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Europa League:Der Wunderknabe ist zu stark für Frankfurt

Joao Felix von Benfica Lissabon beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt

João Felix schoss gegen Frankfurt drei Tore.

(Foto: AFP)
  • Eintracht Frankfurt verliert bei Benfica mit 2:4. Eine frühe rote Karte macht das Spiel für den Bundesligisten schwierig.
  • Überragender Mann bei Benfica ist mit drei Toren der 19-jährige João Felix.
  • Er soll für eine fixe Ablöse von 120 Millionen Euro in ganz Europa begehrt sein - auch der FC Bayern beobachtete ihn.

Von Tobias Schächter, Lissabon

Kevin Trapp war der letzte Spieler von Eintracht Frankfurt, der sich Donnerstagnacht aus dem Kabinentrakt im Estadio da Luz auf den Weg zum Mannschaftsbus machte. Aber Trapp war der erste Frankfurter, der sagte: "Das Ergebnis ist nicht optimal." Mit 2:4 hatte die Eintracht gerade bei Benfica Lissabon das Viertelfinal-Hinspiel in der Europa-League verloren. Es war die erste Niederlage für die Eintracht in dieser Europapokalrunde und die erste Pflichtspielpleite in diesem Kalenderjahr. Vielleicht waren das die Gründe, warum die Frankfurter redeten, als hätten sie gewonnen. Wer den Verantwortlichen und Spielern der Frankfurter nach dem Abpfiff zuhörte, spürte nur Zuversicht und Optimismus, im Heimspiel am kommenden Donnerstag doch noch den Einzug ins Halbfinale zu schaffen. Auch Trapp meinte schließlich, bevor er sich ins Mannschaftshotel verabschiedete: "Ich habe keine Zweifel, dass wir es schaffen können."

Es waren die Umstände der Niederlage, die die Hoffnung in Frankfurt keimen lassen. Rund 70 Minuten musste die Eintracht in Unterzahl agieren, Verteidiger Evan N'Dicka wurde in der 20. Minute nach einem Schubser gegen Benficas Mittelfeldspieler Gedson Fernandes im Strafraum vom Platz gestellt; Benfica ging anschließend durch einen verwandelten Elfmeter von João Felix mit 1:0 in Führung. Nach dem 1:4 in der 53. Minute hatte es dann kurz danach ausgesehen, als gingen die dezimierten Frankfurter in Lissabon episch unter.

Aber das 2:4 des eingewechselten Goncalo Paciencia (72.) hält die Hoffnung der Hessen am Leben, Luka Jovic hatte zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen (40.). Sportdirektor Bruno Hübner lobte die Moral der Mannschaft und spielte gleich nach dem Abpfiff die Ergebnisse durch, die im Rückspiel fürs Weiterkommen reichen könnten: "Wir sind optimistisch, ein 2:0, 3:1 oder ein 4:1 ist möglich." Die Deutung des Geschehens hatte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic vorgegeben, er erklärte via RTL nach dem Abpfiff: "Ich habe meinen Jungs gesagt: 'Die hauen wir weg im Rückspiel'. Der Rasen wird brennen, aber nur der Rasen. Ich bin sehr, sehr zuversichtlich für das Rückspiel."

Die Enttäuschung nicht zulassen, Trotz entwickeln und auf eine brodelnde Heimspielkulisse hoffen - das war die Interpretationslinie der Eintracht. Bobics Vorstandskollege Axel Hellmann meinte nach dem Erlebnis im mit knapp 54 000 Zuschauern gefüllten Estadio da Luz: "Ich habe keinen Hexenkessel gesehen, aber die werden nächste Woche einen Hexenkessel bei uns erleben." Kapitän David Abraham drohte dem Gegner: "Wir werden in Frankfurt zeigen, was Eintracht Frankfurt ist." Und Mittelfeld-Antreiber Sebastian Rode trotzte: "Wir sind optimistisch, die Kampfeslust ist in uns geweckt." Nach dem vierten Gegentor sei es ihm schon in den Sinn gekommen, hier untergehen zu können, gab Rode zu - allerdings nur für einen kurzen Moment: "Es zeichnet uns aus, dass wir immer weiter ackern."

Die Frankfurter glauben fest daran, in einem Spiel Elf gegen Elf Benfica aus dem Wettbewerb zu kegeln - auch Trainer Adi Hütter, der sagte: "Ich bin überzeugt und glaube daran, dass wir Benfica schlagen können. Das war eine tolle Leistung in Unterzahl, die zwei Tore lassen uns alle Chancen offen. Ich erwarte mir einen heißen Tanz in Frankfurt."

Aus der Frankfurter Sicht ist diese gnadenlos optimistische Sichtweise verständlich. Bis zum Platzverweis dominierte die Eintracht, die Mannschaft stemmte sich nach dem 1:4 erfolgreich gegen eine drohende Klatsche und hätte durch Filip Kostic in der 78. Minute sogar fast noch das 3:4 gemacht.

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