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Bundestrainer Löw vor Nordirland-Spiel:Erinnerungen an Südafrika

Am Tag vor dem Spiel gegen die Niederlande ist Löw kurz nostalgisch geworden, die vielen jungen Menschen in seinem Aufgebot haben ihn ein wenig an 2010 erinnert, so sagte er das. Im Sommer 2010 war Löw mit vielen jungen Menschen zur WM nach Südafrika gereist, wo die DFB-Elf zu einer Art länderübergreifenden Lieblingsmannschaft wurde.

Sie stand für die Integration von Migrationshintergrundfußballern wie Khedira, Özil und Boateng, und sie stand für einen rockigen Konterfußball, den man von einer deutschen Elf lange nicht mehr gesehen hatte. Aus dem Sommer 2010 entwickelte sich jener Weltmeister-Zyklus, in dessen Verlauf die DFB-Elf immer besser und dominanter wurde und dementsprechend immer weniger konterte - und nun, da dieser Zyklus zu Ende ist, hofft der Bundestrainer beim Neubeginn in seiner eigenen Vita fündig zu werden.

Löw will, dass es im Jahr 2020 wieder 2010 ist. Er will mit seinen vielen jungen Menschen wieder einen direkten und uneitlen Fußball spielen, der sich markant unterscheiden soll vom saturierten Pseudo-Dominanzgehabe, mit dem seine Weltmeister im vorigen Sommer bei der WM in Russland aus der Zeit gefallen sind. Löws Wunsch ist schwer in Ordnung, aber das 2:4 von Hamburg hat ihm auch die Unterschiede zu 2010 vor Augen geführt.

Zwar starteten Müller, Khedira, Boateng oder Neuer damals auch nur mit einer Handvoll Länderspielen ins Turnier, aber sie wurden getragen von der Generation "60 Länderspiele plus", von Vollprofis wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Per Mertesacker und sogar Lukas Podolski, die alle wussten, wie ein Turnier funktioniert. Löws aktuelle Achse besteht dagegen aus Manuel Neuer und Toni Kroos - die Klasse der Rest-Mannschaft ist zwar erkennbar, aber noch sehr unzuverlässig.

Löws neue Nationalelf hat hohes Potenzial, aber sie ist in etwa so fertig wie der Berliner Flughafen. Das heißt auch, dass Löw nun mehr gefordert ist, als ihm lieb sein kann: Er muss für diese Elf einen neuen, tauglichen Spielstil finden, er muss sie enger führen, und er muss auch im Spiel aktiver coachen, als das für gewöhnlich seine Art ist. Ein neuer Zyklus, das weiß Jogi Löw spätestens seit diesem 2:4, beginnt nicht von selbst.

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