Golfer Jon RahmMit göttlicher Sanftmut

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Erhält angeblich eine halbe Milliarde Euro für seinen Wechsel auf die LIV-Tour: der Spanier Jon Rahm.
Erhält angeblich eine halbe Milliarde Euro für seinen Wechsel auf die LIV-Tour: der Spanier Jon Rahm. (Foto: Richard Heathcote/Getty)

Zum zweiten Mal in Serie tritt der Spanier Jon Rahm als Weltranglistenerster bei der Players Championship an. Über einen Spieler, der zu allem fähig ist - und dabei nie seine Wurzeln vergisst.

Von Felix Haselsteiner

Am vergangenen Freitag ist Jon Rahm doch wieder eingekehrt unter die irdischen Golfer. Eine Runde in vier Schlägen über Par spielte er beim Arnold Palmer Invitational-Turnier in Orlando, so etwas hatte man von ihm lange nicht gesehen. Denn drei Monate lang hatte zuvor eine Serie angehalten, die auf den Golf-Grüns fast schon übermenschlich wirkte. 4., 8., 1., 1., 7., 3., 1. - das waren die Platzierungen des Spaniers seit Jahresbeginn. In Orlando hat Rahm nun einen geteilten 39. Platz belegt, was in gewisser Weise aber folgerichtig war: Er spielte wochenlang perfektes Golf, er wirkte nahezu unschlagbar - und kurz vor der Rückkehr in die normalen Sphären wurde er ein wenig übermütig.

Ob er sich denn angesichts seiner Bilanz überhaupt noch mit den besten Spielern der Gegenwart, namentlich Rory McIlroy und Scottie Scheffler, befassen würde, wurde Rahm da gefragt; oder ob es längst nur noch um die Rekorde von Tiger Woods, Jack Nicklaus und Arnold Palmer gehe. Er antwortete erst vorsichtig - er wolle eigentlich nur von Tag zu Tag schauen -, aber die Wahrheit verriet Rahm danach auch noch: "In gewisser Weise: Ja."

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Vergleiche mit Woods, Nicklaus, Palmer werden im Golfsport häufiger gezogen, die ewige Geschichte verkauft sich im Fernsehen fantastisch. Nur: Sich selbst auch nur mit den vorsichtigsten Andeutungen in diese Reihe zu stellen, erzürnt in der Regel, so die Mythologie dieses Sports, die Golfgötter: "Sie demütigen dich dann ein wenig", sagte Rahm. In seiner Karriere verliefen die Dinge allerdings stets so unglaublich gut, dass Vergleiche passend erschienen; das dürfte der Weltranglistenerste inzwischen selbst erkannt haben, der in dieser Woche bei der Players Championship in Ponte Vedra Beach bei einem der wichtigsten Turniere des Jahres bereits um seinen vierten Saisonsieg spielt.

Es ist die Mischung aus seinen bescheidenen Anfängen und seinem märchenhaften Aufstieg, die Rahm zu einem so herausragenden Golfspieler und Charakter machen. Knapp 1500 Menschen leben in seinem Geburtsort Barrika, eine halbe Stunde Autofahrt nördlich von Bilbao im Baskenland. Es war keiner der prestigeträchtigen Klubs des golfbegeisterten Landes, in dem der junge Rahm das Spiel erlernte, sondern eine Abschlagsanlage mit einem Putting-Grün auf einem Betonsockel, das den harten baskischen Winter besser überstand als echtes Gras.

Doch das Baskenland hat im europäischen Golf einen ausgezeichneten Ruf. Keine anderthalb Stunden entfernt von Barrika liegt Pedreña, der Heimatort des Mannes, der in Spanien den Golf-Boom auslöste: Severiano Ballesteros. Seve, im Jahr 2011 an Krebs verstorben, ist eine fast schon mystische Figur des Golfsports, weil er sich aus einfachen nordspanischen Verhältnissen gegen alle Widerstände bis an die Weltspitze vorarbeitete, die zu dieser Zeit bestimmt wurde von reichen Amerikanern und elitären Briten.

