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HSV-Stürmer:Das Rätsel Jatta

DFB Cup - First Round - Chemnitzer FC v Hamburger SV

Kann derzeit nicht einfach nur Fußball spielen: Bakery Jatta vom HSV.

(Foto: REUTERS)
  • Zwei Klubs haben bereits Proteste gegen Niederlagen gegen den Hamburger SV eingereicht - weil es Zweifel an der Identität des HSV-Profis Bakery Jatta gibt.
  • Doch wie könnten Sportverbände Strafen oder Sperren aussprechen, solange staatliche Stellen dem Geflüchteten Jatta nichts vorzuwerfen haben?
  • Der Fall droht die deutsche Sportgerichtsbarkeit zu überfordern.

"Ich hätte an Stelle des HSV den Spieler nicht mehr eingesetzt", sagt Christof Wieschemann, Bochumer Rechtsanwalt. "Aus formalen Gründen. Bis zur Aufklärung." Er meint spätestens den 1:0-Sieg des Hamburger SV am vergangenen Freitag gegen den VfL Bochum, und er meint den HSV-Profi Bakery Jatta, der mitgespielt hat, obwohl die Zweifel an seiner Identität noch nicht geklärt sind.

Vor zwei Wochen hatte zunächst die Zeitschrift Sport Bild den Verdacht geäußert, dass der Stürmer aus Gambia eigentlich Bakary Daffeh heiße und nicht 21, sondern 23 Jahre alt sei. Das Blatt stützte sich dabei unter anderem auf Aussagen zweier früherer Trainer sowie auf Fotos. Seitdem wird recherchiert und gestritten. Inzwischen wächst sich das Rätsel Jatta zu einem Präzedenzfall aus, der den DFB und seinen Ligaverband DFL möglicherweise überfordert.

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Erst legte der 1. FC Nürnberg Protest gegen die 0:4-Niederlage am 5. August ein, wegen Jatta. Nun folgte wegen Jattas Einsatz ein Einspruch des VfL Bochum gegen die Wertung des verlorenen Zweitligamatches im Volksparkstadion. Auch der Karlsruher SC scheint über Konsequenzen nachzudenken, falls Jatta aufläuft, der KSC empfängt am Sonntag den Tabellenführer HSV. Die Fragen lauten nun: Was könnte bei den Manövern herauskommen? Und wer soll in letzter Instanz entscheiden?

"Eine ganz schwierige Situation"

Der VfL Bochum begründet seine Vorstoß mit "Fristwahrung" und "Verantwortung für die Mannschaft und das Vereinswohl" - "im Hinblick auf die nach wie vor ungeklärte Situation um die Spielberechtigung des HSV-Spielers Bakery Jatta". Tatsächlich muss laut DFB-Reglement zeitnah protestiert werden, wenn ein Klub das für richtig hält, allerdings ist der Kläger beweispflichtig. Das heißt, der 1. FC Nürnberg oder der VfL Bochum müssten nachweisen, dass Jatta ein anderer ist, so was gab es im deutschen Fußball noch nie.

Würde das DFB-Sportgericht dann zu dem Schluss kommen, dass tatsächlich Betrug vorliegt und Jatta nicht hätte spielen dürfen, dann müssten die Partien jeweils 0:2 gegen den HSV gewertet werden. Der Sportrechtler Wieschemann hält die Einsprüche anders als der HSV und viele Fans für verständlich und rät dazu, die Emotionen aus der Diskussion heraus zu nehmen. "Eine ganz schwierige Situation", sagt Anton Nachreiner, Präsident des Landgerichts Deggendorf und Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses. Der DFB allein könne das Dilemma kaum auflösen: "Wir sind hier vom Staat abhängig."

Am vergangenen Donnerstag hatte der DFB-Kontrollausschuss Bakery Jatta zwar zu einer vertraulichen Anhörung nach Frankfurt gebeten, Jatta kam mit HSV-Vorstand, Sportchef, Justiziar, Anwalt und Berater. Es gebe bisher aber nur Vorermittlungen, kein Verfahren, so Nachreiner zur SZ. Offiziell sind alle Papiere Jattas gültig. Pass, Aufenthaltsgenehmigung, Spielberechtigung. DFB und DFL schrieben kürzlich dies: "Da es bisher keinen Beweis für eine falsche Identität des Spielers gibt, behält die Spielberechtigung für Bakery Jatta, geboren am 6. Juni 1998, aktuell ihre Gültigkeit."