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Unfall von Radprofi Jakobsen:Keiner vertritt die Anliegen der Fahrer

Dabei kommt es schon so oft zu schweren und tödlichen Unfällen, wenn Pedaleure mit bis zu 100 Sachen auf schmalen Reifen enge Passstraßen hinabdonnern. Erst ein Aufschrei im Peloton verhinderte die Umsetzung. Bei der Polen-Rundfahrt hielten die Fahrer vor der ersten Etappe am Mittwoch noch eine Schweigeminute für den Belgier Bjorg Lambrecht ab: Er war im Vorjahr auf regennasser Straße gegen eine Betonkonstruktion geprallt und gestorben.

Viele dieser Vorfälle illustrieren auch, dass im Radsport bis heute viele Interessensgruppen unterwegs sind, aber keine, die die Anliegen der Fahrer nachhaltig vertritt. Die Teams haben sich in zwei verschiedenen Gremien - der AIGCP und Velon - organisiert, die Profis in der kaum hörbaren CPA, die als einzige vom Weltverband UCI anerkannt wird. Viele Fahrer hatten die CPA zuletzt wieder massiv kritisiert; deren Wahlrecht verlangt etwa, dass manche Profis persönlich bei Abstimmungen erscheinen müssen - was sie aufgrund ihrer sportiven Verpflichtungen kaum schaffen.

So setzen sich oft einzelne Verbände und Funktionäre durch, die wiederum auf Vertreter mit unterschiedlichen Interessen prallen: auf Veranstalter von kleineren und mittlerer Rennen bis zur mächtigen UCI und dem Tour-Ausrichter ASO. "Jeder versucht, das ohnehin kleiner werdende Stück Kuchen zu nehmen", hatte ein Szenekenner schon vor Jahren im Gespräch gesagt, "und es gegen das Interesse der anderen zu verteidigen."

Der Bergabsprint in Kattowitz war seit Jahren Teil der Polen-Rundfahrt, bislang waren die Ankünfte immer glimpflich verlaufen - trotz Topgeschwindigkeiten von 105 Kilometern pro Stunde, die der Deutsche Pascal Ackermann vor zwei Jahren laut eigener Auskunft erreichte. Viele Fahrer hatten das Vabanquespiel auch deshalb kritisiert. Erst Jakobsens Sturz wird nun vermutlich ein Umdenken erzwingen - es käme zu einem viel zu hohen Preis.

© SZ vom 07.08.2020/jbe
A rescue helicopter is seen on the site where Dutch cyclists Fabio Jakobsen and Dylan Groenewegen crashed in Katowice

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