Innovationen von Springreiter EpaillardDer reitende Naturbursche

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„Julien hat wahnsinnig viel Gefühl“: Der Franzose Julien Epaillard hat das Weltcupfinale der Springreiter gewonnen.
„Julien hat wahnsinnig viel Gefühl“: Der Franzose Julien Epaillard hat das Weltcupfinale der Springreiter gewonnen.
Til Buergy/Keystone/dpa

Die Springpferde von Julien Epaillard bekommen mehr Zeit zur Entwicklung und schlafen im Sommer unter freiem Himmel: Über einen Reiter, der vieles anders macht als die Konkurrenz – und beim Weltcupfinale in Basel dennoch triumphiert.

Von Gabriele Pochhammer, Basel

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An den Hufen keine Eisen, im Maul kein Gebiss, es geht offenbar auch oben und unten ohne Metall: Donatello d’Auge, das Pferd des Weltcupsiegers 2025 Julien Epaillard, sollte den kritischen Tierschutzbeauftragten, die beim Finale in Basel alle Pferde auch beim Training im Auge behielten, eine Freude sein. Mit nur einem Abwurf in vier schweren Parcours holte sich der 47-jährige Franzose Epaillard unangefochten den Cup. Zweiter wurde der Brite Ben Maher auf dem elfjährigen Hengst Point Break, vor einem weiteren Franzosen, Kevin Staut auf Visconti du Telman. Ein gutes Omen für die Freiluftsaison mit dem Höhepunkt der Europameisterschaft in La Coruña im Juli. Dort wird Julien Epaillard nun als Favorit antreten.

Die Karriere des Bauernjungen begann zwar früh, er ritt auch als junger Mann bei Nachwuchs-Championaten, aber er musste erst 40 werden, um sich international durchzusetzen. Keine renommierten Trainer säumen seinen Weg, der frühere französische Equipechef Henk Nooren hilft ihm hin und wieder. Auch in Basel stand er am Abreiteplatz und gab gelegentlich Tipps. „Julien hat wahnsinnig viel Gefühl“, sagt Nooren. Das macht seinen Erfolg aus.

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Epaillard bleibt der reitende Naturbursche, der wenig Lust auf akribische Dressurarbeit hat, der lieber häufig im Training springt und sich ganz auf seinen inneren Draht zu seinen Pferden verlässt. „Ich höre auf meine Pferde. Wenn ich fühle, sie sind so weit, gehe ich zum Turnier, vorher nicht. Die Weltrangliste spielt für mich keine Rolle.“ Nooren half ihm auch, die richtigen Pferde zu finden, aber inzwischen züchtet Epaillard auf seinem Gestüt in der Normandie die richtigen Vierbeiner selbst. So wie Donatello d’Auge, den Sieger von Basel, oder auch Dubai du Cedre, mit der Epaillard bei den Olympischen Spielen in Paris Mannschaftsbronze gewann. Die Stute wird inzwischen von der Deutschen Janne Meyer-Zimmermann geritten. „Der verkauft jedes Jahr sein bestes Pferd und hat trotzdem immer wieder einen fürs Championat“, sagt Bundestrainer Otto Becker in einer Mischung aus Neid und Bewunderung.

Moderne Zuchtmethoden wie den Embryotransfer lehnt Epaillard ab

Es war Epillards Frau Susana, die die eigene Zucht startete, mit Stuten, die sie einst selbst geritten hatte, alle aus bester Abstammung. Und nicht mehr als 15 Tiere. „Wir wollen klein bleiben und uns auf die Qualität konzentrieren“, sagt Epaillard. „Wir bekommen jedes Jahr sieben bis neun Fohlen, nach jeder Geburt bekommt die Stute ein Jahr Pause.“ Bei den meisten Profi-Züchtern sollen die Stuten jedes Jahr ein Fohlen zur Welt bringen. Auch den Embryotransfer lehnt Epaillard ab: eine moderne Zuchtmethode, bei der eine Stute weiter im Sport eingesetzt werden kann, während eine weniger wertvolle Stute das Fohlen austrägt. „Unsere Stuten tragen ihr Fohlen selbst aus“, sagt er.

Kann auch selber gut springen: Julien Epaillard bei der Siegerehrung mit dem Briten Ben Maher (links) und seinem Landsmann Kevin Staut.
Kann auch selber gut springen: Julien Epaillard bei der Siegerehrung mit dem Briten Ben Maher (links) und seinem Landsmann Kevin Staut.
Stefan Lafrentz/Imago

Sind die Fohlen auf der Welt, wartet eine unbeschwerte Jugend auf sie. Sie wachsen in einer Herde auf, schlafen im Sommer draußen und werden erst mit fünf bis sechs Jahren unter den Sattel genommen. Da haben viele ihrer vierbeinigen Altersgenossen schon zwei Turniersaisons hinter sich. Erst mit acht Jahren lernen die Youngster den gehobenen Sport kennen. Auch die älteren Turnierpferde verbringen viel Zeit in Gruppen unter freiem Himmel, paradiesisch für das Herdentier Pferd.

Das Trainingssystem ist simpel. „Fühlt sich mein Pferd frisch an, galoppiere ich länger, wenn nicht, reite ich ausgedehnt Schritt.“ Mit gebissloser Zäumung arbeite er auch zu Hause, sagt er. Das schont das Pferdemaul, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man auch mit einem Hackamore – so heißt die Zäumung, die auf den Nasenrücken einwirkt – ein Pferd sehr dezidiert steuern kann. Es kommt halt immer auf die Reiterhand am anderen Ende des Zügels an.

Zusätzliche Kontrollen und Videokameras sollten beim Weltcupfinale in Basel sicherstellen, dass kein Pferd überfordert oder malträtiert wird. Dafür hatten die Veranstalter drei zusätzliche Aufpasser der neuen Pferdeschutzgruppe „Erhaltenswert“ zugelassen, die nichts zu beanstanden hatten. Die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) hatte dem zugestimmt. Wenn man im Weltverband verärgert war über den Affront gegen die eigenen geschulten Stewards vor Ort, dann hat man sich das nicht anmerken lassen. Vielleicht klug in Zeiten, in denen sich der Pferdesport gegen vielerlei Angriffe wehren muss.

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