Fußball Kluger Kopf besucht großes Herz

Marcell Jansen, 33, spielte 45 Mal für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Im Alter von 29 Jahren beendete er seine Profikarriere. Seit Februar sitzt er im Aufsichtsrat des HSV.

(Foto: Marcus Brandt/dpa)
  • Marcell Jansen will sich um den Posten des Präsidenten beim Hamburger SV e.V. bewerben.
  • Im Aufsichtsrat sitzt der frühere Nationalspieler bereits, der mit 29 Jahren seine Karriere beendet hat.
  • Für den HSV kickt er allerdings noch, für die dritte Mannschaft in der Landesliga.
Von Benedikt Warmbrunn

Um zu verstehen, warum Marcell Jansen sich nun einer neuen Herausforderung stellt, reicht ein Blick auf seine Hüfte. Dort hat sich der frühere Fußball-Nationalspieler sein Lebensmotto stechen lassen, verfasst von ihm selbst. Es ist ein langes Motto, es ist auch ein bisschen sperrig, aber recht bald kommt das Herz vor, und das Herz rettet ja viel, gerade im modernen Fußball.

Auf Jansens Hüfte also steht geschrieben: "Der Kopf will vom Herzen und das Herz vom Kopf nichts wissen. Wenn wir je Aussicht auf eine Zukunft schaffen wollen, werden sich die klugen Köpfe und die großen Herzen besuchen müssen. Noch sind wir einander so fremd, dass wir uns vermissen." Es ist ein Lebensmotto, das hervorragend passt zur nächsten Herausforderung, der sich Marcell Jansen in seinem noch jungen Leben stellt: Er will ehrenamtlicher Präsident des Hamburger SV e.V. werden.

Die Vermutung, dass der 33-Jährige kandidieren wird, gibt es schon seit Längerem. Am Dienstag soll er sich und seine Pläne dem Beirat des Vereins präsentiert haben; der Beirat bestimmt, welche Kandidatur überhaupt zugelassen wird. Am Donnerstagnachmittag meldete dann der Radiosender NDR 90,3, dass Jansen sich um den Posten bewirbt. Am 30. November endet die Bewerbungsfrist, am 17. Dezember will der Beirat die Kandidaten bekanntgeben. Gewählt wird am 19. Januar 2019 auf der Mitgliederversammlung des Zweitligisten.

Nach dem Fußball hat Jansen Karriere als Unternehmer gemacht

Dass Jansen bei einem Verein, bei dem sich in den vergangenen Jahren selten die klugen Köpfe und die großen Herzen besucht haben, keine schlechten Aussichten auf das Amt des Präsidenten hat, liegt daran, dass er selbst nachgewiesen hat, dass er über die Hauptzutaten seines Mottos verfügt. Als er im zarten Fußballeralter von 29 Jahren seine Karriere beendete, begründete er dies damit, dass er nicht für irgendeinen Verein spielen wolle, nach einer Karriere für Borussia Mönchengladbach, den FC Bayern und eben den HSV. Er hat dann als Unternehmer Karriere gemacht, hat Sanitätshäuser eröffnet, sich an einem Start-up für Sportklamotten beteiligt, ein Restaurant am Flughafen Köln-Bonn eröffnet. Seit Februar ist er zudem Mitglied des Aufsichtsrats des HSV.

Und er spielt nach wie vor Fußball. Nicht für irgendeinen Verein. Sondern für die dritte Mannschaft des HSV, in der Hamburger Landesliga. Dort also, wo ein großes Herz noch viel bewegen kann.

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