Fußball Die jüngste Squadra Azzura seit langem

Coach Roberto Mancini und seine Spieler beim Training.

(Foto: AP)
  • Italiens Nationalmannschaft startet an diesem Samstag gegen Finnland stark verjüngt in die EM-Qualifikation.
  • Doch den Spielern fehlt es, mit Ausnahme der zurzeit verletzten Lorenzo Insigne (SSC Neapel) und Federico Chiesa (AC Florenz), an Instinkt und Kreativität.
  • Für das Match gegen die Finnen hat Trainer Roberto Mancini mit Angreifer Fabio Quagliarella einen alten Fuchs berufen.
Von Birgit Schönau, Rom

Die Squadra Azzurra ist neu eingekleidet, und die Anzüge sitzen wie angegossen. Kein Wunder, der Schneider ist für seine Jackets weltberühmt, er heißt Giorgio Armani. Neben den großen Azzurri hat er auch Italiens U21 und die Frauen-Nationalmannschaft angezogen, wobei le Azzurre im Moment eindeutig die beste Figur abgeben - sie haben sich für die Frauen-WM im Sommer qualifiziert. Wenn Kleider Leute machen, dann lautet die Botschaft der Männer vor ihrem ersten EM-Qualifikationsspiel an diesem Samstag in Udine gleichwohl: Italien ist wieder da! Das mit der verpatzten WM 2018 ist Vergangenheit - und beim Eröffnungsspiel der EM 2020 im römischen Stadio Olimpico wird Italien auf jeden Fall dabei sein.

"Elegant sind wir ja jetzt schon", sagt Nationaltrainer Roberto Mancini, "nun müssen wir nur noch gewinnen."

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In der Gruppe des DFB-Teams starten die Niederländer mit einem 4:0-Erfolg gegen Weißrussland. Hoffenheims Andrej Kramaric bewahrt Kroatien vor einem Fehlstart gegen Aserbaidschan.

Mancini, 54, war in seiner aktiven Zeit tatsächlich für beides berühmt, für die Eleganz seines Spiels und für die Effizienz. Als Trainer hat er sein Talent bei Großklubs wie Inter Mailand, Manchester City, Galatasaray und St. Petersburg bewiesen, bevor er im vergangenen Mai bei der Nationalmannschaft anfing. Für ein Nettogehalt von 2,5 Millionen Euro jährlich übrigens, nur Antonio Conte verdiente mehr, das allerdings deutlich: 4,5 Millionen, zum großen Teil bezahlt von einem Sponsor. Drittmittel für den Coach zu holen, ist im Moment etwas schwierig für die Italiener, dennoch kann man nicht zuletzt an Mancinis Gehalt ablesen, wie ernst es dem Verband ist mit dem Neuanfang. Mancini muss man sich erst mal leisten können und wollen, genauso wie Giorgio Armani.

Neuanfang, das Zauberwort! Italiener sind Spezialisten darin, nicht von ungefähr wurde hier die Renaissance erfunden. Allerdings wurde der Neuanfang und die ihm vorausgehende "Stunde Null" (war auch mal ein neorealistischer Filmtitel, Italien ist auch das Land des Neo) seit dem bisher letzten WM-Titel 2006 eindeutig zu oft beschworen. Seither bestritten die Azzurri zwar ordentliche Europameisterschaften, die Weltmeisterschaften aber waren Desaster: 2010 Vorrunden-Aus, 2014 Vorrunden-Aus, 2018 erst gar nicht qualifiziert.

Die verantwortlichen Nationaltrainer Marcello Lippi, Cesare Prandelli und Giampiero Ventura traten allesamt prompt zurück, wobei man letzteren erst gar nicht hätte verpflichten dürfen. Auch die zuständigen Verbandspräsidenten mussten gehen. Da wurde also anders Tabula rasa gemacht als in Deutschland, wo statt der Herren im Anzug die Spieler abtreten müssen. Andere Länder, andere Sitten.

An Italien kann man indes auch aus Deutschland ablesen, dass so eine Fußball-Krise verdammt lange dauern kann. Der Mangel an herausragenden Talenten ist einer der Gründe dafür, sicher der schwerwiegendste. Auch der beste Trainer kann aus einer mediokren Mannschaft keine Überflieger machen, eine Erfahrung, die gerade Roberto Mancini erdulden muss. Seine Nationalelf nämlich spielt tatsächlich einen ganz schönen Fußball, brav werden die Anweisungen des charismatischen Commissario Tecnico umgesetzt, die Mannschaft ist folgsam und gelehrig.