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Israel, die Politik und der Sport:Das Leid der Wettkämpfer

Die israelische Tennisspielerin Shahar Peer darf nicht zum Turnier nach Dubai einreisen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Nahost-Konflikt auch den Sport erreicht.

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Quelle: SZ

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Shahar Peer

Shahar Peer gehört zu den besten Tennisspielerinnen der Welt, auf jeden Fall ist sie die beste Tennisspielerin Israels, ihre bisher beste Platzierung war Position 15. 2009 wollte sie ihre Qualitäten beim WTA-Turnier in Dubai unter Beweis stellen - doch daraus wurde nichts. Vor Beginn des Turniers in Dubai wurde ihr die Einreise in die Vereinigten Arabischen Emirate verweigert. Die Frauen-Profi-Vereinigung WTA reagierte mit Enttäuschung und Bedauern auf die Entscheidung der Behörden. WTA-Chef Larry Scott betonte in einer Erklärung, Peer sei als 48. der Weltrangliste direkt qualifiziert gewesen und solle nun entschädigt werden. Konkrete Angaben machte Scott nicht.

Schon früher war das Thema wichtig geworden - damals allerdings mit erfreulicherem Ausgang. 2008 trat Peer nämlich beim Turnier in Doha (Katar) an und war die erste israelische Tennisspielerin, die bei einem Turnier in den arabischen Golfstaaten teilnehmen durfte. Doch die neuerlichen Auseinandersetzungen in Gaza haben bei den Behörden in Dubai zu neuen Entscheidungen geführt.

Foto: Reuters

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Quelle: SZ

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Israelische Fußball-Nationalmannschaft

Erst einmal konnte sich eine israelische Fußball-Nationalmannschaft für eine WM qualifizieren (1970). Dennoch sorgte die Nationalelf des Landes schon für ziemlich viel Aufregung. Denn seit der ersten Teilnahme an einer WM-Qualifikationsrunde erlebte die israelische Auswahl eine wahre Odyssee rund um den Globus. 1956 trat Israel dem Asiatischen Fußballverband bei und wollte sich entsprechend über die asiatische Gruppe für die WM 1958 qualifizieren. Doch unter dem Eindruck der Suez-Krise weigerten sich die Türkei und der Sudan gegen Israel zu spielen. Auch ein Qualifikationsspiel gegen Indonesien platzte, weshalb Israel beinahe kampflos zur WM gefahren wäre. Doch kampflose Qualifikationen widersprachen den Fifa-Statuten, und der Weltverband loste einen Gegner aus einem anderen Kontinentalverband zu. Wales wurde gezogen, gewann und fuhr zur WM - als Vertreter Asiens.

Nach allerhand weiteren Verwicklungen trat Israel 1974 aus dem asiatischen Fußballverband aus. In den Achtzigern wechselte Israel in die ozeanische Qualifikationsgruppe und spielte dort gegen Neuseeland oder Australien um die WM-Qualifikation - und traf dort einen weiteren "Fußballflüchtling": Auch Taiwan ging in der Ozeanien-Gruppe an den Start. 1991 wurde Israel in die Uefa aufgenommen und starten seitdem in der europäischen Gruppe (im Bild eine Szene aus dem Spiel der Israelis, blaue Trikots, gegen Ungarn).

Foto: AFP

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Arash Miresmaeili

Am Ende der Olympischen Spiele 2004 ist Arash Miresmaeili um 125.000 Dollar, aber auch um heftige Proteste reicher. Der erfolgreiche Judoka aus dem Iran (Weltmeister 2001 und 2003) sorgte in Athen für einen Eklat, als er erklärte, er wolle nicht gegen den israelischen Sportler Ehud Vaks antreten. Dass ausgerechnet Miresmaeili sich so äußerte, war besonders pikant: Denn der Judoka trug bei den Spielen, die ja auch immer ein Fest des Friedens sein sollen, die Fahne ins Stadion. Kurz vor dem eigentlichen Wettkampf zog der Iraner seine Boykottandrohung zwar zurück, gestartet ist er trotzdem nicht. Denn beim offiziellen Wiegen überschritt Miresmaeili das zulässige Gewichtslimit knapp.

Aus dem Iran gab es neben den 125.000 Dollar (der geplanten Summe für einen Olympiasieg) viel Lob. "Der Name von Arash Miresmaeili wird in die iranische Geschichte eingehen als ein Quelle des Stolzes für das Land", lobte Irans damaliger Staatspräsident Mohammad Khatami. "Das großartige Handeln und die Selbstaufopferung unseres Champions, der auf eine sichere Olympiamedaille aus Protest gegen Massaker, Terror und Besetzung verzichtet hat, ist eine nationale Ruhmestat."

Foto: Reuters

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Quelle: SZ

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Askan Dejagah

Viel Wirbel gab es auch um den deutsch-iranischen Fußballer Ashkan Dejagah und dessen Weigerung, mit der deutschen U-21-Nationalmannschaft in Israel zu spielen. Im Herbst 2007 verzichtete er auf das Spiel - weil er Angst hatte, seine noch in Iran lebende Verwandtschaft müsse mit Repressalien rechnen. Die iranische Regierung verbietet es ihren Bürgern, sportliche Duelle mit Israelis auszutragen.

Obwohl es aus Politik und Gesellschaft harsche Kritik an dieser Haltung gab und erst nach einem Gespräch mit DFB-Chef Theo Zwanziger die Entscheidung fiel, dass Dejagah weiter für die Nationalelf spielen darf, fehlte der Deutsch-Iraner auch im Rückspiel. Dann allerdings aus einem anderen Grund: Dejagah fiel wegen einer Verletzung an der Wade aus - und zwar einer tatsächlichen Verletzung, wie der DFB mehrfach und glaubwürdig erklärte. Denn zuvor waren iranische Fußballer mehrmals ausgerechnet dann verletzt, wenn ein Spiel in Israel auf dem Programm stand.

Foto: ddp

(aum/mel)

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