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Italiens Mario Balotelli im EM-Finale:Die anderen vergeben die Chancen

Dabei hatte er in den ersten 45 Minuten bis auf einen Schuss aus weiter Entfernung keine nennenswerte Aktion gehabt, hatte sich aufgerieben im Duell mit den ebenfalls kräftigen Sergio Ramos und Gerard Piqué. Die Spanier hatten sich besonders auf Balotelli eingestellt, erwarteten ihn stets mit zwei oder gar drei Verteidigern. Davon profitierten zwar zunächst dessen Nebenleute Antonio Cassano und Antonio Di Natale, doch die vergaben die Chancen, die Mario Balotelli wohl genutzt hätte.

Immerhin musste sich trotz des frustrierenden Spielverlaufs niemand in Kiew sorgen, dass Balotelli einen seiner gefürchteten Ausraster haben könnte. Der Stürmer mit dem gefärbten Irokesenschnitt hat sich vielleicht niemals wohler in einer Mannschaft gefühlt wie in dieser Squadra Azzurra mit dem Trainer Cesare Prandelli. Als die Italiener lange vor Spielbeginn auf den Platz gekommen waren zur Rasenbesichtigung, war Mario Balotelli zu den wenigen bereits anwesenden Fans gegangen und hatte sich locker mit ihnen unterhalten. Die Leute sahen ihn ehrfürchtig an.

Balotelli setzte sich neben Prandelli auf die Ersatzbank, ihr lässiger, ungezwungener Umgang miteinander erinnerte an Vater und Sohn, Prandelli gab Balotelli einen liebevollen Klaps auf die Schulter. Der Trainer hatte ihn immer gegen alle Vorbehalte in Schutz genommen. "Ich habe keine Probleme mit ihm", hatte er im Turnier gesagt. Prandelli bemerkte stattdessen, dass sich Balotelli stark verändert habe, seit er Teil dieser Mannschaft sei.

In ihr wurde er zu einem der stärksten Stürmer des Turniers. Und zu einem fast freundlichen jungen Mann. Als er in der zweiten Halbzeit den Spanier Álvaro Arbeloa im Zweikampf niederstreckte, forderte er fair die Unterbrechung des Spiels und entschuldigte sich.

Mario Balotelli gab sich bis zum Ende hin Mühe, selbst als das Unterfangen durch die frühe Unterzahl seines Teams hoffnungslos wurde. Er war Teil einer italienischen Truppe, die ein grandioses Turnier absolviert hatte. Aber auch er musste im Finale einsehen, dass nicht einmal eine muskelbepackte Statue gegen diese spanische Generation etwas ausrichten kann.