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Julia Görges:"Es ist doch nicht schön, wenn man alles vorgekaut bekommt"

US Open

Julia Görges: Im Achtelfinale bei den US Open

(Foto: dpa)

Julia Görges ist die letzte Deutsche bei den US Open. Vor ihrem Achtelfinale spricht sie über ihre nächste Gegnerin und warum sie ihr Spiel lieber selbst gestaltet.

Nach ihrem dritten Matchball, da vergaß Julia Görges ganz kurz, dass sie eine Tennisspielerin ist. Sie vollführte eine Jubelkombination aus geballten Fäusten, kurzem Hüpfer und lautem Schrei - was gewöhnlich nur Regionalliga-Fußballer tun. Nach dem 6:3, 6:3 gegen Aleksandra Krunic (Serbien) trifft sie am Sonntag auf Sloane Stephens (USA). Es ist das fünfte Grand-Slam-Achtelfinale in der Karriere von Görges, das erste bei den US Open in New York. Sie ist die letzte Deutsche, die noch im Turnier ist. Im Gespräch mit deutschen Reportern sprach sie über die Bedeutung der zweiten Woche bei einem großen Turnier, die Wichtigkeit von Resultaten und warum sie während einer Partie so selten hilfesuchend nach draußen blickt.

Sie reagieren nach Siegen gewöhnlich eher gelassen: Heute haben Sie sich emotionaler verhalten - gab es einen besonderen Grund?

Julia Görges: Ich habe mit meinem neuen Team, mit dem ich seit zwei Jahren arbeite, etwas erreicht, was wir vorher nicht geschafft haben: das Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier. Deshalb war diese Runde für mich bedeutender, ich habe es vorher nicht über die zweite Runde hinaus geschafft. Natürlich haben wir im Training bemerkt, dass sich da was verbessert, dass sich was tut, dass es positive Ergebnisse gibt. Es ist aber noch einmal eine andere Sache, dann auch die Resultate zu bekommen, gerade bei einem Grand-Slam-Turnier.

Achtelfinale - ist das was Besonderes oder nur eine weitere Runde?

Ein Grand-Slam-Turnier wird nun mal unterteilt in: erste Woche und zweite Woche. Ich kann nicht genau erklären, warum das so ist - es ist aber etwas Besonders, die zweite Woche zu erreichen. Es gibt einem das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Aber dennoch geht die Reise weiter.

Sie spielen nun gegen Sloane Stephens, gegen die Sie kürzlich im Viertelfinale von Cincinnati verloren haben...

Das war eine komplett andere Situation. Ich hatte eine emotionale Partie gewonnen und musste nur zwei Stunden später wieder antreten. Jetzt habe ich erst einmal einen Tag Pause und kann das alles verarbeiten. Ich glaube, dass es ein Schlagabtausch und eine spannende Partie werden wird, deren Ausgang völlig offen ist.

Es fällt auf, dass Sie während der Partien - anders als viele andere Spieler - kaum zu Ihrem Team blicken.

Es gibt bei den WTA-Turnieren die Möglichkeit, einen Coach zu rufen. Ich bin, wenn ich ehrlich bin, kein Fan dieser Regel, weil es einer Spielerin die Initiative wegnimmt. Ich finde, eine Spielerin sollte selbst auf die Ideen kommen, wie sie eine Partie gewinnen kann, sie sollte selbst eine Strategie entwickeln müssen. Es ist doch nicht schön, wenn man alles vorgekaut bekommt und man machen muss, was andere einem sagen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich höre schon gerne Ratschläge von außen, während einer Partie bin ich aber lieber bei mir und meinem Spiel.

Sie waren vier Mal im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers, zuerst 2012 in Melbourne, zuletzt 2015 in Paris. Dazwischen gab es immer wieder auch Durststrecken. Was unterscheidet Sie von damals?

Das Gesamtpaket hat sich verändert: Ich trete selbstbewusster auf, verstehe mein Spiel aber auch besser. Ich denke nun anders über die Taktik in einem Match nach oder auch über einzelne Spielzüge während eines Ballwechsels. Das geht natürlich nur, weil ich mit topfit fühle und auch spielerisch sicher agiere. Ich bewege mich gut, die Schläge sind in Ordnung. Ich bin nun an einem Punkt, an dem ich mich wirklich nur auf eine Partie konzentrieren kann, weil alles andere passt.

© SZ vom 03.09.2017 / Aufgezeichnet von Jürgen Schmieder/ska
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