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Jordan Pickford:Englands Zweitkleinster kann ein Großer werden

Tunisia v England: Group G - 2018 FIFA World Cup Russia

Er ist der jüngste englische WM-Torhüter und einer der kleinsten, aber bislang ein sicherer Rückhalt: Jordan Pickford beim Vorrundenspiel gegen Tunesien.

(Foto: Getty Images)
  • Die englische Nationalmannschaft scheint in Jordan Pickford erstmals seit langer Zeit einen sicheren Torhüter zu haben.
  • Auf der Insel hat er sich den Ruf erarbeitet, einer der spielstärksten und kommunikativsten Keeper zu sein.
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Vor zwei Wochen hat die Times die sieben englischen Torhüter bei Weltmeisterschaften seit 1962 in einer Größentabelle miteinander verglichen. Mit Gordon Banks gewann England den einzigen Titel vor 52 Jahren und Peter Shilton hat bis in die Gegenwart durch seine 125 Einsätze für die Three Lions den Status des Rekordnationalspielers inne. Auch die nachfolgenden David Seaman, David James, Paul Robinson, Robert Green und Joe Hart erlangten Bekanntheit im Weltfußball - allerdings eher wegen ihrer Fehlgriffe. Deshalb kann England momentan ganz gut damit leben, vom derzeitigen Stammtorwart Jordan Pickford kaum etwas gehört zu haben. Denn sonst könnte das ja bedeuten, dass Pickford im Nationaltrikot schon entscheidend daneben gelangt hätte.

Als jüngster Torhüter der englischen WM-Historie steht Pickford mit 24 Jahren stellvertretend für seine Mannschaft, die mit durchschnittlich 20 Länderspielen zu den unerfahrensten im Turnier in Russland gehört. Beim 2:1 zum Auftakt über Tunesien absolvierte der Schlussmann des FC Everton seinen Pflichtspiel-Einstand bei den Three Lions. Die vorherigen drei Einsätze waren allesamt Testbegegnungen.

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Als Arbeitsnachweis im Nationaltrikot dienten sozusagen lediglich 14 abgewehrte Schüsse aufs Tor: vier gegen Deutschland (0:0) im November, sechs gegen die Niederlande (1:0) im März und vier gegen Nigeria (2:1) zu Monatsbeginn. Im Duell mit Tunesien kam einzig ein Elfmeter hinzu, bei dem Pickford die richtige Seite vorausahnte, den Ball aber nicht abwehren konnte. Seine 1,85 Meter an Körperlänge, die ihn nach Shilton zum zweitkleinsten unter allen englischen Torhütern der Geschichte machen, genügten nicht gegen den platzierten Schuss.

Geringe Reichweite? Dafür ist er lebendig, dynamisch und redet viel

Um sich vor den Augen der Welt zu beweisen, muss Pickford wohl auf das finale Gruppenspiel gegen Belgien warten. Doch für den Vergleich mit Panama am Sonntag wird England schon mal ein ungefährdeter Sieg prognostiziert, der das Team um Nationaltrainer Gareth Southgate vorzeitig ins Achtelfinale bringen würde. Wo sie gerade so gut drauf sind im englischen Team - wo sie am Tag nach dem Sieg gegen Tunesien zur Regeneration mit aufblasbaren Einhörnern planschten und der einzige Aufreger ein Foto war, das auf einem Zettel in den Händen von Assistenztrainer Steve Holland die womögliche Startaufstellung ohne Raheem Sterling und den angeschlagenen Dele Alli zeigte - , da wollen sie auch ihren Torhüter nicht zu pessimistisch sehen.

Die geringe Reichweite versucht Pickford mit seiner Lebendigkeit im Tor zu kaschieren. Das lässt ihn dynamisch und zappelig zugleich erscheinen. Auf der Insel hat er sich den Ruf erarbeitet, einer der spielstärksten und kommunikativsten Torhüter zu sein. Mit seinen Fertigkeiten am Ball gestaltet er die Spieleröffnung mit und kann durch zielgerichtete Abschläge mit dem linken Fuß sogar Tore einleiten.

Dieses Können hat Pickford bislang in 69 Einsätzen in der Premier League nachgewiesen, in der abgelaufenen Saison gelangen ihm die meisten Paraden pro Begegnung. Aufsehen gab es um ihn erstmals beim Weggang von seinem Kindheitsklub FC Sunderland im vergangenen Sommer. Die Ablöse von 34 Millionen Euro machte Pickford zum teuersten britischen Torhüter. Mit Everton spielte er in der in der Europa League auf internationalem Niveau.

Bei seinem Aufstieg in der Nationalelf kam Pickford die Konkurrenzsituation zugute: Nach dem Weggang von Manchester City im Sommer 2016 verlor Joe Hart, Englands eigentlicher Stammtorwart, seine Form. Auf Leihbasis bei West Ham United fiel er in dieser Saison überwiegend mit Unsicherheiten auf, ein schwerwiegender Patzer im April kostete den Routinier schließlich die Teilnahme an der WM. Erste Alternative wäre Jack Butland von Absteiger Stoke City gewesen, dessen Torwartspiel jedoch dem von Hart zu sehr ähnelt. Beide sichern den Strafraum eher kraftvoll als geschmeidig ab. Und Southgate favorisierte ohnehin damals schon Pickford, der alle Jugendteams der Three Lions durchlief. Der Trainer, das muss man wissen, wenn man die Aufstellung der Engländer betrachtet, war vorher Coach der U21.

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