40 Jahre Bundesliga "Ich könnte heulen"

Die Bundesliga feiert 40 Jahre und Gerd Müller als ihren Besten.

In den Momenten, in denen Gerd Müller ins Rampenlicht musste, fehlten ihm häufig die Worte. In der Nacht zum Sonntag hat er sich inmitten eines Kreises aus Fotografen im Blitzlichtgewitter immer wieder um die eigene Achse gedreht und einen goldenen Fußballschuh in die Objektive gehalten. Gesagt hat er dabei nichts, und als ihn die Reporter hinterher interviewt haben, ist ihm auch das wieder spürbar unangenehm gewesen.

Der Fußballer Gerd Müller, der sich am allerbesten auf dem Platz ausdrücken konnte, ist am Samstagabend in Köln als der herausragende Fußballer der 40-jährigen Bundesliga-Geschichte ausgezeichnet worden. Im Rahmen der offiziellen Geburtstagsfeier haben ihn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als besten Spieler auserkoren. Sie haben ihm jenen Fußballschuh vergoldet und überreicht, mit dem er Deutschland 1974 zum Weltmeister-Titel geschossen hat, und sie haben ihn darüber hinaus für das ausgezeichnet, was er zwischen 1965 und 1979 am liebsten und deutlich erfolgreicher als jeder andere Stürmer-Konkurrent getan hat, nämlich Tore schießen und damit Bundesliga-Geschichte schreiben.

365 Treffer hat der heute 57-Jährige in seinen 427 Ligaspielen für den FC Bayern München erzielt. Eine Rekordmarke, die vielleicht kein Spieler jemals mehr erreichen wird. "Weil es heute ja auch viel schwieriger ist", sagt Gerd Müller.

Den Roten Teppich des deutschen Fußballs haben sie am Samstagabend ausgerollt. Er war 30 Meter lang und lag vor einer Veranstaltungshalle im Kölner Stadtteil Ossendorf. Darüber hinweg schritten die Protagonisten aus 40 Jahren Bundesliga wie in einem lebendigen Panoptikum deutscher Fußballgeschichte. Drinnen im Saal durften sie teilhaben an einem vierstündigen Programm, das zwei seiner Höhepunkte erlebte, als der Bundeskanzler Gerhard Schröder dem DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder eine alte Kokosnuss zuwarf, die sich als antiker Fußball entpuppte - und als Mayer-Vorfelder auf die Frage des Moderators Reinhold Beckmann nach dem erfolgreichsten ausländischen Torjäger der ersten Bundesliga-Saison antwortete: "Bruno Pezzey". Der österreichische Libero war 1963 allerdings gerade mal acht Jahre alt.

Ungeachtet dessen waren die 800 Gäste aus Sport und Show überwiegend angetan vom bunten Programm und besonders natürlich vom Anlass dieser historischen Feierstunde. Nie zuvor hatte sich die Bundesliga in so gewaltigem Rahmen selbst zelebriert. "Das ist für mich wie ein Klassentreffen", sagte Günter Netzer, der mit vielen alten Bekannten plauderte und sich in diversen Interviews über die "tolle Entwicklung der Bundesliga" vor allem deshalb freute, "weil damit Gelder herangeschafft worden sind, wie man es gar nicht für möglich gehalten hätte". Netzer, ganz nebenbei, ist Teilhaber der Schweizer Agentur Infront, welche die Bundesliga-Fernsehrechte verkauft. So passt eines zum anderen. Der Bayer-Sportbeauftragte Meinolf Sprink aus Leverkusen schoss gut gelaunt mit den zur Tischdekoration ausgelegten Tipp-Kick-Männchen auf seinen Nachbarn Ulf Kirsten, während auf der Bühne die Rockveteranen von "Extrabreit" ein Fußballlied und die "No Angels" ihre Hits zum besten gaben. Zwischendurch liefen immer wieder historische Fußballbilder über die Leinwand, unterlegt von ergreifender Musik wie aus einem Hollywoodschinken.

Dem Anlass würdig war die Feier schließlich zu vorgerückter Stunde, als der junge Gerd Müller zu Tschaikowskys Klavierkonzert Nummer eins über die Leinwand tänzelte und danach im Hier und Jetzt ganz gerührt seine Auszeichnung entgegen nahm. "Ich könnte heulen", sagte Müller mit dünner Stimme, bevor er hinaus trat ins Foyer zu den Fotografen und zu den Reportern, seinen goldenen Fußballschuh mit beiden Händen fest umklammert.

"Am schönsten", hat er dann in einem der unzähligen Interviews weit nach Mitternacht noch gesagt, als sie ihn nach seiner liebsten Erinnerung aus 40 Jahren Bundesliga befragt haben, "am schönsten war halt doch die Weltmeisterschaft."

Ulrich Hartmann