Judo-WM Zu alt für Deutschland

Gar nicht so lang her: Judoka Miryam Roper (rechts) tritt 2016 noch für Deutschland gegen die Brasilianerin Rafaela Silva an.

(Foto: imago/Conny Kurth)
  • Miryam Roper tritt bei der Judo-WM in Budapest für Panama an.
  • Noch 2016 startete sie für Deutschland bei den Olympischen Spielen.
  • Danach entschied der Deutsche Judo-Bund (DJB): Sie sei zu alt, um im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 noch eine Perspektive zu haben.
Von Sebastian Fischer

Die Hymne klingt noch etwas komisch, wenn Miryam Roper sie singt. Das sagt sie selbst, sie lacht: "Die Töne sind so hoch, das ist ganz schlimm." Doch den Refrain bekommt sie inzwischen fehlerfrei hin. Roper, eine der besten Judoka aus Deutschland, hätte sicherlich auch nach ihren Kämpfen bei den Weltmeisterschaften in Budapest an diesem Mittwoch nichts dagegen, sie zu singen: die Nationalhymne Panamas.

Roper, 35, geboren in Aachen, kämpft seit April für das Geburtsland ihres Vaters, weil sie für Deutschland nicht mehr kämpfen durfte. Ihr Fall ist einer, der die Hürden im deutschen Sport zeigt - und den starken Willen einer Athletin. Roper sagt: "Ich bin glücklich."

Dabei hatte das Jahr unglücklich begonnen. Nach den Olympischen Spielen in Rio entschied der Deutsche Judo-Bund (DJB), Roper fortan nicht mehr zu berücksichtigen. Sie sei zu alt, um im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 noch eine Perspektive zu haben. Dabei war sie, die frühere Weltranglistenerste und WM-Dritte, noch immer eine der besten Deutschen in ihrer Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm. "Das nimmt einem die Basis", sagt Roper, sie fühlte sich allein gelassen und überhaupt nicht zu alt. Sie störte vor allem die Art und Weise, wie der Bundestrainer ihr den Entschluss mitgeteilt hatte: am Telefon. "Respektlos", sagt sie.

"Natürlich war's blöd am Telefon"

Ja, gibt Peter Frese zu, der DJB-Präsident, "natürlich war's blöd am Telefon. Aber sonst kann ich uns nichts vorwerfen." Die Leistungssportreform des Deutschen Olympischen Sportbundes schreibe es ihm vor, auf junge Leute zu bauen. Für alles andere, für Einzelfälle, "haben wir nicht die Mittel". Keine Chance.

Roper studiert in Köln, sie verlor ihren Status als Sportsoldatin in der Fördergruppe. Sie überlegte, ihren Ausschluss vor Gericht anzufechten. Doch sie wollte nicht mehr mit Leuten arbeiten, die nicht mehr an sie glaubten. Und sie erinnerte sich, was sie schon immer mal tun wollte: "meine panamaische Seite ausleben".

Sie flog nach Panama, beantragte einen Pass, fühlte sich wohl am Strand, in der Sonne, ihr fielen gar die bunten Schmetterlinge auf. Es war jedoch nicht alles einfach. Dem panamaischen Judoverband fehlen Geld und Strukturen. "Es war ein harter Weg", sagt Roper. Sie war auf ihr altes Umfeld angewiesen, auf ihren früheren, ebenfalls entlassenen Bundestrainer Michael Bazynski, der nun für den holländischen Verband arbeitet, aber in seiner Freizeit Ropers Pläne fürs Krafttraining entwarf. Sie brauchte die Hilfe des Weltverbands, der ihr Reisekosten erstattet, und mehr denn je die Unterstützung ihres Vereins Bayer Leverkusen.