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Italien:Die Squadra Azzurra erlebt nach dem WM-Aus eine Rücktrittswelle

2018 World Cup Qualifications - Europe - Italy vs Sweden

Die alten Recken machen den Weg frei: Giorgio Chiellini, Gianluigi Buffon und Andrea Barzagli (von links) haben ihren Rücktritt erklärt.

(Foto: REUTERS)
  • Wie geht es in Italien nach dem historischen WM-Aus weiter?
  • Die Medien ergehen sich in Tristesse, der Verband kündigt Konsequenzen an, wohl auch für Trainer Ventura.
  • Die Spieler Buffon, Barzagli, Chiellini und De Rossi treten zurück.

Das 0:0 im Playoff-Rückspiel gegen Schweden und die damit verpasste Fußball-Weltmeisterschaft haben unter Italiens Fußballern zu Konsequenzen geführt. Sowohl Torwart-Idol Gianluigi Buffon, als auch die Altmeister Andrea Barzagli, Giorgio Chiellini und Daniele De Rossi erklärten nach dem Debakel ihren Rücktritt. "Ich bin traurig. Es ist extrem schade, dass meine Nationalmannschaftskarriere so zu Ende geht. Das ist sehr enttäuschend für mich und die gesamte Nation", sagte Buffon.

Trauer und Tristesse, aber auch Wut prägten das italienische Stimmungsbild. Die Zeitungen schrieben von einer "Apokalypse", der italienische Fußballverband (FIGC) kündigt Konsequenzen für die Zukunft an: So dürfte Nationaltrainer Gian Piero Ventura kaum zu halten sein.

"Weg mit den Mumien, die den italienischen Fußball leiten"

"Das ist ein sportlicher Misserfolg, der eine gemeinsame Lösung braucht", sagte FIGC-Präsident Carlo Tavecchio der Nachrichtenagentur Ansa: "Und deshalb habe ich für morgen eine Versammlung des Verbands einberufen, um eine gründliche Analyse vorzunehmen und über die Entscheidungen für die Zukunft zu treffen." Der 74 Jahre alte FIGC-Präsident steht allerdings selbst in der Kritik. "Weg mit den Mumien, die den italienischen Fußball leiten, und mehr Raum für junge Leute auch außerhalb des Spielfelds", forderte Ex-Nationalspieler Paolo Cannavaro.

Trainer Ventura dachte (noch) nicht an einen eigenen Rücktritt. "Es kommt nicht auf mich an, ich bin nicht die Person, die diese Entscheidung zu treffen hat", sagte der 69-Jährige. Obwohl seine Zukunft auf der Kippe steht, kündigte Ventura einen Umbruch an. "Die Ära einiger Veteranen geht zu Ende, die von hungrigen, jungen Spielern beginnt. So sollte das auch sein", sagte Ventura.

Für die italienischen Medien ist indes klar, dass Ventura seinen Posten räumen muss. "Italien muss jetzt der Wahrheit in die Augen schauen", schrieb etwa der Corriere dello Sport. In der Aufarbeitung der Geschehnisse dürfe sich niemand vor der Verantwortung drücken. Tuttosport forderte: "Italien muss jetzt das Blatt wenden. Der 13. November 2017 wird in der italienischen Fußballgeschichte als Datum des Debakels in Erinnerung bleiben." Auch aus Spanien kamen traurige Stimmen. Die Marca schrieb: "Eine WM ohne Italien! Es ist ein historisches Fiasko. Buffon hat dieses Italien nicht verdient."

Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw äußerte sich nüchtern, er sieht keine größeren Auswirkungen auf die eigene WM-Aufgabe in Russland. "Italien ist schon ein großer Name, steht bei einem Turnier für gewisse Qualität", hatte der Bundestrainer erklärt. Mit dem Sieg im EM-Viertelfinale 2016 habe sein Team überwunden, dass die Italiener bei einer EM- oder WM-Endrunde von Deutschland zuvor nicht zu schlagen waren. "Daher spielt es nicht die große Rolle", meinte Löw. Für die Italiener selbst sei es ein "Desaster".

© SZ.de/sid/dpa/ebc
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