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Jamaika bei Olympischen Winterspielen:Nach einer Art Best-of Bob-Crashs gehen 20 Bewerber

Maloney und Fitch wurden vorstellig bei der jamaikanischen Armee. Sie machten den Militärs klar, welche Vorteile, welche Werbewirkung Leistungssport habe, und orderten eine 30 Mann starke Auswahl an schnellkräftigen Kandidaten. Einer war Stokes, der bald engagiert wurde. Als Helikopterpilot, der sich im Raum orientieren konnte, empfahl er sich quasi von selbst für die Position des Lenkers.

Stokes sagt heute, die Welt sei nun mal voller Klischees, und keines stimme. "Dass alle Jamaikaner nur in der Sonne faulenzen, Bob Marley hören und sich eine schöne Zeit machen, ist genau so ein Blödsinn wie die Meinung, dass alle Deutschen den ganzen Tag arbeiten und nie lachen", sagt er, wobei er mit Daumen und Zeigefinger seine Mundwinkel herunterzieht.

Die Arbeit begann sogleich. Maloney, Fitch, Stokes und die anderen zimmerten sich behelfsmäßige Anschiebeschlitten und trainierten in der Kaserne von Kingston auf Beton, wie man zu zweit oder zu viert schnellstmöglich einen Schlitten über 30 bis 50 Meter schiebt. So lange ist die Startstrecke, auf die beim Bobsport alles ankommt. Wer zu Beginn zu weit zurückliegt, der kann noch so gut lenken, er holt gegen gute Gegner nicht mehr auf, er hat ja keinen Motor, sondern nur die Erdanziehung, die das Tempo vervielfacht und aus einem halben Zehntel Vorsprung unten eine beachtliche Distanz schafft.

Jamaikas Amateure schoben und schoben, immer wieder diese knapp sechs Sekunden. Eine Vorauswahl in mentaler Sache hatte die 40-köpfige Bewerberschar schon reduziert - ganz ohne Rivalenkämpfe. Fitch hatte zu einem Filmeabend geladen, zeigte eine Art Best-of Bob-Crashs, am nächsten Tag waren es nur noch 20. Und nach den Beton-Trials blieben vier übrig: Hauptmann Stokes, Leutnant Devon Harris, Schütze Michael White und der Zivile Samuel Clayton.

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