Bayern-Profi James Rodríguez Bleibt er oder geht er?

Hochbeglückt im Münchner Regen: Bayern-Profi James Rodríguez.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Mit drei Toren gegen Mainz deutet James Rodríguez seinen hohen Wert für den FC Bayern an.
  • Im Sommer könnten die Münchner den bisher ausgeliehenen Kolumbianer von Real Madrid kaufen.
  • "Schlussendlich muss der Trainer uns sagen, was er will", sagt Bayern-Präsident Uli Hoeneß.
Aus dem Stadion von Matthias Schmid

James Rodríguez trug eine Tüte mit dem Logo der Champions League spazieren, als er sich am Sonntagabend auf den Weg nach Hause machte. Man hätte nur zu gerne erfahren, was drinsteckte, nachdem die Bayern nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Liverpool nicht mehr Teil dieses wichtigsten europäischen Klubwettbewerbs sind. James jedenfalls war nach dem 6:0-Sieg über den FSV Mainz 05 hochbeglückt, er hatte am Sonntagabend zwanzig Minuten eher Feierabend machen dürfen, weil er mit drei Toren entscheidenden Anteil an dem mühelosen Sieg hatte, mit dem die Bayern ihr Torverhältnis im Vergleich mit den punktgleichen Dortmundern nochmals verbesserten.

Als der Kolumbianer vom Feld trottete, hatte sich das gesamte Stadion erhoben und ihm bewundert im Stehen applaudiert, James genoss die Ovationen und drehte wie ein Kind an seinem Geburtstag entzückt noch eine Pirouette, bevor er Rafinha abklatschte, der für ihn reinkam. James hat schon einige gute Spiele für den FC Bayern gemacht, aber so geschmeidig und präsent war er selten zuvor, nicht nur wegen seiner drei Treffer. "Ich fühle mich sehr wohl hier", übersetzte der Dolmetscher für ihn, nachdem er auf Spanisch die Antwort gegeben hatte.

Aber die Frage, die er erneut nicht beantwortete, die sich aber alle stellen, ist: Bleibt James, oder bleibt er nicht? Zieht es ihn zu Real Madrid zurück, wo er noch gültige Arbeitspapiere bis 2021 besitzt? Oder spielt er weiter in München? 42 Millionen Euro müssten die Bayern im Sommer an Madrid überweisen. Es gab in jüngster Zeit gewisse Entwicklungen, vor allem ist Zinédine Zidane nun wieder Trainer bei Real. Zidane war einst der Grund, warum der Kolumbianer überhaupt per Leihgeschäft für zwei Jahre zum FC Bayern kam, weil der Franzose ihn mied. James sehnte sich nach seinem alten Förderer Carlo Ancelotti, der damals noch Trainer in München war und der ihn als Real-Coach im Gegensatz zu Zidane spielen ließ.

Dürfte die Sache dann nicht klar sein? "No, no", entgegnete James, es sei noch überhaupt nichts entschieden. Nach der Saison will er sich zusammensetzen und sich um seine Zukunft Gedanken machen. "Jetzt stehen ja noch wichtige Spiele an", bestätigte er nur.

"Im Großen und Ganzen ist das ein großartiger Fußballer", lobte Uli Hoeneß James nach dem Spiel, "er hat sehr gut gespielt." Ob James über die Saison hinaus weiter das Bayern-Trikot trägt, darüber wollte der Klub-Präsident nicht spekulieren. "Schlussendlich muss der Trainer uns sagen, was er will."

Niko Kovac hielt sich aber zurück, als es darum ging, die Darbietung von James einzuordnen. "Es freut mich für ihn, dass er drei Tore erzielt hat", befand der Bayern-Trainer im Anschluss bei Sky. Er mache das gut. Mehr wolle er aber nicht sagen. Kovac wollte die Frage nicht beantworten, ob er ihn gerne weiter im Kader haben möchte oder nicht. Das Verhältnis der beiden galt lange Zeit als schwierig. Aber vielleicht ist Kovac auch nur abergläubisch und will James nicht einfach überschwänglich loben, das ließ er zumindest anklingen, als er kundtat: "Ich möchte nicht, dass es zu einem Spannungsabfall kommt."

"Er ist ein wahnsinnsguter Typ", sagt Niklas Süle über James

Niklas Süle jedenfalls wünscht sich, dass James sein Teamkollege bleibt. "Er ist ein wahnsinnsguter Typ und sein linker Fuß ist einmalig". Sein erstaunliches Repertoire hatte James am Sonntag gegen Mainz offengelegt, er forderte die Bälle und verarbeitete sie mit Noblesse eines Oberkellners im Grand-Hotel. Nachdem sein erstes Tor noch ein trockener Schuss war, waren die anderen schon von sehr viel komplexerer Bauart. Beim zweiten Treffer zum 4:0 lief er wie weiland Arjen Robben quer am Strafraum entlang, den Ball eng am Fuß wie ein sechster Zeh, er lief, täuschte einen Schuss an, lief weiter und schlenzte ihn schließlich ins lange Eck. Ein Traumtor.

James wollte sich anschließend aber nicht in den Vordergrund schieben. "Die drei Tore waren eher nebensächlich", sagte er bescheiden. "Es war vor allem eine positive Mannschaftsleistung." Und sein Verhältnis zu Niko Kovac, das er vor nicht allzu langer Zeit schlicht als "professionell" beschrieb? Sehr menschlich. "Mit ihm können wir Titel gewinnen", sagte er. Dann schlenderte James Rodríguez leichtfüßig davon, mit der Champions-League-Tüte in der Hand.

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