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Squadra Azzurra im EM-Viertelfinale:Die Ehre der Iren

Sehr ehrenhaft verteidigten die Iren diesmal nicht nur gegen die zerstreut attackierenden Italiener, sie versuchten tatsächlich so etwas wie Angriffsfußball. Das sah etwas tapsig aus und rührend harmlos, versetzte aber die unverdrossen feiernden irischen Fans zeitweise in Ekstase. Und die nervösen Azzurri zeitweise in leichte Panik. Damien Duff forderte Torwart Buffon heraus, Robbie Keane den nach Verletzungspause zurück gekehrten Juve-Verteidiger Andrea Barzagli. Verkehrte Welt: Irland trat entschlossener auf als Italien. Ganz so, als müssten die Iren unbedingt gewinnen und als sei den Italienern sowieso alles egal.

Balotelli Italien Euro EM 2012 Europameisterschaft

Mario Balotelli, ein Teil des Duo Infernale im italienischen Sturm, erzielt das 2:0 gegen Irland.

(Foto: AP)

In seiner Not hatte Prandelli just gegen die zahnlosen Iren auf jene aparte Dreier-Abwehr verzichtet, die Spanien verwirrt und Kroatien zeitweise entwaffnet hatte. Im entscheidenden Spiel wollte der Commissario Tecnico auf Nummer sicher gehen - die Viererkette aus der EM-Qualifikation musste her, mit Barzagli und Chiellini, sowie Balzaretti und Abate. De Rossi wurde aus der Abwehrmitte auf seine angestammte Position im Mittelfeld vorgezogen. Im Sturm spielte der Veteran Di Natale für Balotelli, der sich im Training verletzt hatte.

Mit dieser konservativen Revolution wollte Prandelli dem Team Sicherheit gewähren, bewirkte aber das Gegenteil: So nervös, hölzern und langweilig waren die Italiener bei dieser EM noch nicht aufgetreten. Kein Temperament, keine Spielfreude, kein Siegeswillen, einzig Marchisio und De Rossi ließen sich im Mittelfeld nicht die Butter vom Brot nehmen. Ansonsten wirkten die Italiener bereit zum Verlieren aber nicht zum Gewinnen. Das Gesicht von Andrea Pirlo sagte alles: müde vor der Zeit.

Erst in der letzten halben Stunde traute sich Prandelli endlich was. Für Chiellini kam Bonucci, vor allem aber ersetzte der quirlige Diamanti (Bologna) den Torschützen Cassano und später Balotelli den diesmal biederen Di Natale. Ausgerechnet der viel kritisierte Balotelli war es, der seinen Landsleuten die Erlösung schenkte: das 2:0 kurz vor Schluss. Und Trapattoni räumte ein: "Italien war uns natürlich überlegen. Es gibt viele Aspekte, in denen wir uns noch verbessern müssen" - aber nicht mehr bei dieser EM.