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Julia Görges:Durchgemogelt in die zweite Woche

US Open

Görges ist die einzige deutsche Teilnehmerin im Achtelfinale der US Open.

(Foto: Sarah Stier/dpa)
  • Julia Görges erreicht bei den US Open nach einem Sieg über die Niederländerin Kiki Bertens das Achtelfinale.
  • Ihr wird durchaus zugetraut, bei diesem Turnier weit zu kommen - wenn sie es denn schafft, ihre leichten Fehler zu Beginn zu vermeiden.

Es gibt Fragen, die sind weit hergeholt. Und es gibt Fragen, die sind so weit hergeholt, dass man ihren Urspung gerade noch so per Fernglas erkennen würde. Genau so eine Frage bekam Julia Görges, 30, gestellt: Angelique Kerber habe doch bei den Australian Open 2016 in der ersten Runde einen Matchball abgewehrt und danach das Turnier gewonnen. Nun habe auch sie, Görges, in der ersten Runde der US Open einen Matchball abgewehrt und am Samstag durch ein herausragendes 6:2, 6:3 gegen Kiki Bertens (Niederlande) das Achtelfinale erreicht. Ob sie sich daran erinnere und ob es zu früh sei, Parallelen zu ziehen?

Der Blick von Görges sagte: "Was in aller Welt hat denn das eine mit dem anderen zu tun?" Ihre Stimme hingegen sagte: "Ist doch gut, dass ihr euch dran erinnert. Das ist noch ein bisschen früh. Ich bin erst einmal zufrieden, die zweite Woche erreicht zu haben."

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Die US Open, das ist schon seit 1969 so, werden auch in diesem Jahr in sieben Runden unterteilt. Die Spieler versichern stets, immer nur ans nächste Spiel zu denken, an die nächste Runde. Und doch gibt es da diese Unterteilung in die erste und zweite Woche: Wer letztere erreicht, nimmt am Achtelfinale teil - und ist nicht in der dritten Runde ausgeschieden. "Achtelfinale", das klingt schon ein bisschen nach Endspiel, "dritte Runde" eher nach der Durchsage eines Achterbahn-Besitzers.

"Die ersten beiden Runden waren recht zäh, ich musste mich auch ein bisschen durchmogeln", sagte Görges. "Man kommt ja nicht zu einem Grand-Slam-Turnier, um dann nur eine Runde zu gewinnen. Man will dann schon zeigen, was man kann." Was die Deutsche kann, ist durchaus bekannt: Sie hat einen wuchtigen, präzisen Aufschlag, eine aggressive Spielweise, eine druckvolle Vorhand. Ihr wird zugetraut, sehr weit zu kommen bei einem Grand-Slam-Turnier, vor zwei Jahren sagte sie zur SZ auf die Frage, ob sie sich einen Sieg eigentlich zutraue: "Warum denn nicht?" In Wimbledon erreichte sie im vergangenen Jahr das Halbfinale.

Erst im Viertelfinale fühlt es sich ein bisschen mehr nach Endspiel an

Gegen die an Rang sieben gesetzte Bertens agierte sie mutig und - was noch wichtiger ist - leistete sich dabei nur sehr wenige leichte Fehler. Das ist bisweilen ihr größtes Problem: Macht sie zu Beginn einer Partie ein paar Fehler, wird sie vorsichtiger. Dann dürfen ihre Gegnerinnen die Ballwechsel diktieren, Görges bewegen und sie zu Fehlern zwingen - und dann entsteht diese Spirale, die zu Niederlagen führt, obwohl Görges gar nicht mal schlecht spielt. Gelingt es ihr hingegen, die alte Regel des legendären Boxtrainers Fritz Sdunek umzusetzen ("Lass deine Stärken so stark sein, dass die Schwächen nicht auffallen") und die dominierende Spielerin zu sein, dann ist sie nur sehr schwer zu schlagen.

Görges ist die einzige deutsche Teilnehmerin im Achtelfinale, Andrea Petkovic verlor 3:6, 3:6 gegen Elise Mertens (Belgien). Görges trifft nun am Montag auf Donna Vekic, gegen die sie in drei Partien noch nicht verloren hat. "Das kann auch ein Vorteil für sie sein, weil sie jetzt weiß, was sie falsch gemacht hat", sagt Görges.

Nein, niemand denkt bei den US Open weiter als an diese nächste Runde - was natürlich auch daran liegen könnte, dass die Amerikaner das Achtelfinale "vierte Runde" nennen. Damit es in New York wirklich ein bisschen nach Endspiel klingt und sich auch so anfühlt, muss man also schon das Viertelfinale erreichen.

© SZ.de/vit
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