Julian Green beim FC Bayern:Guardiola ruft "Bravo"

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Viel zu tun: Julian Green bei einer Pressekonferenz in den USA

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Julian Green hat noch keine Minute Bundesliga gespielt, bei der USA-Reise des FC Bayern ist er dennoch die Attraktion. Der 19-Jährige will endlich mehr als nur Reservist in München sein - doch das wird trotz seines Talents schwierig.

Von Jürgen Schmieder, Portland

Es gibt diese These, nach der zu viele Gedanken den Erfolg eines Stürmers beeinträchtigen. Ein Beweismittel dafür ist der Treffer von Julian Green im Achtelfinale der Weltmeisterschaft. Der Pass von Michael Bradley war so lange in der Luft, dass so mancher Fußballer mit seinen Überlegungen Bücher hätte füllen können: Ball annehmen? Ihn ablegen? Womöglich hinfallen und einen Elfmeter provozieren?

In Greens Kopf dagegen schien sich nur eine Idee festzusetzen: Volleyschuss! Es funktionierte, der Treffer war umso ansehnlicher, weil der eher unsauber getroffene Ball neben dem belgischen Torwart über die Linie plumpste. Es war aber auch der Moment, in dem sich das Leben dieses 19 Jahre alten Mannes veränderte. Er wird in den USA so sehr gefeiert wie Tim Howard oder Clint Dempsey.

Das ist auch in diesen Tagen in Portland beim Besuch des FC Bayern anlässlich der Partie gegen eine Auswahl der amerikanischen Profiliga MLS zu sehen. Etwa 40 Kinder beobachten das Training auf dem Gelände der Universität, sie bewundern die Tricks von Franck Ribéry und die wuchtigen Schüsse von David Alaba - doch die Aufregung steigt, wenn Green am Ball ist. "Da ist er", raunt einer. "Er ist so gut, guckt euch nur an, wie er sich bewegt", erklärt ein anderer. Einer von den Prominenten der Bayern, das ist hier auch Julian Green.

Was hatten sie debattiert in den USA über seine Aufnahme in den WM-Kader. Trainer Jürgen Klinsmann wurde attackiert, weil er statt des erfahrenen Landon Donovan diesen Grünschnabel mitnahm. In Greens Lebenslauf stehen ja null Bundesligaminuten und nur ein Kurzeinsatz in der Champions League. Klinsmann, hieß es, gefährde den Erfolg, um Green an den US-Verband zu binden.

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Will sich durchsetzen: Julian Green beim Training in den USA mit Shaqiri

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Doch dann kam der 15-Minuten-Einsatz im Achtelfinale gegen Belgien. Green erzielte diesen Treffer in der Verlängerung, mit dem sich die Amerikaner ehrenhaft von der WM verabschiedeten - Klinsmann gilt seitdem als Visionär, Green als Versprechen auf Erfolg. Ein Reporter nannte ihn gar "The Future of American Soccer", die Zukunft des amerikanischen Fußballs. "Es ist ganz normal, dass sich die Menschen freuen, dass ich hier bin", sagt Green. Das immense Interesse an ihm störe ihn nicht: "Ich habe einfach nur Spaß."

Bei den Bayern versuchen sie nun, die zahlreichen Anfragen zu bewältigen und den Rummel dennoch gering zu halten. Nach dem Training schreibt Green seinen Namen auf Trikots, am Nachmittag sitzt er bei einer Autogrammstunde im Stadtzentrum oder er spielt beim Gaudikick eines Sponsors auf dem Pioneer Square. Seine Antworten in Interviews sind wohlüberlegt. "Ich freue mich, die Kollegen vom Nationalteam zu sehen", sagt er, oder: "Der Fußball ist endlich angekommen in diesem Land, das WM-Finale haben mehr Menschen gesehen als die NBA-Finalserie." So etwas hören sie gerne in den Vereinigten Staaten.

Mehr als ein Werbemaskottchen

Green ist mit dem FC Bayern aber nicht nur in die USA gereist, um als Werbemaskottchen Autogramme zu schreiben und an Freundschaftsspielen teilzunehmen. Er will dieses Trainingslager nutzen, um sich für mehr Spielzeit im Verein und natürlich für die ersten Bundesligaminuten zu empfehlen: "Ich will nicht nur in der Nationalelf Tore erzielen oder bei Freundschaftsspielen mit dem FC Bayern, sondern auch in Pflichtspielen, wenn es um etwas geht."

Genau da jedoch könnte das Problem liegen. Trainer Guardiola sagt zwar: "Wir wissen, dass er talentiert ist und weiß, wo das Tor steht. Sein Zug zum Tor ist wunderbar." Nur: Betrachtet man Green als Mittelstürmer, dann sind die Aussichten nicht besonders gut. Auf dieser Position haben die Bayern schon Zugang Robert Lewandowski und Claudio Pizarro.

Bewertet man ihn als Flügelflitzer, wird die Liste der Konkurrenten noch länger: Arjen Robben, Franck Ribéry, Xherdan Shaqiri, womöglich auch Thomas Müller und Mario Götze. Green dürfte bald mehr darüber nachdenken, wie viele Pflichtspielminuten er beim FC Bayern tatsächlich bekommen wird.

Während der Trainingspartie auf dem Campus von Portland dagegen kann er seine Gedanken weglassen, was seiner Qualität als Angreifer ja nur hilft: Scharfe Hereingabe von Ribéry, Green eilt heran und lenkt den Ball mit dem Außenrist ins Tor. Guardiola ruft "Bravo", die Kinder sind begeistert. Nur Holger Badstuber motzt, weil er zu spät gekommen ist gegen diesen jungen Mann, der auf dem Spielfeld nicht groß nachdenkt, sondern einfach Tore schießt.

© SZ vom 05.08.2014
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