TSV 1860 München Ismaik überweist auf den letzten Drücker

Hat doch noch überwiesen: Hasan Ismaik.

(Foto: dpa)
  • Aufsichtsrat Peter Cassalette tritt ab, und auch sonst ist mal wieder alles hochgradig kompliziert beim TSV 1860 München.
  • Auf den letzten Drücker überweist Investor Ismaik dem Fußball-Drittligisten mehr als eine Million Euro.
  • Sonst hätte ein strikter Sparkurs gedroht.
Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Er wolle in seiner ersten Amtshandlung zunächst einmal mit Hasan Ismaik reden, hat Peter Cassalette angekündigt am Tag seiner Wahl zum Löwenpräsidenten im November 2015. Drei Jahre später muss er mit Ismaik nicht mehr reden. Dafür kennt sich Cassalette nun ganz gut aus mit Rücktritten. Und im Vergleich zu seinem ersten Rücktritt beim TSV 1860 München fällt sein jüngster Rücktritt vor allem dadurch auf, dass er vergleichsweise geräuschlos über die Bühne ging.

Als Cassalette zum ersten Mal ein Amt niederlegte, das des Vereinspräsidenten bei 1860, da rumorte es gerade so sehr im Klub, dass der Betrachter ein wenig den Überblick verlieren konnte angesichts der Vielzahl von Rücktritten und Abschieden. In der Nacht nach der verlorenen Relegation gegen Regensburg Ende Mai 2017 schmissen alle gleichzeitig hin: Trainer Vitor Pereira, Geschäftsführer Ian Ayre. Und eben auch Cassalette, der Präsident, der mit der Agenda eines Kupplers angetreten war. Er wollte die alte Dame Sechzig mit ihrem rätselhaften Investor Ismaik verschmelzen. Sie kamen nie zusammen.

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Als Cassalette Anfang des Jahres in anderer Funktion zurückkehrte zu 1860, da erkannten viele Beobachter im Handeln Ismaiks zum ersten Mal ein kluges Konzept: Gemeinsam mit MAN-Betriebsrat Saki Stimoniaris rückte Cassalette anstelle von Hasan Ismaik und dessen Bruder Abdelrahman in Sechzigs Aufsichtsrat. Die Idee war: Die seit 2011, dem Jahr von Ismaiks Einstieg bei 1860, verfeindeten Gesellschafter sollten endlich zielgerichtet zusammenarbeiten. Auch in dieser Funktion ist Cassalette nun zurückgetreten. Offenkundig, weil er (sehr spät) erkannt hat, dass keine verlässliche Zusammenarbeit bei 1860 möglich ist. Cassalette ist erst als Ismaiks Partner gescheitert, nun auch als sein Stellvertreter.

Geldstrafen und Punktabzug drohten

Ob sich Cassalette nun mit Ismaik überworfen hat, nur mit seinem Stellvertreterkollegen Stimoniaris, gleich mit beiden, oder er einfach nur mit der Gesamtsituation unzufrieden war, das ist unerheblich. Es ist jedenfalls mal wieder alles hochgradig kompliziert bei Sechzig. Es fehlte Geld. Und es gibt selbstgeschaffene Probleme.

Bis zu diesem Freitag hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) 1860 noch Zeit eingeräumt, nachzuweisen, dass es tatsächlich über die Gelder verfügt, die es im Zuge der vom DFB erteilten Spiellizenz versprochen hatte. Es fehlten 1,2 bis 1,5 Millionen Euro zusätzliche Liquidität. Ein im Sommer unterschriebener Darlehensvertrag von Ismaik über zwei Millionen Euro, die der Klub im Zuge von Spielertransfers im Sommer längst verplant hatte, genügte dem DFB nicht als Garantie. Der Verband, der einen unfallfreien Spielbetrieb in der dritten Liga sicherstellen möchte, fordert von 1860 seit Wochen den Nachweis eines Zahlungseingangs auf dem Konto - oder aber die Bürgschaft eines deutschen Bankinstituts.

Hätte Ismaik bis diesen Freitag nicht überwiesen, davon gehen sie intern zumindest aus, hätten Geldstrafen und Punktabzug gedroht. Die Strafe, dass 1860 in diesem Winter keine Transfers tätigen darf, soll der DFB dem Klub für den Fall eines ausstehenden Liquiditätsnachweises schriftlich verkündet haben. Erst am Dienstagabend verschickte Saki Stimoniaris eine Pressemitteilung, die neben einigen Höflichkeiten in Richtung des zurückgetretenen Cassalette die sehnsüchtig erwartete Botschaft enthielt. "Desweiteren geben wir bekannt, dass wir am heutigen Dienstag das von Geschäftsführer Michael Scharold avisierte Geld rechtzeitig überwiesen haben", hieß es darin. Hätte Ismaik, der traditionell oft auf den letzten Drücker zahlt, bis Freitag das Geld nicht zur Verfügung gestellt, hätte Geschäftsführer Scharold jene Liquidität auf anderem Wege herstellen müssen. Auf einem Wege, den Ismaik nicht gerne beschritten hätte. Scharold hätte auf ein Darlehen über zwei Millionen Euro zurückgreifen können, das der Hauptsponsor "Die Bayerische" eingeräumt hat - um die zweijährige Fortführungsprognose sicherzustellen, die Scharolds Vorgänger Markus Fauser erstellt hat. Verzinst worden wäre das Darlehen mit fünf Prozent - das wäre nicht einmal das größte Problem gewesen.

Streng genommen hätte "Die Bayrische" ihr Darlehen gar nicht zweckentfremdet zur Verfügung stellen dürfen. Würde der Versicherer eine Lücke stopfen, die Ismaik mit seiner Nichtüberweisung gerissen hätte, würde das Geld an jener Stelle fehlen, für die "Die Bayerische" einstehen wollte: zur Absicherung vor einer Insolvenz.

In diesem Szenario hätte der Klub sofort sparen müssen, um die Fortführungsprognose dennoch zu sichern. Die naheliegendste Stelle wäre der Kader gewesen. Ist das Geld nun tatsächlich überwiesen worden, dann wäre dieses Szenario noch einmal abgewendet. Auf den allerletzten Drücker. Mal wieder.

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