Im College in Arizona nannten sie ihn Rahmbo

Dass der Ryder Cup 1997 im Valderrama Club in Südspanien stattfand, war Ballesteros' Verdienst - und damit in gewisser Weise auch ausschlaggebend für Rahms Karriere. "Danach haben alle Freunde meines Vaters ihn überzeugt, dass er mir Golfspielen beibringen muss", erzählte Rahm vor einiger Zeit.

Wie Ballesteros vor ihm wurde der junge Jon schnell zum besten Nachwuchsspieler seines Landes. Im Alter von 19 Jahren wanderte er nach Arizona aus. Dort wurde aus Jon Rahm, Talent aus Spanien, in kurzer Zeit der Vorzeigespieler der Arizona State University mit dem Spitznamen Rahmbo, dem es manchmal schwer fiel, sein Temperament zu zügeln. Trotzdem sammelte er zehn Siege in seiner College-Karriere, wurde der beste Amateurspieler der Welt und gewann zweimal den Ben-Hogan-Award als bester College-Spieler - das hatte vor ihm noch niemand geschafft.

Es ist in gewisser Weise also logisch, dass Rahm nun im Alter von 28 Jahren der beste Spieler der Welt ist. Zum zweiten Mal nacheinander tritt er als Weltranglistenerster an, bei jenem Turnier, das unter den Spielern einen ähnlichen Stellenwert genießt wie die vier Major-Turniere. Rahm erinnerte sich in einer Pressekonferenz daran, wie er bei seinem ersten Besuch mit 22 die Nerven verlor: "Es war eine wilde Zeit damals, ich bin sehr schnell unter die besten zehn der Welt gekommen - auf die Aufmerksamkeit, die man damit bekommt, ist niemand vorbereitet." Rahmbo ist inzwischen ruhiger geworden, hat eine Familie gegründet und nutzt seine Wildheit, wie er sagt, nur noch, um sich auf dem Platz anzuspornen.

Ein Heimatverbundener: Wie sein Landsmann Seve Ballesteros einst und Rory McIlroy heute spielt Jon Rahm meistens in den USA, um sich mit den Besten zu messen (hier in Florida) - und lässt dennoch nie Spanien außer Acht.
Ein Heimatverbundener: Wie sein Landsmann Seve Ballesteros einst und Rory McIlroy heute spielt Jon Rahm meistens in den USA, um sich mit den Besten zu messen (hier in Florida) - und lässt dennoch nie Spanien außer Acht. (Foto: Sam Greenwood/Getty)

Eines hat sich Rahm allerdings beibehalten, ganz in der Tradition von Ballesteros, der sich immer auch als Botschafter des Sports verstand. Wie Ballesteros einst und McIlroy heute spielt Rahm meistens in den USA, um sich mit den Besten zu messen, lässt allerdings nie seine Heimat außer Acht. Die Open de Espana ist eines der normaleren Turniere auf der europäischen DP World Tour, aber ein Fixpunkt in Rahms Kalender. Dreimal hat er in seiner Heimat bereits die Trophäe gewonnen, immer wieder betont er, wie wichtig ihm die Verbindung nach Spanien ist, auch wenn er heute in Arizona lebt.

Ballesteros inspirierte nicht nur sein Heimatland zum Golfspielen, sondern mit seiner Passion für den Ryder Cup ganz Europa. Auch da ist Jon Rahm ihm auf den Spuren: 2018 gewann er als Rookie ein wichtiges Duell gegen Tiger Woods, 2021 war er bei einer Team-Niederlage der erfolgreichste Europäer. Der große Triumph als Anführer fehlt ihm noch. Im Herbst bietet sich in Rom allerdings die nächste Chance, um beim Ryder Cup 2023 weiterhin daran zu arbeiten, Legendenvergleiche realistisch werden zu lassen.

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