in die Quere kommen. "Ich glaube nicht, dass das Modell funktionieren wird, es lässt sich auf Dauer nicht seriös durchhalten", sagt Ruhnert, und Kraaz schließt sich an: "Es kommen ja bereits in diesem Sommer wieder Spieler zurück in den Markt, die vor zwei Jahren in die Leipziger U15 geholt wurden. Die werden jetzt in der U17 wieder angeboten. Das wird sich auf Sicht herumsprechen. Wenn Ralf Rangnick sagt, RB wolle jedes Jahr nur die Besten holen, dann fallen logischerweise hinten wieder welche runter."

© SZ vom 13.05.2015/schma
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