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SZ-Serie "Die besten Sportfilme", Platz 11:"Show me the Money"

Jerry Maguire - Spiel des Lebens - Serie Die besten Sportfilme

Cuba Gooding jr. (li.) und Tom Cruise glänzen in ihren Rollen in "Jerry Maguire - Spiel des Lebens".

(Foto: Sat.1/OBS)

Der Film "Jerry Maguire" mischt gekonnt Heldensage und Liebesfilm, verliert dabei aber nicht die unsentimentale Spielerberater-Branche aus dem Auge. Vor allem liefert er aber einige der schönsten Momente der Filmgeschichte.

Von Jürgen Schmieder

Sportfilme haben es von Natur aus schwer: Der geneigte Sportfan erkennt sofort, dass selbst begnadete Schauspieler nicht zwingend Topathleten sind und Topathleten noch seltener begnadete Darsteller. Doch in den vergangenen Jahren ist die Auswahl gelungener Filme immer größer geworden: Die SZ-Sportredaktion stellt 22 von ihnen vor und kürt damit die - höchst subjektiven - 22 besten. Diesmal Platz 11 - "Jerry Maguire - Spiel des Lebens".

Natürlich geht es ums Geld in dieser Szene - worum auch sonst, wenn der Football-Star seinen Berater auffordert, doch bitteschön "Show me the Money" ins Telefon zu brüllen (oder in der ansonsten eher schrecklichen deutschen Synchronisation: "Führ' mich zum Schotter!"). Es geht jedoch um viel mehr, in dieser Szene wie im kompletten Film "Jerry Maguire": Es geht darum, was dieses Geld repräsentiert, und deshalb geht es um Treue, Respekt und Anerkennung.

Der gleichnamige Protagonist wird von Tom Cruise so angelegt, wie der seine Rollen damals stets anlegte: der arrogante Typ, dem die Natur statt eines Herzens einen Eisblock eingesetzt hat, stürzt von seinem hohen Ross, zieht als Geläuterter hinaus in die Welt, erlebt Abenteuer und gewinnt das Herz der Holden. Im konkreten Fall fragt sich der Spielerberater Jerry auf der Höhe seines Erfolgs, worum es eigentlich in seinem Gewerbe geht, was aus Spaß, Kreativität und der Sorge um die Klienten geworden ist. Er verfasst ein Mantra über die Rückkehr zu den Wurzeln und wird kurz darauf entlassen - der Profisport kann nun wahrlich keine Idealisten gebrauchen.

Die Geschichte beruht lose auf einer wahren Begebenheit: 1990 veröffentlichte der damalige Disney-Studios-Chef Jeffrey Katzenberg ein Statement, in dem er sich darüber beschwerte, dass die Filmbranche vor lauter Geldgier vergessen habe, kreative Filme zu produzieren. Mittlerweile wird das Vermögen von Katzenberg auf 750 Millionen Dollar geschätzt, er hat bald nach der abrupt beendeten Zeit bei Disney (von denen er 250 Millionen Dollar Abfindung kassierte) mit Steven Spielberg und David Geffen die Produktionsfirma Dreamworks gegründet und gerade mit der einstigen Ebay-Chefin Meg Whitman das Streamingportal Quibi gestartet.

"Jerry Maguire" ist einer der ersten Hinweise, dass Sport letztlich nur noch eine Sparte der Unterhaltungsbrache ist.

Cuba Gooding jr. hat für seine Darstellung völlig zu recht einen Oscar bekommen

Maguire gründet eine eigene Agentur und nimmt nach der Dolchstoß-Absage seines wichtigsten Klienten nur zwei Leute mit: die Assistentin Dorothy, die sich in Maguire verliebt und von Renée Zellweger derart hinreißend verkörpert wird, dass danach jeder Zuschauer weiß, dass nicht nur der Profisport ganz dringend ein paar Idealisten gebrauchen kann. Und den ebenso charismatischen wie nervigen Footballspieler Rod Tidwell, der stellvertretend für alles steht, was an diesem Profisport so grandios und gleichzeitig verwerflich ist: der talentierte Star, der seine Leistungen noch immer nicht gewürdigt sieht. Er will "Kwan", diese einzigartige Mischung aus Reichtum, Ruhm und Geliebtwerden.

Cuba Gooding jr. brüllt und tanzt, lässt unfassbare Sprüche aus seinem Mund plumpsen (über einen Verzicht auf Handtücher zum Beispiel: "Ich bin luftgetrocknet.") und wurde für diese wahnwitzige Darstellung eines egomanischen und deshalb so unterhaltsamen Profisportlers völlig zurecht mit dem Oscar bedacht. Er glänzt neben Zellweger und Cruise, die gemeinsam diese Chemie entwickeln, die nur noch selten auf einer Leinwand zu bestaunen ist.

Cameron Crowe gelingt eine bezaubernde Mischung aus Heldensage und Liebesfilm, der es gelingt, bei allen wahnwitzigen Momenten einen unsentimentalen Blick auf diese Branche und den Sinn einer ordentlichen Midlife Crisis zu werfen - vor allem aber liefert er einige der schönsten Momente der Filmgeschichte. Zum Beispiel den, als der Held vom Abenteuer in die Stille zurückkehrt und die Holde mit großen und doch leeren Worten zurückgewinnen will. Sie antwortet ihm, dass er doch bitteschön die Klappe halten möge, weil es oft reicht, einfach nur da zu sein. Das ist mehr wert als alles Geld der Welt. Sie sagt: "You had me at 'Hello'."

"Jerry Maguire - Spiel des Lebens", 1996, Regie Cameron Crowe

Bereits erschienene Rezensionen:

Platz 22: "Free Solo"

Platz 21: "Rush"

Platz 20: "Die nackte Kanone"

Platz 19: "Slap Shot"

Platz 18: "Foxcatcher"

Platz 17: "The Wrestler"

Platz 16: "Nowitzki. Der perfekte Wurf"

Platz 15: "Le Grand Bleu"

Platz 14: "White Men Can't Jump"

Platz 13: "I, Tonya"

Platz 12: "Battle of the Sexes"

© SZ.de/tbr
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