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Judo-EM in Lissabon:Werbung auf der Matte

BAU// 25.01.2020 Stuttgart Judo Deutsche Einzelmeisterschaft 2020, - 60 kg, v.l. Lukas Klemm (VfL Sindelfingen 1862 e.V.; Judo - Maximilian Heyder (Judo Club Naisa)

Den Gegner fest im Griff: Die Judo-EM in Lissabon ist für Maximilian Heyder vom JC Naisa (im weißen Anzug, hier bei der Deutschen Einzelmeisterschaft 2020) der nächste Schritt in seiner Karriere.

(Foto: Julia Rahn/Pressefoto Baumann/imago)

Maximilian Heyder ist zweimaliger Deutscher Meister, an Olympia wird der Judoka aber nicht teilnehmen. Stattdessen möchte er bei der EM in Lissabon seinen Durchbruch forcieren.

Von Celine Chorus

Maximilian Heyder hat sich damit abgefunden. Wenn das deutsche Aufgebot im Sommer ins Flugzeug Richtung Tokio steigt, wird er nicht dabei sein. Heyder ist zweimaliger Deutscher Judo-Meister im Leichtgewicht bis 60 Kilogramm, die Olympischen Sommerspiele in Japan (23. Juli bis 8. August) werden allerdings sehr wahrscheinlich ohne ihn stattfinden. Jede Nation darf nur einen Athleten aus den jeweiligen Gewichtsklassen entsenden. Und hier hat Moritz Plafky vom Deutschen Judo-Bund bei der vorläufigen Nominierung den Vorzug bekommen. Heyder bleiben zum Trost seine nationalen Medaillen aus den vergangenen beiden Jahren.

Seinen Fokus hat Heyder, 24, inzwischen auf die anstehende Judo-Europameisterschaft im portugiesischen Lissabon gelegt. Nachdem die Grand Slams in Tiflis und Antalya abgesagt wurden, ist es für ihn erst das zweite Turnier seit über einem Jahr Pause. Bis zum Sommer konnte wegen der Corona-Pandemie kein Judo betrieben werden. Leistung habe er dadurch aber nicht verloren, betont Heyder: "Ich fühle mich gut, bin in einer starken Form, und möchte das auch zeigen." Die EM soll den nächsten Schritt in seiner Entwicklung markieren: "Ich möchte im Herrenbereich ankommen, mich bei der EM sehr gut verkaufen, und mein bestes Judo auf die Matte bringen."

Bei der Polizei kann Heyder sich bis zu acht Monate im Jahr für das Training freistellen lassen

Heyder stammt aus dem Nachwuchs des JC Naisa, einem Verein aus Litzendorf im Landkreis Bamberg. Dort ist er mit sechs Jahren durch seinen Bruder zum Judo gekommen, seine einzige Leidenschaft sei der japanische Kampfsport jedoch nicht gewesen: "Damals habe ich auch andere Sportarten gemacht", erinnert sich Heyder, "aber das Judo hat es mir schließlich am meisten angetan." 2012 rückte er als Jugendlicher in den Kader des Deutschen Judo-Bundes (DJB) und damit sei ihm bewusst geworden, "dass ich nach dem Abitur den Schritt nach München gehen muss".

Seit vier Jahren trainiert Heyder inzwischen mit den bayerischen Kaderathleten am Stützpunkt in Großhadern und macht bei der Polizei in Dachau eine auf fünf Jahre gestreckte Berufsausbildung. Das sei für ihn die beste Möglichkeit, um Leistungssport betreiben zu können. Bei der Polizei kann er sich bis zu acht Monate im Jahr für das Training freistellen lassen, in den restlichen vier Monaten werden ihm die fachlichen Inhalte vermittelt. "Nach der Karriere ist man auf einen Plan B angewiesen", erklärt Heyder, "im Judo hat man mit den Gehältern aus der Bundesliga nicht ausgesorgt."

In der höchsten deutschen Judo-Klasse steht Heyder aber nicht für den JC Naisa, sondern für den Rekordmeister TSV Abensberg im niederbayerischen Landkreis Kelheim auf der Matte. Dass die Athleten für mehrere Vereine antreten dürfen, ist eine der vielen Besonderheiten im Judo. "Die Bundesliga erfolgt separat von den anderen Turnieren", sagt Heyder. "Deshalb können die Bundesligisten auch bei anderen Vereinen einkaufen."

"Ich würde nicht sagen, dass wir bei der Judo-EM außer Konkurrenz teilnehmen", sagt Heyder

Dass seine Leistungen ausreichen, um für das deutsche Nationalteam bei der diesen Freitag beginnenden Europameisterschaft nominiert zu werden, hat Heyder erst zwei Wochen vor Abreise erfahren. Im Vorfeld des Grand-Slam-Turniers von Tiflis hatten sich nach Schätzungen 40 bis 50 Personen mit Covid-19 infiziert. Auch der deutsche Verband beklagte sieben infizierte Athletinnen und Athleten, sodass lange unklar war, wer in Lissabon auf die Matte gehen können würde.

Dass Heyder in Georgien nicht im Hotel in Quarantäne musste, hatte er allein dem Umstand zu verdanken, dass er sich bereits im Dezember mit dem Virus infiziert hatte. Vor einem geplanten Besuch bei seiner Familie klagte er über leichten Husten und ließ sich vor Weihnachten testen. "Die Infektion ist insgesamt sehr mild verlaufen", sagt Heyder. Nach der Erkrankung sei er jedoch nur bei 80 Prozent seines Leistungsvermögens gewesen: "Inzwischen fühle ich mich aber sehr gut und würde sagen, dass ich das Niveau erreicht habe, das ich vor der Infektion hatte."

Nicht alle Athleten sind rechtzeitig zur Judo-EM aus der Quarantäne entlassen worden, manche verzichten auch in Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele auf eine Teilnahme. Nach vier Medaillen (einmal Silber, dreimal Bronze) bei der letzten EM wird Deutschland in diesem Jahr deshalb mit der zweiten Garde antreten. "Ich denke, die EM wird sehr stark besetzt sein", sagt Maximilian Heyder. "Es ist zwar ein anderes Team als in Prag, aber ich würde nicht sagen, dass wir außer Konkurrenz teilnehmen." Für ihn geht es in Lissabon um wichtige Punkte in der Weltrangliste - und darum, auf sich aufmerksam zu machen.

© SZ/and/jki
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